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Mittelalter, Metal, markige Worte

Mittelalter, Metal, markige Worte

Totenkopf, Dudelsack und Narrenkappe gehören zu ihren Markenzeichen. Zarte Flötentöne neben harten Metal-Stakkatos, das ist Schandmaul. Kernig, rotzig und manchmal auch ganz lieb. 750 Fans feierten mit der Mittelalter-Folk-Rock-Band eines ihrer letzten Open Air-Konzerte des Jahres auf der Exhaus-Sommerbühne.

Trier. Schwarz war die Farbe des Abends. Frauen und auch Männer in bodentiefen Röcken, Metall durch die Haut gesteckt oder an die Klamotten gehängt, die Haare am liebsten lang. Die längsten trug Geigerin Ally the Fiddle, die virtuos und ohne Anzeichen des Fremdelns die Stammbesetzung Anna Kränzlein ersetzte. Wie Kränzlein stand auch Birgit Muggenthaler an diesem Abend nicht auf der Bühne. Dass die beiden Musikerinnen dort fehlten, wäre übertrieben, dafür schlossen ihre Vertreter die Lücke zu gut. Muggenthalers Flöten spielte Benedikt Dreher, den Dudelsack übernahm Kristina Künzel. "Die Originalweiber haben gekalbt", klärte Frontmann Thomas Lindner die Fangemeinde auf. Rau, aber eigentlich doch lieb gemeint. So wie Lindners Sprache klingt auch Schandmauls Musik, und so kommt auch das Publikum daher. Fans tragen Zombie-Kontaklinsen, an ihren Hosen rasseln Ketten, Lippen, Augenpartie und Nägel sind schwarz geschminkt. Aber, sie spielen gern. Thomas Lindner hat es getestet: Arme recken, schwingen, dann erstarren und die Glieder in Zombie-Haltung schlafwandlerisch nach vorne strecken, den geforderten "bekloppten Gesichtsausdruck" aufsetzen und einen Messerschnitt durch Nachbars Kehle gestikulieren.
Gemeinsam stimmen sie dann später sanft und selig in das Liebeslied "Dein Anblick" ein und lauschen andächtig dem Schmusesong "Willst Du?", bei dem die Band ganz auf Elektronik verzichtete und mit Akustikgitarre, Flöte und Geige romantisch blieb. Die zarten Töne waren immer Teil des Ganzen, der harte Metalsound stand aber im Vordergrund der Lieder aus der Welt der Hexen, Ritter, Burgfräulein, Henker, Narren und Alchemisten.
Schandmaul spielte vom ersten eigenen Song "Teufelsweib" bis zum jüngsten Album "Traumtänzer" 90 Minuten aus der 14-jährigen Bandgeschichte. Mit dem Konzert auf der Exhaus Sommerbühne steuerte die Münchener Band am Samstag auf das Tourende zu. Auf der Bühne stehen die sechs Folk-Rocker dann wieder zum 15-jährigen Jubiläum im nächsten August.