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Minutenlanger Applaus, auch vom Großherzog

Minutenlanger Applaus, auch vom Großherzog

Seinen vom Publikum gefeierten Einstand als neuer Chefdirigent des Orchestre Philharmonique du Luxembourg (OPL) hat Gustavo Gimeno mit Mahlers 1. Sinfonie gegeben. Die Starsopranistin Anja Harteros bezauberte mit "Sieben frühen Liedern" von Alban Berg.

Luxemburg. Im Mai 2014 hatte Gustavo Gimeno noch mit den Münchener Philharmonikern und Anja Harteros in der Luxemburger Philharmonie als Gast einen Riesenerfolg gefeiert (der TV berichtete). Unter anderen Vorzeichen stand nun das "Inaugurationskonzert" für den neuen Chefdirigenten des OPL. Als der 37-jährige Spanier die Bühne im mit 1300 Zuschauern ausverkauften Konzertsaal betritt, applaudiert nicht nur Großherzog Henri, der dem Anlass mit seiner Anwesenheit eine noch größere Bedeutung verleiht, erwartungsvoll. Gimeno scheint angespannt zu sein, und das ist nicht verwunderlich: Das internationale Publikum ist anspruchsvoll.
Als die ersten Takte von György Ligetis (1923-2006) "Concert Românesc" erklingen, ist der Maestro hochkonzentriert. Die zwölfminütige, auf Bauern- und Volksmusik basierende Komposition, war in den 1950ern im diktatorischen Rumänien wegen "staatszersetzender" Dissonanzen verboten. Gerade diese machen, vor allem im Molto Vivace, den Reiz des Stücks aus. Haoxing Liang an der ersten Geige und die Bläser dürfen solistisch glänzen.
Dann gibt es ein Wiedersehen mit der 43-jährigen deutsch-griechischen Sopranistin Anja Harteros, diesmal in roter, rückenfreier Glitzerrobe. Gimeno fühlt sich sichtlich wohl, einen Star an seiner Seite zu haben, mit dem er hier schon brillieren konnte. Ihre Interpretation von Alban Bergs (1885-1935) "Sieben frühen Liedern" - mit hochpoetischen Texten unter anderen von Storm und Rilke - gelingt eindrucksvoll: Sicher im Ausdruck, mit klarer Intonation, von großer Emotionalität und perfekt getroffenen Tönen geprägt, umschifft die Diva jede Klippe der schwierigen Partie und verdient sich den großen Applaus des Auditoriums.
In seiner ersten Saison an der Philharmonie will Gimeno die ersten Symphonien von Klassik-Größen wie Beethoven, Bruckner, Schumann und Schostakowitsch aufführen. Den Anfang macht Gustav Mahlers (1860-1911) Erste "Titan", die schon den jungen Gustavo im Dirigat seines Vaters in Valencia begeistert hatte. Eine Komposition mit vielen literarischen Bezügen und Anspielungen, die wie ein Füllhorn eine große Bandbreite von Musikstilen über den Zuhörern ausgießt.
Das Orchester hat sich noch nicht ganz auf ein selbstverständliches Zusammenspiel mit dem Neuen eingestellt, aber wenn sich die Anspannung gelegt hat, wird es Gimeno sicher gelingen, dem OPL seine Seele einzuhauchen. Das Publikum spendet schon jetzt minutenlang Beifall.DT