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Mensch …

Sie sollten vorsichtig sein. Die Erfahrung hat gezeigt, dass die Menschen, die sich immer wieder in diese Kolumne gedrängt haben, sehr schnell politisch weg vom Fenster waren.

Fragen Sie Herrn zu Guttenberg und Herrn Wulff. Die waren - genau wie Sie jetzt - hier auch mehrfach vertreten, und jetzt? Eben. Nun aber mal zum Thema. Sie finden also, dass ein Kanzler oder eine Kanzlerin zu wenig verdient. O.k., wenn man wie Sie bisher 25 000 Euro für einen Vortrag bekommen hat, und bei dem neuen Job - sofern Sie ihn denn kriegen - nur noch 20 000 verdient, ist das bitter. Vor allem, wenn Sie für diese Summe nicht etwa einen Abend, sondern einen ganzen Monat schuften müssen. Auf die Stunde umgerechnet ist das ein herber Rückschritt. Ein Manager der Autoindustrie würde für so einen Hungerlohn nicht den Zündschlüssel in die Hand nehmen. Und für die Herren von der Bank wären das nicht mal die berühmten Peanuts, sondern bestenfalls Brotkrümel. Aber schauen Sie doch mal, Herr Steinbrück. Das sind Wirtschaftsbosse, zu deren Stellenbeschreibung es gehört, möglichst viel Geld zu scheffeln, nicht nur für den Betrieb, sondern eben auch gerne in die eigene Tasche. Und das ist der Unterschied. Als Kanzler leiten Sie so etwas wie einen Sozialstaat. Und ihr Gehalt wird zum größten Teil von denen bezahlt, die auch sehr viel arbeiten, aber meistens eben gerade mal so rund kommen mit ihrem Geld. Wie wollen Sie sich für die Probleme des kleinen Mannes einsetzen, wenn sie finanziell - auf seine Kosten - watteweich gebettet sind? Deshalb stelle ich mir die Frage: Wollen Sie überhaupt Kanzler werden? Wenn ja, dann fangen Sie an, sich über das Einkommen des Normalbürgers, also ihres Wählers, Gedanken zu machen. Und nicht über Ihr eigenes, wenn sie es ins Kanzleramt schaffen sollten. Nora John