Mensch…

Meinung … Philipp Rösler! Glückwunsch zum schnellsten Aufstieg der neueren politischen Geschichte in Deutschland. Karrierismus kann man Ihnen nun wirklich nicht vorwerfen, Ihre Laufbahn vollzog sich so rasend schnell, dass sie unmöglich beabsichtigt gewesen sein kann.

Noch vor zweieinhalb Jahren kannte Sie südlich von Hannover kein Mensch. Dann genügten neun Monate als Landesminister, um Sie fürs Bundeskabinett zu qualifizieren. Dort brauchten Sie mal gerade 18 Monate, um den Sprung zum Parteivorsitz der FDP und zum Lebensretter des ausblutenden Liberalismus zu schaffen - selbst für einen an Notfalleinsätze gewöhnten Arzt ein irres Tempo. Wenn Sie so weitermachen, können wir schon hochrechnen: In spätestens 48 Monaten wird der nächste Bundespräsident gewählt. Gut, da müssten Sie für Ihre Verhältnisse schon ziemlich lange warten. Aber Geduld: schneller geht\'s nicht, Sie müssen laut Verfassung ja erstmal vierzig Jahre alt werden. Was mir an Ihnen sympathisch ist: Sie haben nirgendwo mit den Hufen gescharrt und nach Posten gegeiert. Stattdessen mit stetigem Konfirmandenlächeln in der Nähe des Geschehens gestanden, als könnten Sie kein Wässerchen trüben. Was können Sie dafür, wenn sich in Ihrer Partei alle wechselseitig so aus dem Weg metzeln, dass die attraktiven Jobs geradezu unvermeidlich auf Sie zukommen? Noch ein Pluspunkt: Sie können reden. Frei sogar. Klare Gedanken, geschliffene Sätze. Ich weiß, das müsste eigentlich jeder Politiker können, gehört zu seinem Handwerk. Aber wenn man manche Ihrer Kollegen so herumhomburgern hört, fragt man sich, warum ausgerechnet Leute mit zwei linken Händen Schreiner werden müssen. Aber jetzt wird\'s ernst. Der Welpen-Bonus ist passé, irgendwann wird die Presse Sie anknurren, und manche Parteifreunde werden Sie von hinten in die Waden beißen. Was man jetzt noch nett und unkonventionell findet, wird man Ihnen um die Ohren hauen - vielleicht können Sie eine Schicksalsgemeinschaft mit Jürgen Klopp von Borussia Dortmund eingehen, der wird Ähnliches erleben. Aber Sie haben einen unschätzbaren Vorteil: Sie haben ein Team auf dem letzten Abstiegsplatz übernommen, von einem Teamchef, der so beliebt war wie Berti Vogts und Lothar Matthäus zusammen. Es kann also mit Ihnen bis auf weiteres nur besser werden. Dieter Lintz

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