Mittelamerikanische Autorin Belli liest in der Tufa Trier – Mischung aus Lesung und Gesang sorgt für beste Unterhaltung

Mittelamerikanische Autorin Belli liest in der Tufa Trier – Mischung aus Lesung und Gesang sorgt für beste Unterhaltung

Trommeln, Küsse – und schöne Füße: Schriftstellerin Gioconda Belli lädt ihre Fans in der Tufa Trier ein, nicht nur ihr neues Buch, sondern auch die Musik Lateinamerikas ein bisschen näher kennenzulernen. Mit Erfolg.

Kaum sind die Grußworte von Oberbürgermeister Wolfram Leibe und Musiker Fernando Dias Costa verklungen, da hämmert es los. Im Stockwerk über dem großen Saal der Tufa Trier üben Flamenco-Tänzer ihre Schritte. Ein Stör-Stakkato? Das (kurzzeitige) Getrommele ist bezeichnend für diesen Leseabend, der mit Musik einsetzt: Sänger Dias Costa und Gitarrist Aníbal Civilotti zelebrieren brasilianische Samba, kubanische Rumba oder ländliche Folklore aus Peru. Die Mitglieder des Grupo Sal Duo singen und spielen ausdrucksstark und zugleich gefühlvoll.

Wäre das schon ein Grund, hier anwesend zu sein, ist die musikalische Lateinamerika-Reise "nur" Beiwerk, das Rahmenprogramm für Gioconda Belli: Die Schriftstellerin und Poetin aus Nicaragua ist zum ersten Mal zu Gast an der Mosel - später wird sie fragen, was man sich hier anschauen solle, außer dem bekannten "Schwarzen Tor".

Bekannt ist auch ihre "Bewohnte Frau" um eine junge Rebellin (erschienen 1988), die Hauptfigur ist quasi ein Abbild ihrer eigenen Biografie: Belli war Mitglied einer linken Guerillabewegung, kämpft bis heute für Gleichberechtigung und Toleranz. Politisch bleibt es auch in Trier: Die Frauenrechtlerin mit der Löwenmähne mahnt Solidarität an, bezieht Stellung gegen den autoritären Präsidenten ihres Landes und gegen Trump, lobt Deutschland für die Aufnahme von Flüchtlingen. Grupo Sal Duo erinnert in einem Musikstück an die Toten im Mittelmeer. Triers OB Leibe nutzte bereits seine Eröffnungsrede, um sich für mehr Frauen in Führungspositionen starkzumachen. Der OB fordert mehr Frauen in Führungspositionen, Grupo Sal erinnert in einem Stück an die Toten im Mittelmeer.

Schmetterlinge im Bauch

In Trier liest Belli eine neue Geschichte vor, in der es um Weiblichkeit, Gefühle, Wünsche geht, denn auch das sind ihre Themen: Emma, um die 50 und Hauptfigur des neuen Buchs "Mondhitze", schlägt sich mit dem Älterwerden und der Menopause herum - und einem Unfall: Die Ärztegattin hat gedankenverloren den jungen Handwerker Ernesto überfahren. Während sie noch überlegt, wie sie den Schwerverletzten versorgen kann, macht der Invalide ihr Komplimente ob ihrer schönen Füße. Der hat noch Sinn für Humor, denkt Emma. Im Tufa-Saal wird gelacht.

Dass nur wenige Zuhörer das weiche, fast sing-sang-hafte Spanisch der Bestsellerautorin verstehen dürften, ist nicht hinderlich: Bellis Übersetzerin Viola Gabor dupliziert gekonnt die Sätze, setzt eigene Akzente, den Zuschauern wird`'s nicht langweilig: Die von ihrem Mann enttäuschte Emma sieht sich im Laufe der Lesung zum jungen Ernesto hingezogen. Und er zu ihr. Es knistert.

Wie hatte ihre Frauenärztin zuvor gesagt? Eine "fantastische Zeit" werde sie nun erleben. Cut, Musik setzt wieder ein, zurück im "Konzert" besingt ein melancholischer Dias Costa "Lisboa", seine portugiesische Heimat, erzählt die Beziehung zwischen Fluss und Stadt.

Die Mischung aus "pointierter und feinsinniger Poesie, mitreißender Musik und schließlich einer sehr persönlichen Einschätzung zur aktuellen politischen Lage in Nicaragua" habe ihr sehr gefallen, sagt Besucherin Ines Kartheuser aus Trier, die gerne mehr über das politische Engagement Bellis in ihrem Heimatland erfahren hätte.

Kurz ins Gespräch kommen trotz Sprachbarriere, ist möglich, als Belli Autogramme und Widmungen verteilt. Stephanie Erne aus Trier hat gleich vier Bücher aus ihrer Sammlung dabei. "Sie entführt einen in ihre Welt. Sie greift aktuelle Themen auf, kombiniert sie aber mit fantastischen Teilen", erklärt die Triererin ihre Vorliebe für Bellis Romane und Gedichte. Mit diesen beschließt die Mittelamerikanerin ihren Ausflug nach Trier. Auf "Ratschläge für eine starke Frau" (Lerne gegen die Strömung zu schwimmen) folgt die "Liebe in zwei Zeiten" - im sprachlichen Stakkato, der in zahllosen Küssen, "Schweigen, Schlaf" endet. Es ist dieser Mix, der den Abend so unterhaltsam macht.