Mit Lebensfreude für den Frieden

Mit Lebensfreude für den Frieden

Über Probleme in Afrika singen und trotzdem optimistisch sein: Die malische Sängerin Fatoumata Diawara hat sich bei ihrem stimmungsvollen Auftritt in der Philharmonie als Botschafterin ihres Kontinents präsentiert.

Luxemburg. Auf der Bühne tobt ein dunkelhäutiges Temperamentbündel, gewandet in einem afrikanischen Boubou, die langen Haare wirbeln durch die Luft. Die junge Frau singt, tanzt, klatscht, dreht sich in einem Tempo im Kreis, bei dem andere wegen Schwindels schon lange umgefallen wären und reißt so die 1100 Zuschauer mit.
Die aus Mali stammende Künstlerin Fatoumata Diawara hat dem Publikum in der Luxemburger Philharmonie am Wochenende den afrikanischen Kontinent und die Lebensfreude der Afrikaner nähergebracht. Dabei hat es am Anfang des Konzerts gar nicht danach ausgesehen, als sie mit einer Akustikgitarre die ersten Lieder anstimmt. Betont ruhig steht sie da und singt mit rauer Stimme in der malischen Sprache Bambara. Die Begleitband mit Gitarre, Bass, Schlagzeug und Percussion ist für afrikanische Musik ungewöhnlich europäisch. Doch die ineinander verwobenen Rhythmen, die sich aus den Klängen der einzelnen Instrumente zusammensetzen, sind typisch afrikanisch.
In ihren Liedern erzählt Fatoumata Diawara von melancholischen Themen wie Adoption, Zwangsheirat und der Liebe zum Vater. Bei dem Stück "Kèlè" ruft sie die afrikanischen Frauen auf, für den Frieden einzutreten, spricht von Toleranz und den reichen Kulturen Afrikas, die vom Krieg bedroht werden. "Für die Kinder in Afrika: Wir bitten um Frieden!" ruft sie wiederholt ins Publikum. Bei den derzeitigen Auseinandersetzungen in Mali singt sie so auch für Frieden in ihrem Land.
Doch trotz aller schwermütig scheinenden Themen ist die Afrikanerin, die in Paris lebt, optimistisch. Mit einem Lächeln auf den Lippen zieht sie das Tempo der Musik an, animiert die Zuschauer zum Aufstehen, Mittanzen und Mitklatschen. Die Emotionalität ihrer Stimme und ihres Tanzes überträgt sich auf das Publikum. Jetzt ist Party angesagt, sowohl auf der Bühne als auch im Zuschauerraum.
Diawara verfügt über eine einzigartige Kondition. In einem Moment dreht sie sich wie ein tanzender Derwisch, lässt ihre langen Haare kreisen und führt dem Publikum vor, wie man sich in Nordafrika, in Kenia oder in Westafrika im Takt bewegt, dann fordert sie den Gitarristen zu einem musikalischen Zwiegespräch auf. Diawara ist es so gelungen, bei ihrem Auftritt die Gegensätze zwischen den Problemen und der Lebensfreude Afrikas musikalisch miteinander zu verbinden. cst

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