1. Region
  2. Kultur

Moderne trifft auf kubanische Tradition

Moderne trifft auf kubanische Tradition

Der kubanische Jazzpianist Roberto Fonseca (39) hat mit seiner Band in der Philharmonie Luxemburg einen bewegenden Auftritt hingelegt. Denn mit dabei war die 84-jährige Omara Portuondo, die einzige weibliche Stimme des legendären Buena Vista Social Club. Der Abend geriet zu einer berührenden Begegnung zweier Musiker-Generationen.

Luxemburg. Die ersten zwei Stücke, die Roberto Fonseca und seine Band nach eigenem Bekunden zum Warmlaufen spielen - womit sie dem Publikum allerdings auch schon gehörig einheizen - machen eines klar: Fonseca repräsentiert das moderne, sich vielen Einflüssen öffnende Zeitalter kubanischer Musik.
Seine geschmeidigen, pulsierenden, rhythmischen Klavierimprovisationen erinnern an westliche Jazzgrößen wie Abdullah Ibrahim oder Oscar Peterson. In Melodieführung und Harmonik blitzt zuweilen europäische Klassik auf. Den Klang seines Flügels ergänzt er um den elek-tronischen Sound eines Keyboards und digitale Computereffekte.
Spiritueller Gesang


Bei aller Transformation ist der zentrale Bezug zur traditionellen kubanischen Musik erkennbar. Er äußert sich in Verweisen auf ihre afrikanischen Wurzeln, in Bongoklängen und im lautmalerischen, spirituell angehauchten Gesang Fonsecas. Und er lebt in der von Joel Hierrezuelo an der Perkussion und Ramsés Rodriguez am Schlagzeug rasant vorangetriebenen bis verfremdeten Salsa-Rhythmik.
Eine tiefe Verbindung dazu hat Roberto Fonseca gewonnen, als er dem erkrankten Rubén Gonzales als Pianist des Buena Vista Social Club nachfolgte. Aus dieser Zeit stammt auch seine Freundschaft mit dessen einziger Sängerin Omara Portuondo, die mit Fonseca nach Luxemburg gereist ist. Liebevoll geleitet er sie an seinem Arm auf die Bühne, wo sie mit stürmischem Applaus empfangen wird. Und dann heißt es nur noch staunen, mit wie viel Energie, Lebensfreude und Seele die große alte Dame auftritt.
Voller Dramatik und Gefühl


Mit ihrem Gesang setzt sich die 84-Jährige noch kraftvoll gegen die laute Band durch, hält gar über Minuten einen Schlusston. In ihren Vortrag legt sie bewundernswert viel Dramatik und Gefühl. Sie animiert das Publikum zum Klatschen und Singen, bis "Guantanamera" als Chor durch den Saal schallt. Sie strahlt, tänzelt und wiegt die Hüften, wie sie es wohl zu Beginn ihrer Karriere 1945 als Tänzerin im Tropicana Club getan hat. Besonders stark und ausdrucksvoll ist sie in ruhigen Balladen, die von Liebe oder Trauer erzählen. Dabei umwebt Fonseca ihren Gesang mit poetischem Klavierspiel. Ihm und seiner Band ist großer Respekt vor Portuondo, aber auch dem, was sie repräsentiert, anzumerken. Und daraus ergibt sich ein weiterer Höhepunkt des Abends, eine Hommage an die beiden verstorbenen "Buena Vista Social Club"- Musiker, Sänger Ibrahim Ferrer und Bassist Orlando Lopez. Hier tritt Yandi Martínez mit einer traumschönen zarten Kontrabassimprovisation in den Vordergrund.
Das stimmungsvolle Konzert endet sowohl mit modernem Jazz als auch dem traditionellen "Besame Mucho" - und mit stehenden Ovationen. ae