Mit listigem Blick

TRIER. (DiL) Der Künstler Klaus Swoboda (Foto: TV-Archiv) ist im Alter von 65 Jahren gestorben. Er war in vielfältigen Rollen ein Motor der Trierer Kulturszene.

Zu den Werkstatt-Künstlern, die im Verborgenen ihrer Kunst nachgehen und sich alle paar Jahre für eine Ausstellung an die Öffentlichkeit trauen, hat Klaus Swoboda nie gehört. Der Mann mit dem listigen Blick liebte es, über Kunst zu reden - auch, aber beileibe nicht nur über seine eigene. Elitäres Denken lag ihm fern. Klaus Swoboda begriff sich als Vermittler, egal, ob er in Ausstellungen einführte oder über "Tiefenpsychologie im Surrealismus" und "Die Rolle von Cézanne für den Impressionismus" referierte. Dass Menschen Kunst verstehen, war ihm ein wichtiges Anliegen. Da war es fast selbstverständlich, dass er in stürmischen Zeiten den Vorsitz der Gesellschaft für bildende Kunst in Trier übernahm und den zeitweise abgerissenen Dialogfaden zwischen "etablierten" und nicht-etablierten Künstlern neu knüpfte. Dass ihn der "Trierische Volksfreund" zum Sechzigsten unter die "VIPs der Trierer Kunstszene" einordnete, wird ihn eher amüsiert als geärgert haben. Dass er so spielerisch mit Themen umgehen konnte, über die sich andere die Köpfe einschlugen, könnte mit dem eigenen, frühen Erfolg zusammenhängen. 1968 nach Trier gekommen, wurde er 1982 mit dem Ramboux-Preis geehrt - und brauchte sich fortan nicht mehr gegenüber der "Szene" zu beweisen. Regelmäßige Ausstellungen seiner Aquarelle, Zeichnungen und Radierungen sicherten ihm ein hohes Maß an öffentlicher Aufmerksamkeit. In den 80er Jahren standen Trierer Römerdenkmäler oft im Mittelpunkt seiner Arbeiten. Aber auch gesellschaftskritische Themen waren ihm nicht fremd, die er mit sarkastischem Biss aufgriff. In späteren Jahren war es immer wieder seine zweite Heimat Kreta, die ihn zur künstlerischen Auseinandersetzung inspirierte - mit nicht ermüdender Resonanz beim Trierer Publikum. Swoboda revanchierte sich mit großem Engagement für öffentliche Belange.Er ließ sich nie lange bitten

Ob die Antikenfestspiele Hilfe brauchten, das Schloss Monaise oder die Tuchfabrik: Klaus Swoboda ließ sich nie lange bitten. Legendär waren seine Promi-Karikaturen, die er am Rand der Benefiz-Küchen-Partys des Oberbürgermeisters zugunsten Trierer Kinder aufs Papier warf und für den guten Zweck verkaufte. Die Stadt betrachtete ihn als künstlerisches Aushängeschild: Kaum ein wichtiger Anlass, bei dem nicht "ein Swoboda" als geeignetes Gastgeschenk überreicht wurde. Trier schickte ihn auch als Kulturbotschafter in die Partnerstadt Fort Worth. Berührungsängste kannte der 1939 in China geborene Künstler nicht. Eine Karl-Marx-Lithographie fürs Modehaus Marx, Karnevalsbilder für den "Heuschreck", die Mitwirkung bei der Jury-Auswahl für das Logo der Landesgartenschau: Swoboda, der Allrounder, brachte seine Kompetenz auch bei populären Projekten ein. Am 23. April ist der "Künstler, Lebenskünstler und Kunsterzieher", wie es in seiner Todesanzeige heißt, nach längerer Krankheit gestorben.