Mission erfüllt

Einen denkwürdigen Abend mit Werken des barocken Komponisten, Spions und Bischofs Agostino Steffani hat Mezzo-Sopranistin Cecilia Bartoli der komplett ausverkauften Luxemburger Philharmonie beschert. Die 1500 Zuhörer hat es förmlich von den Sitzen gerissen.

Luxemburg. Als "La Bartoli" am Dienstagabend in türkis-blau changierender Robe auf die Bühne springt, strahlt sie so viel barocke Lebensfreude aus, dass die 1500 Zuschauer in der Luxemburger Philharmonie erwartungsvoll innehalten. Die Farbe der Robe ist Programm, Cecilia Bartoli, 1946 in Rom geboren, nimmt das Publikum mit auf eine Reise durch ein Meer von unbekannten Klängen von Agostino Steffani (1654-1728), dessen Musik bisher kaum gepflegt wurde. Die virtuose Sängerin ist angetreten dies zu ändern, es ist ihre "Mission", so der Titel des Programms.
Diese Mission findet, um im Bild zu bleiben, vorwiegend unter Wasser statt. Schwerelos und - wie in einem tiefen Ozean - der Gravitation entrückt, kommt die Stimme der Bartoli daher. Die begleitenden Musiker des Kammerorchesters Basel stehen unter der Leitung der erst 34-jährigen Konzertmeisterin Julia Schröder. Sie alle strahlen eine tief von innen kommende Begeisterung aus, spielen technisch perfekt und mit einer unübertrefflichen Präzision und Harmonie. Zart, fast sphärisch ist der Klang, den sie ihren barocken Instrumenten entlocken.
Agostino Steffani, in seinem Schaffen zwischen Monteverdi und Vivaldi angesiedelt, war einer der größten Komponisten seiner Zeit, wahrscheinlich Kastrat, zudem Diplomat, Spion und Bischof. Sein Werk steht zu Unrecht selten auf den Programmen, wie Cecilia Bartoli beweist. Was sie aus den mal heiteren, mal tragischen Liedern herausholt, ist einfach unglaublich. Dabei liegen ihre wahren Stärken nicht in der strahlenden Kraft ihrer mehrere Oktaven umfassenden Stimme, sondern im intensiven, alle Nuancen der Tongebung auskostenden, fein modulierten Pianissimo. Die Koloraturen der Bravourarien meistert sie scheinbar mühelos, im Duett mit Trompete oder Flöte entstehen musikalische Momente, die unvergesslich bleiben.
Frenetisch erklatscht sich das Publikum drei Zugaben, bei Händels traumhafter Arie "Lascia la spina" macht sich Gänsehaut breit, sechs atemlose Minuten lang, bevor es 1500 Menschen zu minutenlangen stehenden Ovationen von den Sitzen reißt. DT