Mit einem Trolley voller Blattgold nach Bangkok

Mit einem Trolley voller Blattgold nach Bangkok

Von der Mosel nach Bangkok: Dort hat der 2001 verstorbene Künstler Jakob Schwarzkopf eine riesige Glaskuppel für ein Museum gestaltet. Viele unbekannte Arbeiten von ihm werden momentan in Trier gezeigt. Logistisch war das Projekt in Thailand eine große Herausforderung. Vor Ort waren auch Trie rer Handwerker im Einsatz.

Trier. Eine gigantische 400 Quadratmeter große Glaskuppel krönt den prunkvollen Rundbau des Erawan-Museums. Mitten auf der Kuppel thront ein riesiger 30 Meter großer Elefant aus schwarz-grauem Metall. Im Bauch des Rüsseltieres befindet sich ein prächtiger Tempelsaal.
Nein, das ist nicht der Beginn einer Märchengeschichte. Besagter Bau steht mitten in Bangkok, und der Trierer Maler, Glaskünstler und Zeichner Jakob Schwarzkopf, der im Juli 2001 starb, war entscheidend daran beteiligt. Er hat nicht nur das Deckengemälde des Andachtssaales kreiert, sondern auch die Glaskuppel.
Ein Entwurf war Auslöser für die Schwarzkopf-Schau (der TV berichtete), die der Verein Junge Kunst ausrichtete. Weil die Ausstellung so gut besucht war, wurde sie kurzerhand verlängert und zeigt nun doppelt so viele Werke.
"Auf die TV-Berichterstattung hin haben sich viele Menschen gemeldet, die Werke von Schwarzkopf besitzen", erklärt Kurator Tobias Hött. Die Schau ist noch bis zum 16. Februar in Trier zu sehen. "Es gibt unbekannte Werke aus den 1950er Jahren mit Tierdarstellungen in Bleistift oder auch christlichen Motiven."
Ebenfalls ausgestellt sind Entwürfe für Museumskuppel und Deckengemälde. Laut Hött war das Erawan-Projekt wohl das größte und aufwendigste von Schwarzkopf. Weder der Bauherr des Museums noch der Künstler selbst - er wäre 2012 85 Jahre alt geworden - erlebten dessen Fertigstellung vor zwölf Jahren.
Zehn Tonnen bemaltes Glas


"Über viele Ecken wurde der Maler nach Bangkok empfohlen", erzählt Hött. Woher er das weiß? Viele Jahre hat das Malerunternehmen seines Vaters mit dem Künstler zusammengearbeitet. Das Trierer Unternehmen hat das Deckengemälde auf die ovale Decke übertragen. Eine verzwickte Angelegenheit. "Irgendwie musste die Vorlage vom Kleinformat auf eine riesige Fläche von 320 Quadratmetern übertragen werden", sagt Hött. Im passenden Maßstab kopierten die Handwerker das Motiv auf riesige Bahnen von 20 Metern Größe. Die pausten sie an die Innenseite des Elefantenbauchs. Vier Maler aus Trier werkelten sechs Wochen vor Ort im Elefantenbauch. Dabei verbrauchten sie 250 Liter Farbe.
Apropos Farbe: Wegen der extremen Luftfeuchtigkeit und Hitze in Bangkok musste extra für den asiatischen Raum produzierte Spezialfarbe her.
Das Deckengemälde stellt ein phantasievolles Himmelsgebilde mit Planeten und einem Asteroidengürtel dar - der Sternenhimmel im Geburtsjahr des Auftraggebers. Der Gürtel besteht aus 40 Quadratmetern Blattgold. Das ist so viel wie ein Goldbarren, der in 6000 quadratische Blätter ausgerollt wurde.
Ein Kilogramm wiegt das Blattgold. Das wurde mal eben mit dem Trolley im Handgepäck von Trier nach Bangkok gebracht. Hött begleitete damals seinen Vater auf der Reise und erinnert sich noch genau an den Augenblick, als der Zoll den Koffer öffnete: "Die haben große Augen bekommen. Gott sei dank hatten wir alle Papiere dabei und konnten ungehindert weiterreisen."
Trierer Handwerker im Einsatz


Auch die gigantische Glaskuppel wurde von Trierer Handwerkern gefertigt. Mit der Firma Binsfeld pflegte Schwarzkopf eine gute Zusammenarbeit. Also fertigte die Firma zehn Tonnen mundgeblasenes Glas. Denn genau so viel wurde gebraucht, um eine 400 Quadratmeter große bemalte Glaskuppel herzustellen.
Schwarzkopf hat mehr als ein Jahr gebraucht, um die 500 einzelnen Glasplatten zu bemalen. Wie ein Puzzle setzte er Stück für Stück zusammen, ohne dabei je das ganze riesige Kuppeldach zu sehen. Die nächste Herausforderung: Das zerbrechliche Glas nach Thailand zu bringen. Sechs Wochen lang waren die Platten auf einem Schiffscontainer nach Bankok unterwegs, bis sie von drei Trierer Handwerkern in ein bereits vorgefertigtes Metallgerüst eingepasst wurden. Die Fertigstellung der Glaskuppel hat sechs Wochen gedauert. Insgesamt also: ein wahres Mammutprojekt.
Die Ausstellung läuft bis zum 16. Februar und ist samstags von 10 bis 16 Uhr sowie nach telefonischer Vereinbarung geöffnet. Der Eintritt ist frei. Die Ausstellungsräume befinden sich in der Zurmaiener Straße 51 in Trier, Telefon 0651/28590.

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