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Mensch... Michael Schumacher!

Mensch... Michael Schumacher!

So richtig ist das ja nun nix mit dem großen Comeback. Nicht, dass sechste oder zehnte Plätze in einem körperbetonten Hochleistungssport für einen älteren Herrn nach längerer Pause eine schlechte Leistung wären.

Im Gegenteil. Als Mark Spitz als Blei-Ente wieder ins Schwimmbecken sprang, Muhammad Ali durch den Boxring geprügelt wurde oder Lothar Matthäus über den Fußballplatz stolperte, wären sie froh gewesen, noch so nahe an der Spitze zu sein wie Sie.

Aber Schumi ist eben Schumi, und da ist schon der zweite Platz eine Niederlage. Jedenfalls bei den weniger wohlwollenden Betrachtern. "Er fährt wie der falsche Zwillingsbruder von Michael, der alles gewann", höhnt die italienische Presse. "Er kommt bei dem hohen Tempo einfach nicht mehr mit", ätzen die englischen Kommentatoren.

Das schmerzt denn schon ein bisschen. Aber nicht annähernd so sehr wie der Umstand, dass dieses Bürschlein von Rosberg im nahezu gleichen Auto einfach eine ganze Ecke schneller fährt als Sie.

Aber so ist das, wenn das alte Leittier zum Rudel zurückkehrt, das längst eine neue Hackordnung hat: Der Respekt lässt nach. Letzten Sonntag schlich da so ein 20-jähriger namenloser Jungfuchs im Bobbycar - pardon, das Ding heißt Toro Rosso - vor Ihnen her und machte einfach keinen Platz. Früher wäre so einer rechts rangefahren und hätte brav am Randstreifen geparkt, bis Sie vorbeigezogen sind.

Aber so ist das Leben. Graue Panther müssen irgendwann Platz machen für halbstarke Löwen. So ging es schon Caesar mit Mark Anton. Und Jens Lehmann mit René Adler. Oder Helmut Kohl mit Angela Merkel.

Gestartet sind Sie mit der größten denkbaren Euphorie. Beim zweiten Rennen war die Einschaltquote schon nur noch halb so hoch.

Wollen wir hoffen, dass auf Begeisterung und Abkühlung nicht bald Häme und Spott folgen. Der Weg ist manchmal erschreckend kurz von everybody's Darling zu everybody's Depp.

Aber noch haben Sie es in der Hand: Lassen Sie beim nächsten oder übernächsten Rennen einfach noch mal so richtig einen raus. Zeigen Sie, dass graue Panther noch ordentlich beißen können. Jedenfalls ab und zu.

Dieter Lintz