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"Moien!" - Fast ein Heimspiel für Hamburger Jungs

Johannes Strate und Chris Rodriguez von Revolverheld (von links) beim Auftritt in Luxemburg. TV-Foto: Jasmin Wagner
Johannes Strate und Chris Rodriguez von Revolverheld (von links) beim Auftritt in Luxemburg. TV-Foto: Jasmin Wagner
Beaufort/Luxemburg. Ein Open Air der Spitzenklasse haben Revolverheld vor der besonderen Kulisse der Burg Beaufort in Luxemburg abgeliefert. Die Band riss ihre Fans mit einer Mischung aus gefühlvollen Balladen und rockigen Tanznummern mit.

Beaufort/Luxemburg. "Wir fühlen uns fast heimisch hier. Ihr sagt ja auch immer ,Moien\' zur Begrüßung, wie bei uns in Hamburg", begrüßt Frontmann und Sänger Johannes Strate das Publikum am Schloss Beaufort, nachdem die Revolverhelden einen rasanten Start mit dem Titelsong ihres neuen Albums "Immer in Bewegung" hingelegt haben. Der Sound ist knackig und der Text gut zu verstehen - nicht selbstverständlich für ein Open-Air-Konzert. Dabei steht die Musik der Jungs absolut im Vordergrund. Eine aufwendige Bühnenshow ist nicht notwendig. Es geht um die Texte, die ehrlich und direkt sind. Liebe, Freundschaft und Loyalität sind die Themen der Hamburger Jungs. So auch beim aktuellen Hit "Das kann uns keiner nehmen". Bis in die hinterste Reihe singen alle mit.
Revolverheld sind eine Band zum Anfassen. "Wer ist denn zum allerersten Mal überhaupt auf einem Konzert?", fragt Strate in die Runde. Ein paar Kinder melden sich. Zwei von ihnen nimmt die Band zu sich auf die Bühne. "Möchtet ihr was trinken? Wir haben Caprisonne Kirsche und Orange. Ich war ja so ein Reformhauskind. Ich musste meinen Möhrensaft immer auf dem Schulhof tauschen", verrät der Sänger und lacht. Während des Songs "Spinner" dürfen die Kinder auf der Bühne bleiben - sicher ein unvergesslicher erster Konzertbesuch. Die Kulisse ist einzigartig: Die Bühne fügt sich perfekt in die illuminierte Burgruine von Beaufort ein. Das sei "der schönste Ort" ihrer bisherigen Tour, findet Strate. Er scherzt darüber, dass Revolverheld in der Konzertreihe des Veranstalters mit dem Namen Rock Classics in einer Reihe mit Chris de Burgh stehen: "Deswegen die Bestuhlung." Aber die Stühle spielen spätestens bei "Neu anfangen" keine Rolle mehr. Alle stehen auf und tanzen mit.
Mit der Textzeile "Facebook und Mails sind doch vermeidbar - Ich brauch\' \'nen anderen Blitzableiter" treffen sie den Nerv ihrer Fans. Danach spielen sie die Ballade "Ich lass für dich das Licht an". Das Musikvideo zu dem Song wurde das erfolgreichste in der Bandgeschichte. Für einen Freund der Band, der seine Freundin auf einem Revolverheld-Konzert kennengelernt hat, spielen sie das Lied bei dessen Heiratsantrag. Der reale Hintergrund macht das Video besonders ergreifend und nah. Für manche vielleicht zu kitschig, aber für die meist weiblichen Fans sicher nicht. Immer wieder ist Gekreische während des Konzerts zu hören, wenn Johannes Strate eine Ansage macht. "Da reicht das Wort Open Air, und ihr kreischt schon", sagt er amüsiert, als er von Schreien unterbrochen wird.
Seit elf Jahren gibt es die Band aus dem Norden. Spätestens seit der Single "Freunde bleiben" von 2006, den die Band als letzte Zugabe spielt, dürfte sie einem größeren Publikum bekannt sein. Bisheriger Karrierehöhepunkt: der Song "Helden" zur Fußball-Europameisterschaft 2008, mit dem die Gruppe den zweiten Platz der deutschen Charts erreichte.
Die gefühl-, aber auch humorvollen Texte und die rockigen Gitarrensounds sind ein Erfolgsrezept, das auch an diesem Abend in Luxemburg aufgeht. jwa