Mit "Still" und viel Arbeit auf den roten Teppich

Mit "Still" und viel Arbeit auf den roten Teppich

Die Eifeler Punkrocker Jupiter Jones starten glänzend ins neue Jahr: Für die Single "Still" haben sie in Berlin den wichtigsten deutschen Musikpreis erhalten, den Echo für den Radiohit des Jahres. Die Bühne teilten sie sich mit Rammstein, Lindenberg & Co.

Berlin/Trier. Ein Foto vom jungen Glück: Kopf auf dem Kissen, seliger Blick, "Echo" an der Wange gedrückt - und ein letzter Dank in die Tasten gehackt. "Der Vati bringt jetzt den kleinen Echo in die Heia." So verabschiedete sich Jupiter-Jones-Sänger Nicki Müller via Facebook nach dem Erfolg bei der Echo-Verleihung am frühen Freitagmorgen in Berlin von den Fans. Für seine Bandkollegen war die Nacht da noch nicht zu Ende. "Wir kamen so um fünf Uhr morgens von der Aftershow-Party heim", sagt Gitarrist Sascha Eigner. Klar - auch wenn gestern der große Interview-Marathon anrollte, dazu Dutzende Glückwunsch-Telefonate anstanden: Der Preis für die erfolgreichste Radio-Single des Jahres musste ausgiebig gefeiert werden.
Die Überraschung war auch gelungen: Nicki, Sascha, Marco "Hont" Hontheim (mit "Napalm Death"-T-Shirt!) und Andreas Becker hatten bis zur Bekanntgabe keinen Schimmer, dass sie die Konkurrenz hinter sich gelassen hatten. "Alle, die es wissen konnten, haben dichtgehalten", sagt Sascha Eigner.
Die vier Jungs von Jupiter Jones teilten sich die Bühne mit Stars wie Rammstein (gemeinsam mit Marilyn Manson), Udo Lindenberg oder Wolfgang Niedecken. Ob sich die Eifeler bei solchen Galas schon mal deplatziert vorkommen? "Das Befremdlichste ist für uns immer noch der rote Teppich", sagt Sascha Eigner. "Da schreien dann zwölfjährige Mädchen, die oft gar nicht wissen, wer du bist." So kommt es inzwischen häufiger vor, dass aus der nächsten Limousine ein Teenieschwarm wie Pietro Lombardi aussteigt. Auch wenn "JJ" mit dem vermeintlichen Superstar von Bohlens Gnaden musikalisch nun so gar nichts verbindet.
Auch die kleineren Show-Gimmicks am Rande der Echo-Verleihung dürften nicht unbedingt die Kerninteressen der Band treffen: Etwa wenn die Moderatorinnen Barbara Schöneberger und Ina Müller mangels anderer Ideen rumzüngeln, was in den 80ern sicher ein veritabler Skandal gewesen wäre. Oder man leidet mit Sido und Bushido, wie sie immer noch die ewigen Proll-Laiendarsteller spielen müssen, ohne dass es jemanden wirklich interessiert.
Für derlei Rollenspiele sind die Vier von Jupiter Jones nicht zu haben. Mit "Still" haben sie den Radiosong des Jahres 2011 veröffentlicht. Die Komposition liegt aber schon länger zurück, wie sich Sascha Eigner erinnert: Der Song war ursprünglich für das vorletzte Album "Holiday in Catatonia" vorgesehen (2009), passte damals aber nicht richtig rein. "Er hatte damals noch einen anderen Text." So wurde "Still" der erste Song des neuen vierten Albums - und er rollte der Band buchstäblich den roten Teppich aus. Ausverkaufte Konzerte gehören seitdem zum Tagesgeschäft. So sind auch für den Auftritt am nächsten Mittwoch in der Saarbrücker Garage bereits alle Karten weg.
Für die ARD wurde die Livesendung derweil nicht zum Erfolg: Nur 2,6 Millionen Fernsehzuschauer sahen die zweieinhalbstündige Show - weniger als eine parallel ausgestrahlte Tatort-Wiederholung beim WDR.
Jupiter Jones feiert sein zehnjähriges Bestehen am 13. Oktober exklusiv mit einem vom TV präsentierten Konzert in der Arena Trier.
Extra

Eine Auswahl der weiteren Gewinner: Album des Jahres: Adele ("21") Künstler national Rock/Pop: Udo Lindenberg Künstler international Rock/Pop: Bruno Mars Künstlerin national Rock/Pop: Ina Müller Künstlerin international Rock/Pop: Adele Gruppe national Rock/Pop: Rosenstolz Gruppe international Rock/Pop: Coldplay Deutschsprachiger Schlager: Helene Fischer Volkstümliche Musik: An dreas Gabalier Hip-Hop/Urban: Casper Club/Dance national: David Guetta Gruppe Rock/Alternative national: Rammstein Gruppe Rock/Alternative international: Red Hot Chili Peppers Crossover: Michael Bublé Newcomer national: Tim Bendzko Newcomer international: Caro Emerald Hit des Jahres: Gotye ft. Kimbra ("Somebody That I Used To Know") Bestes Video national: 23 (Sido & Bushido) Bester nationaler Act im Ausland: Rammstein Erfolgreichster Live-Act national: Herbert Grönemeyer Musik-DVD-Produktion: Udo Lindenberg ("MTV unplugged - live aus dem Hotel Atlantic") Kritikerpreis: Modeselektor ("Monkeytown") dpaExtra

Ein Echo-Preisträger stand schon vorher fest: BAP-Frontmann Wolfgang Niedecken (Foto: dpa) konnte sich die Trophäe für sein Lebenswerk abholen. Für den 60-Jährigen war es der erste große öffentliche Auftritt nach seinem Schlaganfall im November 2011. "Junge, Junge, du hast uns neulich einen richtigen Schrecken eingejagt", sagte sein Freund, der Filmregisseur Wim Wenders. Tote-Hosen-Frontmann Campino würdigte Niedeckens Lebenswerk, der 60-Jährige dankte seinem Schutzengel. dpa