Menschen sind ganz schön verdreht

Einer der großen europäischen Meister des Tanztheaters hat in Luxemburg gastiert. Alain Platel und "Les Ballets C de la B" präsentierten "Out of Context - pour Nina". Das Publikum jubelte.

Luxemburg. (er) Menschen sind einsame bedürftige Wesen. Wohl dem, der eine wärmende Decke hat und ein Mikrofon, das seine Stimme hörbar macht. Mehr lässt Alain Platel seinen Tänzern nicht (als Kostüm wie Bühnenbild), und das ist mehr als genug, wie sein Tanztheaterstück "Out of Context" (ohne Zusammenhang) eindrucksvoll belegt.

Platel ist ein Choreograf, der seit 20 Jahren den Tanz als Körpersprache wörtlich nimmt. Jede Muskelzuckung, jeder gekrümmte Finger, die klappernden Zähne, die grotesk verdrehten Körper, alles ist ihm Ausdruck.

Was im Menschen ist, entäußert sich für Platel in Geste und Bewegung. Mit seiner neusten Produktion, einer Hommage an die große alte Dame des Tanztheater Pina Bausch, ist dem Choreografen einmal mehr ein großartiger Wurf gelungen. Um "Hysterie" geht es in diesem neusten Stück.

Platel und seine hervorragenden jungen Tänzer schaffen atemberaubende Bilder von Angst, Einsamkeit, Sehnsucht und hemmungsloser Lust. Eigentlich ist Platel weit mehr als ein Tanzmeister. Er ist ein Bildhauer, der aus menschlichen Körpern grandiose Plastiken macht. Begleitet von Sam Serruys musikalischem Mix aus Bach und Pop bringt Platel - durchaus im Zusammenhang - den Menschen flott, frisch und faszinierend auf den Punkt.