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Mensch... Ursula von der Leyen!

Mensch... Ursula von der Leyen!

Wir haben doch noch gar kein Sommerloch. Und trotzdem jagen Sie Tag für Tag Themen von der Qualität des Monsters von Loch Ness über die politische Bühne.

Letzte Woche, da waren's die Ex-Schlecker-Mitarbeiterinnen, mit denen Sie die Personallücke in Ihren Kitas stopfen wollten. Super Idee, kann ich da nur sagen. Passt schon. Wer eine Ladenkasse bedienen kann und weiß, wo man Schokoriegel so platziert, dass die Kids gut drankommen, bringt die idealen Voraussetzungen mit für den Erzieherinnen-Job. Ein paar Monate Umschulung, und dann klappt's. Und wenn demnächst eine Fleischfabrik zumacht: Was soll's, die Ausbeiner können locker den Personalbedarf im nächsten Pflegeheim decken.

Und wenn wir Medienleute mal arbeitslos werden? Keine Sorge, Anlagenelektroniker werden immer gesucht, und unsereins hat ja gelernt, wie man aus inhaltlichem Niedrigstrom ein paar Tage lang Hochspannung erzeugt. Dass ein Job vielleicht auch was mit Neigung und Kompetenz zu tun hat, kommt Ihnen nicht in den Sinn. Kein Wunder, im Bundeskabinett wird man ja auch Fachminister ohne einen Schimmer von Ahnung. Leider ist die Politik auch danach.

Aber das muss uns alles nicht kümmern, wir haben ja wichtigere Probleme. Zum Beispiel Ihre neueste Forderung, dass es Unternehmen bei Strafe verboten werden soll, ihre Mitarbeiter nach Dienstschluss am Smartphone oder Computer zu behelligen.

Ich weiß gar nicht, ob ich das jetzt öffentlich noch bekennen darf, ohne in Acht und Bann zu geraten: Ich gehöre zu den Verrückten, die auch abends daheim gerne ihre Büro-Mails lesen. Sogar im Urlaub werfe ich öfter einen Blick auf die dienstliche Kommunikation. Bin ich krank? Workaholic im Endstadium? Abmahnung, Herr Lintz, Sie haben schon wieder außerhalb der amtlichen Bürozeiten gearbeitet! Muss mein Arbeitgeber künftig mein Blackberry einbehalten, wenn ich das Büro verlasse, und im Tresor verschließen wie der Schützenverein die Waffen? Oder gibt's Kontrolle via Vorratsdatenspeicherung? Da freut sich die Kollegin Leutheusser-Schnarrenberger.

Vielleicht noch ein Tipp. Wenn Sie das nächste Mal wieder irgendeine Idee haben: Denken Sie einfach, es wäre Abend oder Wochenende, und schalten Sie Ihr Handy ab. Ist manchmal besser.