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Mit scharfem Blick und offener Blende

Mit scharfem Blick und offener Blende

Luxemburg ist derzeit Treffpunkt von Fotografen und Fotofreunden. Zum 10. Mal werden dort die Internationalen Photomeetings Luxembourg veranstaltet.

Luxemburg. In Workshops, Vorträgen und Ausstellungen dreht sich derzeit alles ums Fotografieren. Wem es nur ums Anschauen geht, kann die Fotoausstellungen noch bis 25. Oktober besuchen. Sozusagen als Vortrupp haben HA Schults Trash People, die auch schon in Trier vorbeikamen, auf der Place Clairefontaine Stellung bezogen. Zum Jubiläum sprach der Trierische Volksfreund mit Marita Ruiter, der Begründerin und Organisatorin der Photomeetings. Die Fragen stellte Eva-Maria Reuther. Wie kamen Sie vor zehn Jahren auf die Idee, in Luxemburg "Photomeetings" zu veranstalten?Marita Ruiter: Ich hatte festgestellt, dass in Luxemburg Fotografie im Vergleich zu anderen Kunstarten bei nur wenigen Leuten ein Thema ist. Dabei ist Luxemburg mit seiner Verbindung zu Edward Steichen, dem großen, aus Luxemburg stammenden Fotografen, geradezu als Zentrum für Fotografie prädestiniert. Ich erinnere nur an Steichens Ausstellung "Family of man" in Clerveaux. Allerdings habe ich in vielen Gesprächen festgestellt, dass man auch hier die Leute sehr wohl für Fotografie gewinnen kann, wenn man nur genügend Zeit und Geduld investiert. Das haben wir getan. Ich verstehe die Photomeetings regelrecht als Bildungsprojekt.Wie hat sich das Projekt entwickelt? Ruiter: Angefangen haben wir mit Workshops und Vorträgen. Zu Beginn haben sich viele Leute gar nicht getraut, an den Workshops teilzunehmen - aus Angst, nicht genügend Vorbildung zu haben. Das hat sich inzwischen geändert. Wir haben jetzt ein ganz breites Publikum an Fotoprofis und Fotoamateuren aller Altersstufen auch aus der Region Trier. Von Anfang an war das Projekt international ausgelegt. Einen deutlichen Zuwachs an jungen Leuten haben wir bekommen, als wir mit Hilfe des europäischen Programms "Youth in action" Studenten aus vielen europäischen Hochschulen mit ihren Lehrern gewinnen konnten. Das hat nicht nur das Niveau entscheidend verbessert. Gerade für die Bildungsarbeit ist der intensive Austausch mit jungen Leuten unverzichtbar. Wir arbeiten deshalb auch mit Schulen zusammen. Nach zehn Jahren kann ich feststellen: Die Akzeptanz der Fotografie als Kunstgattung hat in Luxemburg entscheidend zugenommen.Welchen Einfluss hatte die geradezu explosionsartige Ausbreitung der Digitalfotografie auf die Photomeetings?Ruiter: Wir haben gerade bei diesen Photomeetings eine sehr renommierte, international ausgebildete Fotohistorikerin, die einen Workshop über den Kollodium-Print gibt. Sie bestätigt, dass es immer weniger Leute gibt, die sich für die traditionelle Schwarz-Weiß-Fotografie interessieren, weil sie ihnen zu zeit- und kostenaufwendig ist. Bei uns ist das nicht anders. Allerdings haben wir immer noch eine kleine Gruppe, die sich für analoge Fotografie interessiert.Technik ist wichtig, aber besteht die größere Herausforderung in der Fotografie nicht in der Schulung des Blicks?Ruiter: Absolut. Das "Sehen lernen" - um Gisèle Freund zu zitieren - ist auch das eigentliche Ziel unserer Photomeetings. Dazu sollen natürlich gleichermaßen die Workshops wie die Ausstellungen beitragen. Gerade dort soll der Blick für unterschiedliche Sehweisen geschult werden. Was voraussetzt, dass man nur her-ausragende Fotografen zeigt.Welches sind die Höhepunkte der diesjährigen Photomeetings? Ruiter: Unser Ehrengast ist der 97-jährige Amerikaner John G. Morris. Seine Fotografien nach der Landung der Amerikaner in der Normandie im Zweiten Weltkrieg sind eine Sensation. Bis vor kurzem lagen die Aufnahmen in seinem Atelier verborgen. Nach dem New Yorker ICP (International Center of Photography) sind wir die erste europäische Station, die diese Fotos zeigen kann. Zu den Highlights gehört zudem Herlinde Koelbls Ausstellung "Targets". Sie ist im Moment noch im Historischen Museum der Stadt Berlin zu sehen. Wir zeigen sie zum ersten Mal außerhalb Deutschlands.Sozusagen als Vortrupp stehen die Schrottmenschen von HA Schult auf der Place Clairefontaine. Was hat das mit Fotografie zu tun?Ruiter: Wir stellen die Fotografien der internationalen Stationen dieser ökologisch engagierten Installationen aus. Die Fotos haben inzwischen Ikonen-Status. Ich hoffe, dass sie jetzt durch gute Fotos aus Luxemburg ergänzt werden.Zum Schluss: Was war das Schönste an diesen zehn Editionen? Ruiter: Das Schönste war immer, wenn in den Workshops die studentischen Arbeiten vorgestellt wurden. Etliche Teilnehmer waren in ihrem Können weit fortgeschritten. Der frische Blick und der oft unerwartete Zugang zum Thema, der sich in den Arbeiten darstellte, das war ausgesprochen beglückend. Da hatte man das Gefühl: Es hat sich gelohnt. erDie Photomeetings laufen noch bis 12. September; die Trash People sind bis 14. September auf dem Place Clairefontaine, die Ausstellungen bis 25. Oktober zu sehen, der Eintritt ist frei.photomeetings.luExtra

Marita Ruiter (Foto: Eva-Maria Reuther), in Österreich geboren, ist Kunsthistorikerin und Besitzerin der Galerie Clairefontaine. Die Spezialistin für Fotografie hat an der Universität Wien Anglistik und Philosophie studiert sowie Malerei an der Universität für angewandte Kunst Wien. Ihre Dissertation beschäftigte sich mit dem fotografischen Lebenswerk der jüdischen deutsch-französischen Fotografin Gisèle Freund. 1988 gründete sie die Galerie Clairefontaine, Espace 1, und begann das Ausstellungsprogramm mit Malern der österreichischen klassischen Moderne wie Oskar Kokoschka, Gustav Klimt und Egon Schiele. In der zweiten Galerie Clairefontaine, Espace 2, in der Rue du St. Esprit, 1997 eröffnet, liegt der Schwerpunkt auf künstlerischer Fotografie. red