Michael Patrick Kelly: Aus dem Kloster zur Porta Nigra

Porta-hoch-drei-Festival : Michael Patrick Kelly: Aus dem Kloster zur Porta Nigra

Mit zehn Tagen wurde Michael Patrick Kelly das erste Mal auf die Bühne getragen. Heute wagt er ein Comeback – abseits der Kelly-Family. Mit seiner „iD“-Tour zum gleichnamigen Album hat er auch in Trier beim Porta-hoch-drei-Festival haltgemacht. Der Popstar präsentiert sich authentisch und gereift.

Die Porta Nigra liegt in der Abendsonne. Eltern mit ihren Kindern auf den Schultern, jüngere und ältere Paare, alle warten gespannt auf den Star des Abends: Michael Patrick Kelly.

Wer bin ich? Wer bist du? Wer sind wir? Diese Fragen scheint Michael Patrick Kelly mit seinem neuen Album „iD“ und der dazugehörigen Tour beantworten zu wollen. Er fängt gleich bei sich und seiner „iD“, seiner Identität, an. Er hatte schon viele: Straßenmusiker, Teenieschwarm, Mönch, Popstar. Irgendwie wurde ihm das ja auch in die Wiege gelegt. Er erzählt Geschichten aus seinem Leben, vom Absturz, vom Sinn, vom Ruhm, von Gott und von Hoffnung.

Es geht los, Kelly betritt die Bühne und sein Publikum jubelt. Der Beat pulsiert. Ein Fan offenbart: „Das ist sein eigener Herzschlag, den er aufgenommen hat.“ Der Vorplatz der Porta ist voll, das Konzert ausverkauft. Die ersten drei Songs performt Kelly am Stück. Er ist voll bei der Sache, seine Band geht bei jedem Song mit. „Hello Trier!“, begrüßt er danach seine Fans, „es hat was von zu Hause sein hier“. Seine aktuelle Single „Round about“ überzeugt mit soften Klängen. Menschen stehen rundum auf den Balkonen und hören zu, Bier und Getränke werden verkauft. Die Atmosphäre ist entspannt.

Kelly wirkt bei sich angekommen und zufrieden. Er begrüßt alle Nationen einzeln. Fans aus der Schweiz und aus Irland sind extra angereist, um ihn zu sehen. Er winkt den Menschen auf den Balkonen zu, scherzt und bleibt dabei sehr natürlich. Der Weg dahin war oftmals schwer, wie er nachher erzählt. Er stand kurz davor alles hinzuschmeißen, die Musik und sein Leben auch. Ein spirituelles Schlüsselerlebnis und sechs Jahre, die er im Kloster verbrachte, gaben ihm seinen Lebensmut und die Liebe zur Musik zurück. Heute steht er vor seinen Fans und hat keinerlei Berührungsängste mehr. Er singt mit Hingabe und überzeugt mit seiner gut ausgebildeten Stimme.

Die Menschen lieben ihn dafür. Viele der weiblichen Fans sind noch die, die er schon vor dreißig Jahren hatte, die ihn als langhaarigen Teenie begleitet, verehrt und bekreischt haben. Aber auch viele neue sind dabei.

Kelly mag nicht jedermanns Sache sein, aber er versteht es, seine Musik mit seiner ganzen Person zu verkörpern und das überzeugt. Tränen fließen, Arme werden in die Luft gestreckt, Pärchen tanzen. Auch musikalisch ist er gut aufgestellt: mit Congas und rhythmischen Klatschspielen lockert er die Atmosphäre und seine Songs auf, seine Band wirkt genauso souverän wie er.

„Es war Liebe auf den ersten Blick bei euch. Ihr tut uns gut“, sind seine Abschiedsworte an das Trierer Publikum. Ihn umflort nach wie vor die Aura, die ihm seit der ersten musikalischen Stunde anhaftet, mit der er schon als kleiner Junge Stadien füllte.

Das Publikum trägt den Künstler durch Beifall durch jeden Song. Pathetisch gibt es dann schlussendlich noch die Songs „Holy“ und „Hope“ als persönliches Credo, als Zeichen dafür, dass er sich dem Glauben verpflichtet fühlt.

Mehr von Volksfreund