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Michael Sadler über Rock am Ring, Saarbrücken und das neue Saga-Album

Vor dem Konzert in Bitburg : Die Legende Saga zieht’s in die Eifel

Erinnerungen ans erste Rock-am-Ring aller Zeiten, an die Jahre in Saarbrücken und Andeutungen zum neuen Album: Saga-Frontmann Michael Sadler hat vor dem Auftritt der kanadischen Rockband in Bitburg (7. März) mit dem TV gesprochen.

Ein nicht zu unterschätzender Aspekt an Video-Plattformen wie Youtube: Sie stellen Zeitdokumente ins Licht, die sonst für immer in den Archiven der Fernsehsender eingekerkert geblieben wären. So lässt sich heute noch ziemlich gut rekonstruieren, wie das erste „Rock am Ring“ aller Zeiten auf dem Nürburgring ausgesehen hat – im Mai 1985: Nur eine Bühne, 17 Bands, über 75 000 Fans. Bei Michael Sadler hat sich der Pfingstsonntag vor 35 Jahren in der Eifel fest eingebrannt. Für seine Band Saga war es der bis dahin größte Gig der Bandgeschichte. „Ich war komplett überwältigt“, erinnert sich der Frontmann der kanadischen Rockband: „Nicht nur wegen der riesigen Bühne. Wir hatten auch vorher große Auftritte, aber so etwas hatte ich noch nicht erlebt. Es war fast surreal: Es waren überall Menschen, so weit ich sehen konnte.

Ein früher Abend mit viel Sonne in der Eifel – und nur etwas Schatten: „Die Bühne war sehr hoch und ziemlich weit weg von den Zuschauern. Eine solche Distanz mag ich eigentlich nicht so.“ Das lässt sich dank Youtube leicht bestätigen: Inzwischen ist der Abstand zwischen Bühne und erster Reihe deutlich kleiner.

Nun war die 1976 gegründete Prog-Rock-Band Mitte der 80er alles andere als eine kleine Nummer – vor allem in Deutschland hatte Saga Legenden-Status. Das lag einerseits an Hits wie „Wind Him Up“, „On the Loose“ (1981) oder auch „The Flyer“ (1983). Andererseits lässt sich ein Teil der Erfolgsgeschichte genau terminieren – auf den 19. Dezember 1981. Da spielten Saga bei „RockPop in Concert“ in Dortmund vor 15 000 Zuschauern mit Foreigner, Meat Loaf und Spliff in der Westfalenhalle – und  27 Millionen Zuschauern schauten sich einige Wochen später vor dem Fernseher die Aufzeichnung an, moderiert von Thomas Gottschalk. „Das war ein sehr wichtiger Moment in unserer Karriere. Das Konzert hat uns in Deutschland den Weg bereitet“, erzählt Sadler.

Die Kanadier hatten ein Alleinstellungsmerkmal, einen Aha-Effekt auf ihrer Seite, der über filigrane Keyboard- und Gitarrenläufe hinausging: Damals schnappte sich Sadler einen Aktenkoffer, in den elektronische Drumpads eingebaut waren – und lieferte sich in „A Brief Case“ mit Schlagzeuger Steve Negus ein Duett. „Wir hatten damals die Idee, die Pads in einen Aktenkoffer (engl. brief case) einzubauen, weil das extrem ungewöhnlich aussah. Ich erinnere mich auch, dass wir mal in einem Club in München waren und sich die Tanzfläche füllte, als der DJ ‚A Brief Case’ auflegte und die Menschen zum Drumsolo tanzten. Das war schon seltsam.“

Es war der Start einer engen Beziehung zu Deutschland, auch wenn Saga weltweit unterwegs war und ist. Sie spielten als eine der ersten westlichen Rockbands im Ostblock, 1982 in Budapest. Auch ihr Tourauftakt 1984 im thüringischen Suhl ist bestens im Internet konserviert – das DDR-Fernsehen war damals vor Ort: „Das waren besondere Auftritte in einer komplett anderen Welt. Unsere Musik wurde dort sehr, sehr gefeiert – nicht viele westliche Bands hatten dort vorher gespielt“, sagt Sadler, der von allen Saga-Bandmitgliedern den stärksten Deutschland-Bezug hat. „Ich lebte ja fast neun Jahre in Saarbrücken.“ Ob er die alte Wahl-Heimat – inzwischen ist er wieder auf der anderen Seite des Atlantiks – vermisst? Ein bisschen. „Zum Beispiel das Essen“, sagt er und lacht: „Deutsche haben ja den Ruf, dass sie so ernst seien und sich bei ihnen alles um die Arbeit dreht. Dabei sind viele Deutsche einfach nur diszipliniert. Wenn es Zeit ist zu arbeiten, wird gearbeitet. Wenn es Zeit zu feiern, wird gefeiert. Diese Unterscheidung bekommen viele Deutsche sehr gut hin – das mag ich. Ich habe mich schnell zu Hause gefühlt“, sagt Sadler, der 1954 in Wales geboren wurde, aber in Kanada aufwuchs. Interviewt wird er lieber auf Englisch, aber sein Deutsch sei „gut genug, um klar zu kommen“: „Einen großen Teil meiner Deutschkenntnisse habe ich von synchronisierten US-Serien, vor allem Seifenopern, wo ich die englischen Untertitel gelesen habe.“

Ein paar deutsche Sätze dürfte man von Sadler am 7. März auch in Bitburg zu hören bekommen, wenn er mit Saga im Rahmen der „Out of the Shadows“-Tour in der Stadthalle spielen wird. Schon am Nachmittag wird es dort ein Fanclubtreffen mit der Band in Bitburg geben. Der Mann mit der markanten Glatze – Anfang der 80er trug er noch Schnurrbart und lange Haare – verspricht „Spaß für alle“: „Also sowohl die Songs, die die Leute hören wollen, aber aber auch welche, die wir lange nicht mehr gespielt haben und die nicht erwartet werden. Manche hatten wir seit 30 Jahren nicht mehr im Programm, die muss man dann neu lernen.“

Ob es auch ganz neue Stücke zu hören geben wird? Saga hat ein neues Album für 2020 angekündigt. Da hält sich der Sänger, der auch Keyboards und Bass spielt, zurück.

Das neue Album ist noch nicht ganz fertig. Es wird anders klingen, so viel kann ich verraten, mehr aber noch nicht. Es wird überraschen – und es wird sehr cool“, sagt Sadler, der zuletzt auch für den Bitburger Musiker Frank Rohles den Gesang zu dessen Album „Trapped in a New World“ beigesteuert hatte (der TV berichtete). Es ist noch keine drei Jahre her, da war Saga auf Abschiedstour – die recht schnelle Rückkehr mag überraschen.

Für Sadler, der vor der Geburt seines Sohns vor zwölf Jahren schon mal eine Saga-Pause eingelegt hatte, ist das kein großes Thema: „Wir hatten damals gesagt: Wir schließen die Tür, sperren sie aber nicht zu. Lasst uns Zeit mit unseren Familien verbringen. Aber die Fans wollten uns zurück – und die Pause war lange genug.“

Saga spielt am Samstag, 7. März, in der Stadthalle Bitburg.
Tickets gibt es unter der TV-Hotline 0651/7199-996 und in den Ticket-Regional-Vorverkaufsstellen.