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Mit Meise an die Mosel

Mit Meise an die Mosel

Künstler, Tourmanager und DJ in einem - Multitalent Nagel ist auf Lesereise durch Deutschland. Neunte Station: das Café Lübke in Trier. Dort gibt er Einblicke in die skurrile Welt von Meise, Titelheld des Buchs "Was kostet die Welt", und dessen Erfahrungen bei seiner Reise an die Mosel.

Trier. (cofi) Nagel ist ein "optimal integrierter Ex-Punk aus Berlin". Bürgerlich heißt er Thorsten Nagelschmidt, der Künstlername stammt noch aus der Zeit, als er Sänger und Gitarrist der Band Muff Potter war. Nagel nimmt Platz auf seiner "kleinen Bühne, gebaut auf Emotions". Er ist auf Lesereise, das klingt intellektuell und nach gehobener Literatur, aber was er bietet, "ist ein Punk-Konzert, nur ohne Schlagzeug". Seine Vorlesestunde ist "ein Abend Wahnsinn, satt 1000 Jahre Stumpfsinn".

Mutig, dass er sich an die Mosel traut. Denn in seinem Buch zeichnet er kein uneingeschränkt positives Idyll. Im Gegenteil. Er lästert über Alltäglichkeiten, verzerrt sie zu skurrilen Gebilden, hält den Spiegel vor, bedient Klischees. Aber gerade das ist der Nerv, den er beim vorwiegend jungen Publikum trifft.

Den Taugenichts Meise, der aus Berlin an die Mosel reist, lässt er in seitenlangen inneren Monologen aussprechen, was sich manche denken, die sich auf den Brettern der Provinz festgenagelt fühlen. Böse wird Nagel dabei, aber alles ist ja nur Fiktion. Oder doch nicht? "Wer sich hier nicht an irgendeiner Stelle angesprochen fühlt, der lügt", grinst Nagel. Und das Publikum zeigt Humor, denn man kann so herrlich über sich selbst lachen, wenn der Städter Meise "den Moselanern die Mosel erklärt". Denn in jedem steckt ein bisschen Meise und ein bisschen Mosel.