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Mit allen Sinnen genießen

Trier. 53 Konzerte an mehr als 30 Schauplätzen stehen auf dem Programm des 29. Mosel Musikfestivals im Sommer. Der gewohnte Mix aus großen Namen und hoffnungsvollen Talenten verspricht spannende Events. Derweil scheinen sich hinter den Kulissen die Gewichte zu verschieben. Dieter Lintz

Trier. Manche wichtige Namen des Mosel Musikfestivals (MMF) erscheinen in keinem Programmheft. Zum Beispiel der von Thomas Egger. Der Trierer Kulturdezernent ist seit wenigen Tagen Vorsitzender des Aufsichtsrates der Träger-GmbH des Festivals. Bei der Gesellschafterversammlung präsidiert wiederum der Bernkasteler Stadtbürgermeister Wolfgang Port, und die beiden Herren vertreten sich in ihren Funktionen wechselseitig.Moselmusikfestival 2014


Von den Landräten ist in der ersten Reihe nicht mehr viel zu sehen, dafür erhöht die Stadt Trier nicht nur ihren Einfluss, sondern auch ihren Gesellschafteranteil - wenn der Stadtrat einem entsprechenden Beschluss des Stadtvorstands zustimmt. Es scheint, als ob der Gründungsort des Festivals und der größte Spielort gemeinsam die Zukunft des Festivals schultern wollen.
Das spiegelt sich im Programm wider: je ein Drittel der Veranstaltungen finden in Trier und im Bernkasteler Umfeld statt, der Rest verteilt sich auf die Region zwischen Koblenz und Saarburg.
Intendant Hermann Lewen kann mit großen Namen aufwarten, allen voran Star-Sopranistin Simone Kermes, die nach ihrem umjubelten Konzert im Kloster Machern auch den Innenhof der Kurfürstlichen Palais erobern will. Mit der Berliner Lautten Compagney zelebriert sie am 8. August Händel-Arien - und setzt so als Galionsfigur das Motto "Mit allen Sinnen - Glanz und Eleganz des Barocks" in Szene.
Schon am 18. Juli kommt mit Klaus Florian Vogt der derzeit angesagteste Bayreuth-Star ins Kloster Machern, ein Tenor, der in noch höheren Tönen gelobt wird, als er sie selbst singt. In Machern intoniert er nicht Wagner, sondern Schuberts "Schöne Müllerin". Nummer drei in der Reihe der Gesangs-Preziosen ist die Sopranistin Nuria Rial, die am 7. September im Kloster Machern mit der Camerata Köln barocke Bravour-Arien interpretiert. Die junge Spanierin hat schon zwei Klassik-Echos abgeräumt.
Am 19. Juli könnte es im Dom einen tränenreichen Abschied geben: Jan Garbarek und das Hilliard Ensemble treten an zu "Officium - Finalis" - 16 Jahre nach ihrem ersten MMF-Auftritt und etlichen sagenumwobenen Tourneen löst sich das vielleicht berühmteste Gesangs-Quartett der Welt Ende 2014 auf.
Der 21-jährige Kit Armstrong ist auf dem besten Weg, sich vom Klavier-Wunderkind in die erste Reihe der internationalen Pianisten-Riege zu spielen. Das Mosel Musikfestival hat ihn gleich für einen Doppel-Job gebucht: Am 13. September spielt er im Cusanusstift Bernkastel-Kues auf dem historischen Clavicord, tags drauf im Kloster Machern Bach, Mozart, Liszt und eine Auftragskomposition des Kultursommers.
Auf viele "Stamm-Künstler" braucht das Festival-Publikum auch 2014 nicht zu verzichten. Der Flötist Stefan Temmingh (Eröffnungskonzert am 6. Juli in St. Paulin), die zwölf A-cappella-Giganten von Chanticleer (24. August, Machern), Bratschist Nils Mönkemeyer (29. August, Machern) - sie alle sind langjährige Gäste. Auch die JTI-Classic-Lounge in den Trierer Viehmarktthermen (27. September, mit dem David-Gazarov-Trio) ist auf dem Weg zur Tradition.
Zwei neue, spektakuläre Locations haben Hermann Lewen und sein Team ausgemacht: Am 9. August steigt ein Vivaldi-Open-Air auf dem Karlsbader Platz in Bernkastel-Kues, am 5. September weiht das Landesjugendorchester mit seiner "Sommer-Sinfonie" das neue Wittlicher Eventum als Festival-Spielort ein.
Jenseits des klassischen Angebots dürfte das Wochenende 1./2. August herausragen. Freitags gastiert die Percussion-Legende Peter Sadlo mit "Bach, Rythm and more", samstags machen die Musikkabarettisten der bayerischen Familie Well (Ex-Biermösl-Blosn und Ex-Wellküren) das Kurfürstliche Palais unsicher.
Die einheimische Musikszene setzt drei kräftige Akzente: Am 20. Juli feiert der Friedrich-Spee-Chor in St. Maximin das Jubiläumskonzert zum 50. Geburtstag, am 7. September holt der Konzertchor an dieser Stätte das Sinai-Oratorium des Trierer Komponisten Georg Schmitt aus dem Vergessen zurück, und den Schlussakkord am 3. Oktober besorgen die Domchöre mit einem Oratorium von Frank Martin und der Bruckner-Messe in d-Moll.
Das komplette Programm im Internet auf www.moselmusikfestival.de