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Mittel zur Seelenstärkung

Mittel zur Seelenstärkung

Die gesellschaftliche Inklusion behinderter Menschen war Jahresthema der Diakonie Deutschland in den Jahren 2013 und 2014. Eines der dortigen Projekte war die Initiative "Kunst trotz(t) Handicap". Die daraus hervorgegangene Wanderausstellung gleichen Titels ist jetzt in der Tufa in Trier zu sehen.

Trier. "Das einzige, das sich aufzurichten lohnt, ist die menschliche Seele", hat seinerzeit Joseph Beuys über das Ziel seiner Arbeit gesagt. Wohl wissend, dass seelische Gesundheit gleichermaßen unverzichtbar ist für das gelungene Leben des Einzelnen wie für das der gesellschaftlichen Gemeinschaft. Wie der rheinische Künstler versuchen seit langem unterschiedliche Initiativen und Einrichtungen, solche Seelenarbeit am Menschen mit Hilfe der Kunst zu leisten. Bewährt sind die kunsttherapeutischen Maßnahmen, bei denen kranke, behinderte und traumatisierte Menschen ihre Gefühle und ihre Not in Bilder fassen können und in Form und Farbe veräußert wird, was ansonsten unaussprechlich bleibt. Aber nicht nur das: Zu den erklärten Zielen der Kunst gehört seit jeher auch die Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Themen.
Eines der aktuellen Anliegen ist die Entwicklung einer funktionierenden Inklusionsgesellschaft. Soll heißen: einer Gesellschaft, in der, wie Jürgen Etzel vom Diakonischen Werk Trier sagt, sich alle Menschen gleichsam zu einem gleichberechtigten Kreis zusammenschließen, dessen Mitglieder sich einander öffnen und helfen. Nicht zuletzt ist auch das ein Beitrag zu jener Seelenstärke, die Joseph Beuys meint.
Auf der Grundlage der Behindertenkonvention der Vereinten Nationen (UN) hatte die Diakonie Deutschland 2013 und 2014 die Inklusion zu ihrem Jahresthema gewählt. Dabei entstand das Projekt "Kunst trotz(t) Handicap". Damit verbindet die Diakonie gleich beides: künstlerische Arbeit ist gleichermaßen Beitrag und Beispiel gelungener Inklusion wie Ausdruck individueller Lebensäußerung und Wirklichkeitswahrnehmung.
Die Initiative, deren Ergebnis die Wanderausstellung ist, die jetzt in der Trierer Tufa gezeigt wird, integriert die Arbeiten künstlerisch begabter behinderter Laien sowie Werke von professionellen Künstlern mit Behinderung. Dazu kommen Arbeiten von zeitgenössischen Künstlern und solchen der klassischen Moderne zum Thema Behinderung. Gastgeber ist das Diakonische Werk der Evangelischen Kirchenkreise Trier und Simmern-Trarbach, Schirmherrin ist Ministerpräsidentin Malu Dreyer.
"Ich glaube, die Kunst ist ein gutes Mittel, das Thema Inklusion in den Blick zu nehmen", erklärt Andreas Pitz. Der gelernte Sozialarbeiter, der heute als freischaffender Autor und Projektleiter in Nierstein lebt, hat die Ausstellung kuratiert, die zum ersten Mal beim Evangelischen Kirchentag in Stuttgart 2015 gezeigt wurde. Die Tufa ist die dritte Station.
Arbeiten von mehr als 100 Teilnehmern aus über 20 Ateliers und Werkstätten präsentiert die umfangreiche Schau neben den professionellen Positionen. Vielfältig wie die Aussagen sind die Ausdrucksformen und Gestaltungsmittel. Das Spektrum reicht von der Malerei über Grafik, Bildhauerei und Fotografie bis zur Videokunst.
Ein umfangreiches Rahmenprogramm ergänzt und vertieft die künstlerischen Beiträge. Unterstützt wird das Projekt zudem von der Selbsthilfe Kontakt- und Informationsstelle (Sekis).Extra

Mittel zur Seelenstärkung
Foto: (g_kultur
 In den gezeigten Werken setzen sich die Künstler auf vielfältige Weise mit dem Thema Behinderung auseinander. Neben Gemälden, Grafiken und Fotografien sind in der Tufa auch Skulpturen und Videokunst zu sehen.Fotos (2): Veranstalter
In den gezeigten Werken setzen sich die Künstler auf vielfältige Weise mit dem Thema Behinderung auseinander. Neben Gemälden, Grafiken und Fotografien sind in der Tufa auch Skulpturen und Videokunst zu sehen.Fotos (2): Veranstalter Foto: (g_kultur

Die Schau "Kunst trotz(t) Handicap" wird am Samstag, 9. Januar, 18 Uhr, in der Tuchfabrik Trier eröffnet. Sie ist bis 31. Januar zu folgenden Öffnungszeiten zu sehen: Dienstag, Mittwoch, Freitag jeweils 14 bis 17 Uhr, Donnerstag 17 bis 20 Uhr, Samstag, Sonntag und Feiertag jeweils 11 bis 17 Uhr. Rahmenprogramm: 10. Januar, 11 Uhr, Gottesdienst in der Basilika; 15. Januar, 20 Uhr, Rainer Schmidt; 20. Januar, 20 Uhr Auftritt Ensemble Beweggrund:Held(@)alltag; 23. Januar, 20 Uhr Bone Shakers + Villa Pari; 28. Januar, 20 Uhr Kunst & Kreativität vor Ort; 30. Januar, 20 Uhr Auftritt Graf Fidi. Weitere Infos: www.tufa-trier.de er