Mensch... Peer Kusmagk!

Mensch... Peer Kusmagk!

Danke, danke und nochmal danke. Sie haben mir den Glauben an die Menschheit wiedergegeben.

Oder sagen wir, an die Deutschen. Oder, wir wollen ja nicht übertreiben: an die Fernsehzuschauer.

Seit Jahren verfolge ich - selbstverständlich nur am Rande und aus rein dienstlichen Gründen - dieses unsägliche RTL-Dschungelcamp. Und jedes Mal habe ich mich mehr aufgeregt über die Verrohung der Sitten auf und vor dem Bildschirm. Und nicht minder über die Nervensägen, Zicken, Machos, Dummschwätzer und aufgedrehten Selbstdarsteller, die sich im Dschungel in den Vordergrund spielten.

Und dann kommt da ein großer Bubi mit einem Stoff-Äffchen auf dem Arm. Einer, der eigentlich nur nett sein will zu allen und anfängt zu heulen, wenn es Streit gibt. Einer, der mit 35 noch R4 fährt, ihn aber mangels Benzingeld stehen lassen muss. Ein gescheiterter Schauspieler und Moderator, als Gastronom im wahrsten Sinn des Wortes abgebrannt, ein sympathischer Zappelphillip und ewiger Klassenclown. Einfach eine Spur zu ehrlich für diese Welt, zumal im Promi-Dschungel, wo die gefährlichsten Vipern und Skorpione nicht der Tierwelt angehören.

Und was passiert: Der personifizierte Loser wird mit 70 Prozent der Stimmen zum König gewählt. Das Fernsehvolk kürt nicht den intellektuellen Pflanzenfresser, nicht das Alphamännchenduo, nicht die aufmüpfige Nervnatter, nicht die Silikonbombe und schon gar nicht die profillose Camp-Füllmasse. Es hebt den Schwächsten auf den Thron, weil er im entscheidenden Moment nicht so feige war, wie alle anderen, dem Mainstream folgend, eine Außenseiterin zu mobben. Eher nahm er in Kauf, selbst zum Außenseiter zu werden.

Das ist stark. Es gibt doch noch Hoffnung, wenn das von Sozialdarwinismus Marke DSDS oder Top-Model geprägte Publikum zu Empfindungen wie Mitleid oder Solidarität imstande ist. Wenn es nicht auf den Kleinen draufhaut, um bei den vermeintlichen Siegern zu sein.

Wahrscheinlich, lieber Herr Kusmagk, würden Sie gar nicht verstehen, wovon ich hier so rede. Ist aber auch egal. Wichtig ist: Vielleicht machen die neun Millionen RTL-Zuschauer beim nächsten Mal den Mund auf, wenn in ihrem Betrieb oder in ihrer Clique jemand Schwächere mobbt, wenn am Stammtisch einer gegen Hartz-IV-Empfänger hetzt oder wenn ein Erfolgsguru so tut, als sei jeder selber schuld, dem sein Leben misslingt. Vielleicht schicken sie die Betreffenden ja genau dahin, wo sie auch die Jays und Mathieus hingeschickt haben.

Dann wären Sie für mich am Ende der Mann des Jahres.

Dieter Lintz

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