Mensch... Pep Guardiola

Der Besuch von Barack Obama in Deutschland war aufregend. Aber irgendwie blieb der Amerikaner dieses Mal eher blass, anders als bei seinem Besuch vor dem Amtsantritt als US-Präsident.

Und ganz zu schweigen von Superstar John F. Kennedy mit "Ich bin ein Berliner". Aber jetzt endlich sind Sie, Herr Guardiola, gekommen, und haben ein wenig Glamour in den kalten deutschen Sommer gebracht. Der Messias des Fußballs und ähnliche Formulierungen sind Ihnen vorausgeeilt. Aber während der wirkliche Messias damals noch richtig viel Arbeit vorfand, ist bei Ihrem neuen Job in Bayern nicht mehr viel da, was es zu retten gilt. Denn Ihr Vorgänger Jupp Heynckes hat die Messlatte verdammt hoch gelegt.

O.K., Ihre 14 Titel in vier Jahren, das ist schon recht gut. Aber Jupp mit seinem Triple in diesem Jahr ist eben auch nicht schlecht. Ich bin schon sehr gespannt, wie Sie jetzt punkten wollen. O.K., hier und da gibt es Möglichkeiten, noch ein wenig mehr Glanz in die bayerische Hütte zu bringen. Während Ihr Vorgänger eher hemdsärmelig um die Ecke kam, umweht Sie dieser Hauch von Glamour - Maßanzug statt Trainingskleidung. Was die Bayern davon haben? Vielleicht mehr weibliche Zuschauer? Glaub ich echt nicht. Denn mittlerweile sollte es genug Frauen geben, die Fußball nicht mehr wegen der schönen Männer, sondern eben wegen des Sports sehen wollen. Aber einen Trumpf im Ärmel haben Sie doch noch: Sie haben Deutsch gelernt.

Dass Sie bei einer BVB-Anhängerin in New York die Sprache erarbeitet haben, ist vielleicht nicht ideal. Aber entscheidend ist, was hinten rauskommt. Hat schon Altbundeskanzler Kohl gesagt. Und da könnten Sie echt punkten. Wenn Ihre Aussprache halbwegs klar rüberkommt, haben Sie unter Fußballern ohnehin schon gute Karten. Und im Vergleich zum waschechten Bayern kommt Ihr Deutsch dem Durchschnitts alemannen gar nicht mehr so spanisch vor. Vielleicht würzen Sie unseren Sprachgebrauch noch mit neuen Begriffen. So etwa wie "Feierbiest", das von Ihrem holländischen Kollegen van Gaal stammen soll. Oder, unvergessen, "die Flasche leer" von Trapattoni. Wenn Sie das toppen können, dann haben Sie es wirklich geschafft. Vielleicht auch ohne alle Titel zu gewinnen. Nora John

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