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Mit der Flut auf Menschenfang: Wittlicher Filmemacher bringt seinen ersten Langfilm in die Kinos

Mit der Flut auf Menschenfang: Wittlicher Filmemacher bringt seinen ersten Langfilm in die Kinos

Filmemacher Edgar Derzian hofft auf den Durchbruch: Sein Genrefilm "Wir sind die Flut" wird ab Donnerstag in Kinos in Trier und Bernkastel-Kues gezeigt. Das für zahlreiche Preise nominierte Premierenwerk symbolisiert für den Produzenten aus Wittlich genau das, was Kino bieten muss.

Trier/Wittlich. Es ist die Geschichte der Kinder, die gleichzeitig mit dem Rückzug des Meeres aus einem deutschen Küstenort verschwinden - fast spurlos … Der Film "Wir sind die Flut" erzählt diese Geschichte mit großen und weiten Bildern. "Landschaft bietet Kinoerlebnis", sagt Edgar Derzian. "Kino ist für mich Gefühl und Unterhaltung. Es geht darum, die Zuschauer in eine andere Welt zu entführen."Raum lassen für Interpretationen


Derzian glaubt, dass es ihm und den anderen Diplomanden der Filmakademie Baden-Württemberg und der Filmuniversität Babelsberg gelungen ist, diese Ansprüche zu erfüllen. "Wir lassen bewusst viel Raum für Interpretationen", sagt der 33-Jährige, der aus Armenien stammt und seine Jugendzeit in Wittlich erlebt hat. "Letztlich steht der Film für den Verlust der Kindheit und die Fähigkeit, an Dinge zu glauben."
Auf der Berlinale und anderen wichtigen Filmfestivals hat "Wir sind die Flut" viele Reaktionen und Diskussionen ausgelöst. Auch die Vorpremiere in Trier war ein Erfolg. Nun kommt der Film in kommerzielle Kinos. Den Verleih organisiert Derzian mit seinem Bruder und der gemeinsamen Firma "derzianPictures" selbst. "Ich habe das Herz und die Zeit, mich darum zu kümmern", versichert der eloquente Mann. Der Film ist seine Diplomarbeit als Producer.
Schon 2012 hatten die Vorarbeiten für das Projekt begonnen. Ende 2014 ging es dann an die Umsetzung: 31 Drehtage - zehn Tage mehr als zum Beispiel für eine Tatortfolge - waren für die erstmalige Co-Produktion der Filmakademie Baden-Württemberg und der Filmuniversität Babelsberg notwendig.
Gefilmt wurde in Erkelenz bei Köln, das mehrere Stadtteile durch den Braunkohlebergbau verloren hat. Berlin und die nordfriesische Insel Pelworm sind weitere Schauplätze. "Besonders in Pelworm war die Sache nicht einfach", erinnert sich Derzian. "Wegen des Naturschutzes durften wir nicht unser ganzes Equipment mitnehmen. Wir haben tatsächlich die Gezeiten und deren Abhängigkeit vom Wind erlebt, wenn wir da standen und das Wasser kam." Maximal vier Stunden Schlaf pro Nacht waren in diesen mehr als sechs Wochen Drehzeit normal. "Jeder Beteiligte hatte mehr als einen Job zu erledigen. So etwas geht mit der Zeit auch auf Kosten der Gesundheit." Es folgten sechs weitere Monate Schneidearbeit, dann war der für fast alle Beteiligte erste Langfilm fertig.
Ist er gut geworden? "Ja, sehr gut!", ist Edgar Derzian überzeugt, der sein Producerdiplom von der Filmhochschule erst dann erhält, wenn auch die Vermarktung des Films in die Bewertung eingeflossen ist. "Es ist ein Genre-Film, in dem Wissenschaft Fiktion schafft. Gefühl und Intellekt werden gleichermaßen angesprochen."
Naturfilm trifft Drama trifft Science-Fiction. Nicht alle Kinogänger werden von der anspruchsvollen Erzählstruktur, der bedächtigen Handlung und den vielen Anspielungen und Querverweisen begeistert sein. Den 33-Jährigen stört das nicht. "Es wird positive und negative Reaktionen geben. Das finde ich gut. Es ist doch ideal, wenn die Leute nach dem Film Fragen stellen und diskutieren."
Ob es viele werden, die sich an dieser Diskussion beteiligen, hängt natürlich vom Erfolg des Films ab. Edgar Derzian ist selbstbewusst. "Normalerweise wäre der fertige Film an einen Verleih verkauft worden. Aber wir hatten das Gefühl, der Film gehört uns, den Produktions diplomanden. Deshalb sind wir froh, dass wir ihn selbst vermarkten dürfen. Ich bin optimistisch, dass viele Menschen den Film sehen werden." Der Diplom-Producer in spe beweist Mut, auch mit seinem neuen Filmprojekt. "Komödie ist das schwierigste Filmgenre", glaubt Derzian. Vielleicht dreht er auch deshalb nun die Geschichte von dem uralten Papagei, der aus dem Volksempfänger Hitlerparolen übernommen hat und sie - zum Unmut seines Besitzers - bei allen möglichen und unmöglichen Gelegenheiten zum Besten gibt.
Wir sind die Flut läuft ab Donnerstag, 10. November, im Broadway-Filmtheater Trier und am 13. November im Moselkino Bernkastel-Kues.Extra

Der Film mit Max Mauff (Victoria, Sense8, Bridge of Spies) und Lana Cooper (Love Steaks) in den Hauptrollen ist ein Mystery- und Science-Fiction-Film mit postapokalyptischen Elementen. Es geht um den Küstenort Windholm, an dem vor 15 Jahren die Flut ausblieb und nicht wiederkehrte. Zugleich verschwanden alle Kinder des Orts. Der junge Physikstudent Micha will dem nachgehen. Auf ihrer Suche nach der Wahrheit geraten Michael und seine Kollegin immer tiefer in den Bann dieses Ortes, an dem ihnen eine Wirklichkeit offenbart wird, der sie sich erst noch stellen müssen. sos