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Menschen: Mit Leidenschaft auf Spurensuche

Menschen : Mit Leidenschaft auf Spurensuche

Bettina Leuchtenberg ist Kunsthistorikerin und beschäftigt sich mit der jüngeren Architektur Triers. Sie sammelt und veröffentlicht Geschichten über Gebäude, koordiniert Veranstaltungen der Trierer Museen und hat schon Ausstellungen kuratiert.

Zu Hans Proppe hat Bettina Leuchtenberg ein ganz besonderes Verhältnis. Ihre Magisterarbeit hat sie vor vielen Jahren über ihn geschrieben. Der Trierer Künstler und Lebensreformer war von 1921 bis 1931 Professor an der Trierer Kunstgewerbeschule. Einen Artikel, den Bettina Leuchtenberg in einer Onlinezeitschrift veröffentlicht hatte, las sein Enkel in Kalifornien, der denselben Namen wie sein Großvater trägt, und nahm Kontakt zu ihr und dem Stadtmuseum Simeonstift auf. Er bot an, ihnen den Nachlass seines Großvaters zu schicken. „Das war der Grundstock für die Ausstellung über Hans Proppe“, sagt Leuchtenberg, „die zweimal im Stadtmuseum und einmal in Weimar, in der Bibliothek der Bauhaus-Universität, zu sehen war.“ Ihr Fokus liegt zudem im Bereich Architektur, Stadtgeschichte und Entwicklung der Städte.

„Das Thema, warum leben die Menschen so, wie sie leben, ist mir ein Anliegen. Damit ist die Wohnarchitektur gemeint, die darüber viel aussagt.“ Ihr Wissen vervollständigt sie in langen, intensiven Recherchen, beispielsweise im Stadtarchiv. Manchmal stößt sie dabei auf abstruse Zeitschriften, unter anderem auf die „Rosenfreunde, das Mitteilungsblatt des Vereins Deutscher Rosenfreunde“ oder auf eine Art „historisches goldenes Blatt“, in dem persönliche Liebes- und Klatschgeschichten von damals bekannten Leuten aufgeschrieben wurden. Bei Stadtspaziergängen und Fahrradführungen, die vom Stadtmuseum angeboten werden, können Interessierte sich die Geschichten anhören und selbst bestaunen.

Da gibt es beispielsweise die Rosenvilla, die der Familie Lambert gehört hat, die weitläufig mit der heutigen Gartenbaufirma verwandt war. „Im Dekor der Villa ist die Familiengeschichte im Bild nachvollziehbar. In den Steinmetzarbeiten ist symbolhaft der Kinderreichtum der Familie zu erkennen, in einem Apfelbaum unter dem zwei Kinder stehen. Ein Rosenstock ist ebenfalls eingemeißelt und einiges mehr. Man muss nur genau hinsehen“, meint Leuchtenberg. Seit 2013 hat sie bereits 40 Gebäude genauer analysiert und so die Stadtgeschichte um das Kapitel Wohnarchitektur erweitert. Auf einem eigenen Architektur-Podcast hat sie die Beschreibungen veröffentlicht. „Ich möchte damit die Architektur beleben. Die Menschen können sich die Gebäude mit mir zusammen bei den rund vier Stadtführungen im Jahr ansehen oder mit den Podcasts und der dazugehörigen Karte auch selbst auf Entdeckungstour in Trier gehen.“ Positive Rückmeldung bekommt sie während ihrer Führungen immer wieder, wenn sie es schafft, die Neugier bei den Besuchern zu wecken. Manchmal haben sie auch Tipps für sie, wo noch interessante Gebäude stehen. „Ein Besucher hat mich beispielsweise auf ein Spielwarengeschäft hinter dem Dom aufmerksam gemacht, in dem früher eine Kirche war. Das fällt einem im Vorbeigehen nicht auf, aber wenn man es weiß und darauf achtet, schon.“ Weiter sagt sie: „Trier hat eine einzigartige römische Geschichte, aber da gibt es trotzdem noch einiges mehr zu entdecken.“

Ihre Kreativität kann Bettina Leuchtenberg auch im Stadtmuseum ausleben, wenn sie die „Objekte des Monats“ vorstellt, die auf der Homepage zu sehen sind. Die sucht sie, mit Rücksprache des Museumsteams, aus. Dabei schaut sie nach Jubiläen oder einem jahreszeitlichen Bezug. Das können Bilder sein, Objekte, Landkarten oder auch mal eine Kassette, um die Vielfalt der Sammlung darzustellen. Momentan ist es ein Bild der Trierer Künstlerin Martina Diederich, das den Weinstand am Hauptmarkt zeigt. Es wäre normalerweise jetzt in einer Sonderausstellung ausgestellt.

Ihr organisatorisches Talent ist bei den gemeinsamen Veranstaltungen der fünf Trierer Museen gefragt. Sie arbeiten bei dem jährlichen internationalen Museumstag zusammen, der Nacht der Museen und bei der alle zwei Jahre stattfindenden Nacht der Heiligen. Dort koordiniert Leuchtenberg die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Wenn sie dann, neben ihrer Arbeit in der Unternehmenskommunikation des Klinikums Mutterhaus Trier, noch Zeit findet, macht sie gemeinsame Filmprojekte mit ihrem Kollegen Harry Günzel, bei der Text- und Filmschnittstelle, die zuletzt einen Trickfilm über den Trierer Hafen für eine Werbeagentur fertiggestellt hat.

Alle Architekturgeschichten von Bettina Leuchtenberg unter: www.architektur-podcast.de