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Mit dem Fahrrad um die Erde: Dennis Kailing zeigt seinen Film in Trier.

Abenteuer : Die Leidenschaft als Antrieb

Mit dem Fahrrad einmal um die Erde: Dennis Kailing hat aus seinem Trip durch 41 Länder auf sechs Kontinenten (fast) in Eigenregie einen Kinofilm produziert, den er am Donnerstag im Trierer Carpitol vorstellen wird.

„Jeder Tag ist gleich: Aufstehen, nach Motivation suchen, keine finden, trotzdem losfahren. Fahren, bis die Sonne untergeht.“ Hinlegen. Und dann geht wieder alles von vorne los.

So flackert die Alltagshölle, die man vielleicht hinter sich lassen will. Das Hamsterrad, aus dem man aussteigen möchte – oder in das man gar nicht erst rein will mit Mitte 20, mit dem Bauingenieurs-Studium in der Tasche und einer Route im Kopf. So hat es Dennis Kailing gemacht, vor fünf Jahren: Er hat sich aufs Fahrrad geschwungen, mit Zelt, Kamera, Smartphone. Er hat seine Heimat, das hessische Gelnhausen, Richtung Osten verlassen. Und kehrte über zwei Jahre später zurück: nach einem Rad-Roadtrip über sechs Kontinente, durch 41 Länder, 63 Platten später und mit Bildern und Ideen für ein Buch und einen abendfüllenden Kinofilm, der am Donnerstag zum ersten Mal in Trier zu sehen sein wird: im Autokino „Carpitol“ im Messepark. Dennis Kailing wird auch vor Ort sein und von seiner Reise berichten.

Das Zitat am Textanfang ist von Kailing. Aber beschreibt keinen Gelnhausen-Smalltown-Blues, der den Anstoß für die Reise gibt, sondern die endlosen Wochen im australischen Outback. 2600 Kilometer durch die Ödnis, von Darwin bis Cairns, ohne Musik, ohne Netz, (fast) ohne Menschen. „Für die Dramaturgie im Film war das zwar gut“, sagt Dennis Kailing im Telefonat mit dem TV: „Aber rückblickend hätte ich Australien lieber ausgelassen.“ Da gab es viele Ärgernisse, auch psychisch sei es an die Substanz gegangen.

Das war eine Ausnahmesituation. Denn sein Reisefilm soll vor allem Spaß machen, Lust auf die Welt und die Menschen. Ohne missionarischen Eifer, intellektuelle Überhöhung oder sportliches Ausnahmetalent: Dennis Kailing hatte vor seinem Trip wenig von der Welt gesehen. Er ist auch kein ausgewiesener Radsportler. Fit ist er natürlich schon – sonst würde nicht über die Anden kommen. Dass er das Fahrrad nahm, hatte auch pragmatische Gründe – es ist billiger: Das Finanzbudget war knapper als die Zeit.

Nach der Reise machte er sich an die Arbeit: Aus über 70 Stunden Rohmaterial stellte er den Reisefilm „Besser Welt als nie“ zusammen – zum größten Teil in Eigenregie, bis auf den Soundtrack, Tonproduktion und die Kartenanimationen. „Besser Welt als nie“ lief gerade bundesweit in den Kinos an, über viereinhalb Jahre nach Beginn seiner Tour – aber dann kam Corona. Nun lässt sich der Film zumindest durch die Windschutzscheibe des Autos sehen. „Ich hoffe, dass die Leute vergessen, wo sie gerade sind.“ Die Bilder bringen sie nach Timor-Leste, in den Iran, nach Myanmar oder mitten in eine besondere Fahrrad-Demo in Los Angeles.

 Was Kailing über die Welt gelernt hat? Die unglaubliche Gastfreundschaft hat ihn immer wieder aufs Neue fasziniert. Ein Aha-Erlebnis war, „als mich in Bulgarien zum ersten Mal wildfremde Leute eingeladen haben – und dann ein Festmahl zubereitet haben. Das habe ich danach in anderen Ländern sehr oft erlebt.“

Dennis Kailing Foto: Kailing/Dennis Kailing

Auch über sich hat der Hesse einiges gelernt. Nicht nur, dass ihm Statussymbole komplett egal sind. „Ich wusste nichts vom Radfahren – und habe es hinbekommen. Das gilt auch für das Filmemachen. Wenn man genug Passion aufbringt, kann man alles schaffen.“ Vor allem bei der Kommentierung aus dem Off wird zwar deutlich, dass hier kein Profi-Filmteam im Einsatz war. Dafür ist Kailings Blick auf die Welt unterhaltsam, sein Film authentisch.