Mit Glas kann man ganz besondere Musik machen

Mit Glas kann man ganz besondere Musik machen

Glas ist eine sehr zerbrechliche Angelegenheit, wie wir alle wissen. Grob behandelt, kann ein Glas in tausend Stücke zerspringen.

Vorsichtig behandelt, kann es aber sogar Musik machen.

Wenn man etwa bei einem Weinglas mit einem feuchten Finger über den Rand streicht, wird das Glas in Schwingungen versetzt und gibt einen Ton von sich. Die Höhe des Tons ist von der Größe des Glases abhängig. Füllt man das Glas mit Wasser, kann man die Tonhöhe verändern. Der Klang ist dabei sehr zart und nicht zu vergleichen mit dem einer Geige oder einer Flöte.

Schon im 16 Jahrhundert kamen Leute auf die Idee, viele verschieden große Gläser nebeneinander auf einem Brett zu befestigen, um damit Musik zu machen. Man nannte dieses Instrument ein "Glasspiel" oder eine "Glasharfe".

Der Amerikaner Benjamin Franklin hatte 1761 die Idee, statt Trinkgläsern Glasschalen auf einer Holzstange zu befestigen - in etwa so wie das Fleisch auf einem Dönerspieß. Wenn man nun die Stange dreht, braucht man nur noch mit dem Finger den Rand der Schalen zu berühren und der Ton entsteht. Er nannte seine Erfindung eine "Glasharmonika".

Diese Glasharmonika hat viele Komponisten so begeistert, dass sie Musik dafür geschrieben haben. Der bekannteste ist Wolfgang Amadeus Mozart, der 1791 in Wien eine solche Harmonika in einem Konzert hörte. Gespielt wurde sie von Marianne Kirchgeßner. Mozart komponierte daraufhin ein Quintett für Harmonika, Flöte, Oboe, Bratsche und Violoncello. Kirchgeßner spielte die Uraufführung dieses Werkes, ging damit auf Tournee und wurde in ganz Europa berühmt.

Der besondere Klang verschaffte der Harmonika sogar den Einzug in große Orchester. So schreibt der italienische Komponist Gaëtano Donizetti dieses Instrument für die Wahnsinns-Szene in seiner Oper "Lucia di Lammermoor" vor.

Am Sonntag, 9 Januar, um 15 Uhr wird eine Glasharfe im Kloster Springiersbach erklingen. Der Italiener Gianfranco Grisi spielt sie zusammen mit dem Gitarristen Elvio Salvetti. Zu hören sind Werke von Schubert, Bach, Fauré und natürlich von Mozart. Gerhard W. Kluth