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Mit offenem Mund und wachem Herz

Mit offenem Mund und wachem Herz

TRIER. Bruder Basilius Wollscheid von den Barmherzigen Brüdern kümmert sich seit vier Jahrzehnten um die Ausbildung der "Trierer Sängerknaben". Jetzt nimmt er etwa zehn neue Schüler auf.

Beim Pontifikalamt anlässlich des 150-jährigen Jubiläums der "Barmherzigen Brüder von Maria Hilf" im Trierer Dom geschah etwas Unerwartetes: Als die Sängerknaben Händels "Halleluja" aus dem "Messias" angestimmt hatten, waren die Kirchengänger so berührt, dass sie stürmischen Beifall klatschten. Im vergangenen Jahr konnte der Trierer Chor sein 40-jähriges Bestehen feiern. Mittlerweile umfasst die Gruppe 50 Knaben und Männer, die sich alle "mit Leidenschaft" engagieren. Das versichert Bruder Basilius Wollscheid, der die Trierer Sängerknaben vor vier Jahrzehnten gegründet hat: "Gemeinschaft wird bei uns groß geschrieben, und dieser Zusammenhalt soll kommende Woche Nachwuchs erhalten", erklärt der Chorleiter. Morgen und übermorgen gibt es Gelegenheit zur Anmeldung für Interessenten; acht bis zehn neue Sänger im Alter von acht bis neun Jahren können aufgenommen werden. Sie werden in den nächsten vier bis sechs Monaten in Stimmbildung und elementarer Musiklehre unterrichtet und am Ende in den Hauptchor übernommen. "Ein guter Sängerknabe erfährt, wie die Stimme aus dem Hals gebracht wird", verspricht Bruder Basilius. Beim Stimmbruch wird später allerdings nicht aufgehört. Die Betroffenen werden stimmlich sinnvoll versetzt und bleiben dadurch dem Chor erhalten. Die ältesten Sänger sind heute 30 Jahre alt. Basilius setzt schließlich auf Vorbilder: Die älteren Sänger zeigen den jüngeren die Technik. "Es ist leichter, diese Dinge voneinander zu übernehmen. Das große Ziel ist es, vom Notenblatt singen zu können." Dabei bleibt es nicht: Durch das gemeinsame Musizieren lernen die Mitglieder soziale Kompetenz. Teamgeist und Harmonie ist längst ein Markenzeichen der Trierer Sängerknaben geworden. Bruder Basilius nennt ferner die musische Erziehung "enorm wichtig" für die Persönlichkeitsentwicklung: "Jeder Einzelne ist gefordert, auch alleine zu singen. Das schult ungemein das Selbstbewusstsein." Eine alternative Freizeitgestaltung unter Freunden soll der Zusammenschluss darstellen. Deshalb wird bei den zwei Mal in der Woche stattfindenden Treffen nicht durchgehend geprobt. Die Jungen haben einen eigenen Freizeitraum mit Tischfußball und Tischtennis zur Verfügung. Es wird Fußball gespielt; Ferienfreizeiten im choreigenen Haus in der Eifel werden veranstaltet. Hinzu kommen Auftritte im Ausland - im englischen Westminster oder im französischen Notre Dame - und traditionell in Trier wie jedes Jahr an Weihnachten in Heiligkreuz. Körper und Geist, so scheint es, sollen hier angesprochen werden. Sportliche und musikalische Angebote gehören zum pädagogischen Konzept von Bruder Basilius. Beim regelmäßig organisierten Familientag finden darüber hinaus die Eltern zueinander. Damit gelingt eine Verbindung, in der die Chorarbeit zwar einen wichtigen Stellenwert einnimmt, die aber nicht zwangsläufig in Gefahr ist, dass andere Freizeitbeschäftigungen ihr den Rang ablaufen. "Schon immer konkurrieren sportliche und musische Betätigungen", weiß Bruder Basilius aus seiner jahrzehntelangen Arbeit. "Wir versuchen, zu verhindern, dass das Musische auf der Strecke bleibt, und machen deshalb etwas, was das Herz angeht." Anmeldung am 23. und 24. September von 15 bis 17.30 Uhr oder nach telefonischer Absprache im Brüderkrankenhaus, Nordallee 1, Tel: 0651/2080.