Mit vier Händen und vier Füßen

Mit vier Händen und vier Füßen

Trier (mö) Es dauerte einige Zeit, bis der Beifall aufkam und sich zu vergleichsweise großer Stärke steigerte. Der Eindruck, den dieses Konzert zur Eröffnung der (Trier-) Pauliner Orgeltage auf die knapp 50 Besucher machte, war so überwältigend, dass sie nach dem letzten, gewaltigen D-Dur-Akkord erst einmal durchatmen mussten.

In Klauspeter Bungerts Fassung für Orgel zu vier Händen und vier Füßen entfaltete César Francks d-Moll-Sinfonie eine Wucht und dabei eine strukturelle Klarheit ohnegleichen. Die Orgelversion ist im Vergleich zu Francks Orchesterfassung ganz sicher kein Behelf, sondern eine Fassung "eigenen Rechts".
Ohnehin ist die Idee, Francks Orchestersatz auf die Orgel zu übertragen, alles andere als weit hergeholt. Francks Instrumentation hat zweifellos eine gewisse Orgelnähe, Klangwechsel wirken oft wie die Manualübergänge bei einem großen Instrument. Auf der Pauliner Orgel ist zudem eine französische, von Zungenregistern bereicherte Klanggebung realisierbar. Und noch etwas zeigte sich an dieser Orgel: Die komplexen Strukturen werden bei ihr deutlicher als bei einem Streicherapparat, der in großer Besetzung oft etwas Diffuses mit sich bringt.
Gewiss büßten manche Themen ihre französische Sangbarkeit und Beweglichkeit ein. Dafür entschädigte die Stringenz der Interpretation. Auch in groß angelegten Abschnitten droht niemals Langeweile. Klauspeter Bungert und Volker Krebs bauten einen durchgehenden, gelegentlich modifizierten, aber nie nachlassenden Spannungsbogen auf. Davon profitierte vor allem der abschließende dritte Satz. Bungert und Krebs bedienten sich einer Version, die diesen Satz auf ungefähr das Doppelte seiner normalen Länge ausdehnt. Aber sie hielten diese Länge ohne Spannungsverlust durch und geben dem Satz einen Final-Charakter von Bruckner'schen Dimensionen mit. Auch unter den oft hochkarätigen Orgelkonzerten der Region hatte diese Veranstaltung Ausnahmecharakter.
Weitere Veranstaltungen der 3. Pauliner Orgeltage: 12. September (Christoph Riemenschneider, Flöte, und Volker Krebs, Orgel); 19. September (Maurice Cierc, Orgel); 26. September (Martin S. Schmitt, Saxofon, und Volker Krebs).