Mensch …

Meinung … Kai Ming Au! Sie haben das Weltbild einiger Ewiggestriger aber ganz schön durcheinandergebracht. Da sind Sie ein ordentlicher deutscher Burschenschaftler, ja sogar Vorsitzender der Verbindung Hansea in Mannheim - und das mit Schlitzaugen.

Zwar sind Sie in Deutschland geboren, aber ihre Eltern sind so merkwürdige Asiaten aus Hongkong. Wo kommen wir da hin, wenn jetzt jeder dahergelaufene Fidschi das deutsche Wesen verwässert? Das fängt ja schon beim Vize-Kanzler an. Ihren Burschen-Brüdern aus Bonn blieb ja gar nichts anderes übrig, als den Ausschluss Ihrer ganzen Gruppe wegen undeutscher Umtriebe zu verlangen. Schließlich gehe es doch nicht, so das Argument, dass Leute "ohne deutschen Stamm" oder, oh Graus, mit "nicht-europäischer Körpermorphologie" das deutsche Burschenwesen zu unterwandern. Was wird dann aus der "Schicksalsgemeinschaft des deutschen Volkes"? Da mochten wohl auch die Brüder von der Burschenschaft Franconia Münster nicht nachstehen. Bei denen ist die abstammungsmäßige "Zugehörigkeit zum deutschen Kulturkreis" entscheidend für die Mitgliedschaft. In Zeiten, da sich manche Burschenschaftler noch heimischer fühlten zwischen Maas und Memel, Etsch und Belt, hieß das kurz und knapp "Ariernachweis", aber das macht sich heute nicht mehr so gut. Heutzutage ist ja auf dem völkischen Sektor alles möglich. Bei uns in Trier haben wir sogar einen Ober-Neonazi, der vom Balkan stammt. Stellen Sie sich das mal vor. Wo soll das enden? Allerdings kommt mir, wenn ich Sie da mit Ihrem roten Käppi und dem Bämbelchen sehe, eine Frage in den Sinn: Was bewegt einen netten, intelligenten jungen Mann aus gutem Haus dazu, sich einem Verein anzuschließen, dessen oberster Lebenszweck das ebenso planvolle wie sinnlose Besaufen ist und das wechselseitige Anritzen mit einem Schwert, bis die Bäckchen nach Hackepeter aussehen? Ich für meinen Teil halte es da mit dem alten Kurt Tucholsky: Der empfahl Burschenschaftlern, einen Besuch im Museum zu meiden, denn es bestehe Gefahr, "dass man sie gleich da behält". Aber bitte in der Zombie-Abteilung. Dieter Lintz