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Kultur
Mit Beinhaaren nach Berlin

Lachen ist hier programmiert. Franziska Gabriel begeistert auf musikalische Art mit kreativem Humor, einer großen Portion Selbstironie.
Lachen ist hier programmiert. Franziska Gabriel begeistert auf musikalische Art mit kreativem Humor, einer großen Portion Selbstironie. FOTO: TV / Julia Schulz
Trier. Tabuthemen gibt es bei Franziska Gabriel nicht. Doch wie helfen Fantasiewesen und Gesellschaftskritik der jungen Musikerin auf die Bühne der Berliner Festspiele? Von Julia Schulz

Unter kurzen blonden Haaren lugt ein schwarz gemustertes Bandana hervor. Mit einem breiten Grinsen strahlt sie das Publikum an, und ihr buntes Hemd verspricht den Zuschauern weit mehr als nur ein bisschen deutsche Musik. Inmitten von Beinhaaren, Zahnspangen und Selbstliebe, da steht Franziska Gabriel aka Coremy mit einem Selbstbewusstsein auf der Bühne, das sich andere 19-Jährige nur wünschen können.

„Eine Musikerin war ich quasi von Geburt an“, lacht sie. Ihre Mutter sei Sängerin und habe sie, seit sie sechs Jahre alt war, immer zum Musizieren motiviert. Dass ihr dieses Engagement 2018 zum Sieg bei dem Nachwuchswettbewerb „Treffen Junge Musik Szene“ der Berliner Festspiele verhelfen würde, hätte sie nicht erwartet.

Klavier, Blockflöte, Klarinette, Schlagzeug, Gitarre, Ukulele und sogar Orgel kann die in München aufgewachsene Studentin ohne große Mühen zum Leben erwecken. Seit einem Jahr lebt sie zusammen mit drei Mitbewohnern in einer WG in Trier. „Frauen wollen doch immer ’ne kleine niedliche Nase. Warum wollen sie nicht kleine niedliche Beinhaare?“ Kluge, witzige und gesellschaftskritische Texte untermalt mit ohrwurmverdächtigen Melodien, dieses Genre nennt Franziska Gabriel „Liedermaching“.

Mit 16 Jahren, nach musikalischen Projekten mit Freunden und zahlreichen Musicalerfahrungen an ihrem Gymnasium in München, startete sie das Projekt „Coremy“. Coremy heißt umgedreht „my core“ und bedeutet auf Deutsch: „mein Kern“. Dieser Name zeige, dass die Musik ihr Herzensprojekt sei. Sie wolle sich ihre Gedanken authentisch von der Seele singen. Vielleicht hat die Jury der Berliner Festspiele ihr Lied „Gap Year“ gerade deshalb als eines der 13 Siegerlieder aus 104 Bewerbungen ausgewählt. Die Idee für die Bewerbung kam von ihrer Mutter.

Erst wenige Monate zuvor feierte Franziska Gabriel ihren ersten großen Erfolg. Im April 2018 gewann sie den Wettbewerb „Kunst gegen Bares“ in Köln: „Das war ein besonderer Moment für mich. Da wusste ich: Das will ich machen!“. Es folgten weitere Auftritte in Paderborn, Osnabrück, München und Trier. Ihr großes Vorbild, den amerikanischen Comedian Bo Burnham, hat sie dabei nie aus den Augen verloren.

Franziska Gabriel erwarten nun zahlreiche Workshops und ein großes Abschlusskonzert am 8. November in Berlin. Sie hofft, dass die Coaches ihr helfen werden, noch mehr verschiedene Stilrichtungen in ihre Musik zu integrieren.

Sich auf den Erfolgen auszuruhen, kommt für diesen kreativen Kopf jedoch nicht infrage. Franziska Gabriel studiert Intermediadesign an der Hochschule Trier und möchte zukünftig in diesem Bereich arbeiten und nebenher Musik machen. Auch eine Karriere als Entertainerin würde sie nicht ausschließen. Langweilig wird es in ihrem Leben so schnell also nicht. Das wäre mit Oktobären, wohltemperiertem Bier und dem kleinen Hall im Kopf auch ganz schön schwierig.

Weitere Infos zu Franziska Gabriel und ihrer Musik zum selber Anhören: https://de-de.facebook.com/coremymusic/
https://www.youtube.com/channel/UCMWtVyyHJoWr5TcSH385l-A