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Kultur
Mit Tschaikowsky gegen den Alltagsfrust

Musizieren ist für Thomas Kraemer, Konzertmeister und Cheforganisator, eine Leidenschaft, die ihn nicht mehr loslässt.
Musizieren ist für Thomas Kraemer, Konzertmeister und Cheforganisator, eine Leidenschaft, die ihn nicht mehr loslässt. FOTO: TV / Martin Möller
Trier . Getragen von der Begeisterung seiner Mitglieder: das Schöneck-Instrumentalensemble. Von Martin Möller

Er strahlt Freude und Begeisterung aus, und das hat nicht nur zu tun mit dem prächtigen Wetter. Für Thomas Kraemer ist Musizieren eine Leidenschaft, die ihn nicht mehr loslässt. Die Erfahrung, dass Musik heilende Kraft haben kann, dass sie zu so etwas wie Befreiung werden kann, hat ihn durch und durch geprägt.

Und im Kammerorchester mit dem angenehm fließenden Namen „Schöneck-Ensemble“ konnte er sein Ideal zu Wirklichkeit machen. Am kommenden Sonntag, 13. Mai, spielt das Ensemble im Trierer Angela-Merici-Gymnasium.

„Schöneck-Ensemble“ heißt dieses Orchester nach Schloss Schöneck bei Boppard. Dort haben sich bei der Gründung und in den ersten Jahren die Musiker regelmäßig getroffen. Niemand ist im strengen Sinn Orchesterprofi. Thomas Kraemer, Konzertmeister und nach eigenem Verständnis auch „Cheforganisator“, ist Bankmanager.

Aber egal, welchem Beruf die Musiker nachgehen, für sicherlich alle ist Musizieren ein wertvolles Korrektiv zum Arbeitsalltag – gerade weil es nicht die Hauptsache ist. „Unprofessionell“ sind sie darum noch lange nicht. Auch bei Thomas Kraemer, immerhin Schwiegersohn des legendären Karl Berg, reicht die Beschäftigung mit Musik weit in die Kindheit zurück.

Gegründet wurde das Schöneck-Ensemble im Jahr 1994 in Koblenz. Seither hat es sich in der Region zwischen Koblenz und Trier, aber auch außerhalb der rheinland-pfälzischen Grenzen einen Namen gemacht. Gut 30 Musiker sind in einer Kammerbesetzung dabei. Ein Drittel davon kommt aus Trier und näherer Umgebung.

Steht große Sinfonik auf dem Programm, fällt die Besetzung entsprechend größer aus. Leiter seit 2008 ist Christopher Wasmuth – Hochschuldozent, fit in Liedbegleitung und Korrepetition, bei Jazz und klassischem Klavier. Und nicht zuletzt ein versierter Dirigent. „Ein Erzmusiker“ sagt Thomas Kraemer höchst anerkennend.

Subventioniert wird das Schöneck-Ensemble nicht. Die notwendigen Ausgaben werden gedeckt vom Ertrag gelegentlicher Auftritte in kleiner Besetzung. Aber gerade die Distanz zu öffentlicher Finanzierung ist eine Stärke des Ensembles. Unbelastet von kulturpolitischen Rücksichten kann es Musik nach eigener Wahl aufführen.

Am Sonntag steht das 2. Violinkonzert von Sergej Prokofjew auf dem Programm, dazu Tschaikowskys 6. Sinfonie, die „Pathétique“, und zur Einstimmung das „Scherzo à la Russe“ von Igor Strawinsky. Solistin bei Prokofjew ist Charlotte Kraemer, älteste Tochter des Konzertmeisters und echte Profi-Musikerin.

Seit Jahren schon gehören Kraemers drei Töchter zum Schöneck-Ensemble. Und für Thomas Kraemer ist klar: Ohne die Anbindung an die eigene Familie läuft musikalisch nichts.

2019 wird das Schöneck-Ensemble 25 Jahre alt. Gibt es dazu schon konkrete Planungen? Ideen sind schon da, aber das näher rückende Jubiläum betrachtet man im Schöneck-Ensemble doch mit einer gewissen Gelassenheit.  Kraemer: „Vielleicht wird es ja ein ganz normales Jahr“.

„A la Russe“, Sonntag, 13. Mai, 17 Uhr, Angela-Merici-Gymnasium Trier. Werke von Strawinsky, Prokofjew und Tschaikowsky. Charlotte Kraemer, Solo-Violine, Schöneck-Ensemble, Leitung Christopher Wasmuth.