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Mit der Entertainerin Ute Lemper hat ein veritabler Weltstar die 500 Zuschauer im Echternacher Trifolion zu Beifallsstürmen hingerissen.

Kultur : Weltstar zu Gast in Paris, Berlin, Echternach...

Mit der Entertainerin Ute Lemper hat ein veritabler Weltstar die 500 Zuschauer im Echternacher Trifolion zu Beifallsstürmen hingerissen. Was ist das Geheimnis ihres Erfolges?

Zum zehnjährigen Jubiläum lässt es das Veranstaltungs- und Kulturzentrum Trifolion in Echternach richtig krachen. Das Team um Generaldirektor Ralf Britten hat ein hochklassiges Programm zusammengestellt, um den Geburtstag gebührend zu feiern. Am Samstagabend tritt die gebürtige Münsteranerin Ute Lemper mit ihrem Programm „Last Tango in Berlin“ auf die stimmungsvoll beleuchtete Bühne des ausverkauften Hauses. „La Lemper“ zählt mittlerweile 54 Jahre und ist vierfache Mutter (ihr jüngstes Kind wurde erst 2011 geboren). Dabei präsentiert sie sich in glänzender Form und Verfassung, sie ist gereift, hat ihren Stil gefunden und befindet sich auf dem Zenit ihres Könnens. Wirkte sie bei ihrem 2014er Auftritt in der Philharmonie emotional noch zurückhaltend, lässt sie diesmal alles raus, wird eins mit dem Publikum und ihren Liedern und Moderationen. Zurückhaltend, aber effektvoll begleitet von Piano, Bass und Bandoneon, schlägt sie einen Bogen vom Vorkriegs-Berlin, über Paris, Buenos Aires und New York bis hin ins heutige Echternach, das sie „bezaubernd“ findet. Auch Kritik am orangen Irren im Weißen Haus darf da nicht fehlen, beruft sie sich doch auf die Tradition von Kurt Weill und Bert Brecht. Ihre Interpretationen derer Stücke – beispielsweise der Mackie oder Salomon aus der Dreigroschenoper – dürfen heute als internationaler Standard gelten, genauso wie ihre Holländer-Lieder, die Lola aus dem blauen Engel und auch die Lilli Marleen. Ihr Standard heißt nämlich Marlene Dietrich, mit der sie im Jahr 1987, fünf Jahre vor deren Tod, noch ein langes Gespräch führen durfte, das ihr heute noch Inspiration und Motivation ist. Bei „Blowing in the Wind“ als Reminiszenz an Marlenes legendäre Unicef-Gala in Düsseldorf von 1962 kann man ein Streichholz fallen hören, Ergriffenheit allenthalben. Mit der Dietrich teilt die Lemper auch ein Stück weit das ambivalente Verhältnis zu ihrer Heimat, die sie erst in Amerika (dort lebt sie seit 20 Jahren) zum wirklichen Weltstar reifen ließ. Über Ute Lempers perfekte Technik und geradezu preußische Disziplin zu sprechen, hieße Eulen nach Athen tragen. Was an diesem lauen Frühlingsabend im wunderbar angestrahlten Trifolion wirklich beeindruckt, ist ihre Vielfältigkeit im Ausdruck: Sie flüstert und röhrt, säuselt und zirpt, schnalzt und haucht, posaunt und trompetet. Mal ganz im Chanson, mal jazzig, südamerikanisch oder hauchzart. Und immer mit einem Anspruch und einem Anliegen, sei es – profan – die Einsamkeit in der Liebe oder – hochpolitisch – das Schicksal der Juden im Ghetto des Weltkrieges.

Diesen Abend kauft man der Lemper wirklich ab. Stehender Applaus und Bravo-Rufe zum Abschluss.