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Mogli kommt in die Eifel

Der Regisseur und sein Pfeifchen: Otto Junggeburth wohnt seit vier Jahren in der Eifel und inszeniert im Sommer das "Dschungelbuch" und den "Sommernachtstraum" im Innenhof des Hauses Beda in Bitburg.Foto: Heike Thelen
Der Regisseur und sein Pfeifchen: Otto Junggeburth wohnt seit vier Jahren in der Eifel und inszeniert im Sommer das "Dschungelbuch" und den "Sommernachtstraum" im Innenhof des Hauses Beda in Bitburg.Foto: Heike Thelen
BITBURG. Mit 32 Aufführungen des "Dschungelbuchs" und Shakespeares "Sommernachtstraum" bringt das theater-sesam gemeinsam mit der Kulturgemeinschaft Bitburg anspruchsvolles Freilufttheater in die Bierstadt. Der TV sprach mit Regisseur Otto Junggeburth, dem Mann, der hinter dem Namen "theater-sesam" steht.

Mit der Inszenierung von Samuel Becketts Stück "Glückliche Tage" im Avionics-Bunker auf dem Bitburger Flugplatz haben Sie im vergangenen Jahr erstmals in der Eifel von sich reden gemacht. Waren Sie zufrieden mit den Aufführungen? Junggeburth: Die Resonanz auf das Stück war erstaunlich positiv. Es war ungewöhnlich, wie viele Leute, die das Stück gesehen haben, sich positiv geäußert haben. In dieser Hinsicht sind der Schauspieler Lucius Woytt und ich sehr zufrieden. Allerdings hätten wir uns gewünscht, dass sich ein paar mehr Leute das Stück anschauen, auch wenn wir von vornherein wussten, dass es sich um ein Nischenprodukt handelt.Produziert wurde das Stück vom theater-sesam. Wer verbirgt sich hinter diesem Namen? Junggeburth: Theater-sesam, das sind Otto Junggeburth als Regisseur mit einem wechselnden Stamm an Schauspielern und Bühnenbildnern. Das theater-sesam hat sich eigens für die Produktion "Beckett im Bunker" formiert. Es zeichnete sich allerdings schon bald ab, dass es möglicherweise Nachfolge-Produktionen geben wird, und da wollten wir dem Kind auch einen Namen geben. Warum theater-sesam? Was verbinden Sie mit diesem Namen? Junggeburth: Bei der Namensgebung haben weder die Sesamstraße noch das Sesamkorn Pate gestanden, sondern 1001 Nacht: Sesam ­ öffne dich!Die Nachfolge-Produktion hat ja nicht lange auf sich warten lassen. Für diesen Sommer planen Sie Freilichttheater im Garten des Bitburger Hauses Beda. Welche Stücke werden gegeben? Junggeburth: In Zusammenarbeit mit der Kulturgemeinschaft Bitburg wollen wir ein Kinder- und ein Erwachsenenstück aufführen. Mit dem "Dschungelbuch" wollen wir besonders jüngere Besucher, Kindergärten und Schulklassen ansprechen. Als zweites Stück werden wir für Erwachsene den "Sommernachts-traum" von William Shakespeare spielen. Ursprünglich war die Komödie "Der Geizige" von Molière geplant. Die Bearbeitung des Stückes hatte ich sogar schon fertig. Doch "Der Geizige" wird in diesem Jahr im Burgtheater Mayen aufgeführt. Als wir Anfang Januar davon erfuhren, war schnelle Improvisation gefragt. Aber ich denke, dass wir eine gute Wahl getroffen haben.Ein plötzlicher Wandel, der den Zeitplan doch sicherlich durchein-ander gebracht hat. Wie weit sind Sie mit den Vorbereitungen? Junggeburth: Die Verträge mit den Schauspielern Marnie Sha Held, Saskia Schwerth, Lucius Woytt und Jo Stock aus Köln, Werner Schuster und Heiko Schendel aus Berlin und Christiane Fischer aus Bitburg sind unterschrieben. Derzeit führen wir Verhandlungen mit dem Bühnenbildner und bilden Teams für Licht, Ton, Umbauarbeit, Requisite und Karten. Das müssen wir nun alles zügig regeln, denn Anfang Mai wollen wir mit den Proben beginnen. Und da bleibt wenig Zeit für diese organisatorischen Dinge.Reichlich Organisation für einen Regisseur. Junggeburth: Natürlich ist es bequemer, wenn ich mich nur um die Regie kümmern muss. Aber ich wusste vorher, dass es sehr viel Mehraufwand bedeutet, hier in Bitburg etwas ganz Neues aufzubauen.Feste Engagements an den Westfälischen Kammerspielen in Paderborn und in Konstanz sowie freie Arbeiten in Stuttgart, Konstanz, Esslingen, Ulm und Bad Bentheim sind frühere Stationen Ihres Wirkens. Warum haben Sie sich entschieden, nun wieder als freier Regisseur in der Eifel zu arbeiten? Junggeburth: Der Vorteil fester Engagements ist sicherlich das feste Einkommen. Doch ich finde es sehr viel spannender, mit Schauspielern zu arbeiten, die für jede Produktion neu zusammen kommen und sich fremd sind. Wenn man zwei Jahre mit denselben Schauspielern zusammen gearbeitet hat, kennt man sich zu gut. Hinzu kommt, dass die Eifel landschaftlich sehr schön ist. Außerdem ist die Entfernung zum Ruhrgebiet, wo es einige Theater und damit Arbeitsmöglichkeiten für mich gibt, nicht zu groß. Ich suche Möglichkeiten, künstlerisch zu arbeiten. Und qualitatives Theater ist heute nicht mehr an große Städte gebunden. Das geht im Zeitalter moderner Medien auch im ländlichen Raum. Deshalb versuche ich gemeinsam mit der Kulturgemeinschaft Bitburg, hier etwas Besonderes zu schaffen. Beckett im Bunker war dabei der erste Schritt, dem nun das Freilichttheater folgt.Wie schätzen Sie die Theater- und Kulturszene im Raum Trier-Mosel-Eifel ein? Junggeburth: Trier scheint ein ganz lebendiges Kulturleben zu haben. Immerhin gibt es ein Drei-Sparten-Theater und die Antikenfestspiele, und auch die Tuchfabrik ist sehr aktiv.Gibt es schon langfristige Pläne für die Zeit nach dem Freilichttheater? Junggeburth: Ich plane immer Schritt für Schritt. Nach dem Freilichttheater sehen wir weiter. Ich könnte mir auch durchaus vorstellen, mal wieder ein Stück zu schreiben.Das Gespräch führte unsere Redakteurin Heike Thelen.