Mensch, Wolf! - Hermann-Hesse-Klassiker hat Premiere im Theater Trier

Mensch, Wolf! - Hermann-Hesse-Klassiker hat Premiere im Theater Trier

Hesses Kult-Roman wird im Theater Trier zum kurzweiligen, wenn auch nicht tiefschürfenden Traumtrip - auch dank einer cleveren Idee.

Das war's, Jacke an - und bevor Sie rausgehen, liefern Sie doch bitte noch eine pointierte Inhaltsangabe ab! Gut, mit einer solchen Forderung hätte man sich nach der "Steppenwolf"-Premiere im fast voll besetzten Theater Trier wohl nicht allzu viele Freunde gemacht. Für diejenigen, die Hermann Hesses Klassiker nie gelesen haben oder - achje, Klischee - zuletzt einst in der wilden Jugend, die hatten vielleicht Probleme, der sattbunten Bilderreise ins Unterbewusstsein von Harry Haller eine stringente Handlung abzugewinnen. Ein Mensch, ein Steppenwolf. Und am Ende ist jemand tot. Kein Spoiler, jetzt.

Die 280 Seiten Weltliteratur in knapp anderthalb Stunden auf die Bühne zu bringen, und da ist der mehrminütige, sehr freundliche Applaus des Premierenpublikums schon inklusive - das ist ambitioniert. Aber es funktioniert in der Inszenierung von Anna-Elisabeth Frick ziemlich gut. Für die junge Regisseurin war die Trierer Koproduktion mit Les Théâtres de la Ville in Luxemburg das Abschlussprojekt im Rahmen ihres Regiestudiums in Ludwigsburg.

Hesses Alter Ego Harry Haller, Ende Vierzig, geht an seiner seelischen Gespaltenheit fast kaputt. In Trier wird das Tier plakativ auf die Bühne gezerrt, mit einer Doppelbesetzung. Matthias Breitenbach übernimmt unaufgeregt die menschliche Seite, den bürgerlichen Intellektuellen, Literaturliebhaber und Mozart-Fan. Aber der Steppenwolf, der einsame Zweifler, sitzt ihm immer im Kreuz - in Gestalt von Tänzer Gilles Welinski, der die wölfische Seite grandios in Szene setzt und der im übrigen auch schön als Hesse-Double durchgeht (Kostüme: Julia Ströder). Das Duo steht im Zentrum auf dem gar nicht so langen, vor allem sehr kurzweiligen Weg zum Showdown im Magischen Theater. Ihr Drehbühnen-Trip durch die surreale Traumwelt ist dabei mal originell bebildert, wie beim tierischen Kostümball, mal schlicht, aber immer geschmackssicher (Bühne: Christian Blechschmidt). Ein besonderes Lob verdient die Musik des Luxemburgers Max Thommes, der dem "Steppenwolf" einen atmosphärischen, manchmal elektronischen Soundtrack verpasst.

Die Entwicklung bis zum Finale vollzieht sich sehr schnell, es bleibt wenig Raum für Tiefe. Wenig Zeit, Charaktere wie Hermine (Elisabeth Johannesdottir), Maria (Catherine Elsen), Pablo (Nickel Bösenberg) oder Barbara Ullmann (Tierbändigerin) richtig einzuführen. Die unkonventionellste Besetzung ist der biedere Professor - er wird von der jungen Kara Schröder karikariert. Dessen geliebten Goethe zerreißt es in Fricks Inszenierung selbst einmal. Aber das lässt sich ja selbst noch überprüfen. Nicht nur deshalb sollte man dem Trierer "Steppenwolf" eine Chance geben. Auch wenn einen Harry Hallers Seelenpein heute vielleicht nicht mehr so wie früher erschüttern mag.
STEPPENWOLF: WEITERE VORSTELLUNGEN

Extra

Die Koproduktion von Trier und Luxemburg ist im Theater Trier am 4., 17., 19. Februar und am 15. April zu sehen sowie am 5. März in Luxemburg (Grand Théâtre).

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