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Monthy Python-Fans aufgepasst: Theater Trier zeigt Spamelot

Kultur : Die Ritter der Kokosnuss kommen

Wer den ebenso schwarzen wie schrägen Humor der Monty-Python-Filme liebt, ist im Trierer Priesterseminar goldrichtig. Dort zeigt das Trierer Theater unter freiem Himmel das Musical „Spamalot“.

„Na, komm hoch! Es geht weiter“, ruft der schwarze Ritter aufmunternd, tritt den ins Gebet versunkenen König Artus, dass die Rüstung scheppert und hüpft kampfeslustig von einem Fuß auf den anderen. Dass das Blut währenddessen in Fontänen aus seinen Armstümpfen spritzt, scheint ihn nicht weiter zu stören.

„Du hast keine Arme mehr!“, entgegnet Artus. „Wer sagt das?“, fragt der schwarze Ritter.  „Dann kratz dich mal!“ „O, ist doch nur ne Fleischwunde!“ Und paff, noch ein Tritt, wieder scheppert die Rüstung. Spätestens jetzt denken Monty-Python-Fans freudig an all die Absurditäten, die der Film „Die Ritter der Kokosnuss“ zu bieten hat. Ein Kultfilm aus dem Jahr 1975, der die Sage von König Artus ebenso verballhornt wie die Suche nach dem Heiligen Gral oder das komplizierte französisch-englische Verhältnis.

Freunde dieses schwarzen britischen Humors könnten – vorausgesetzt sie haben keine Musical-Allergie – bald auch im Quadrathof des Bischöflichen Priesterseminars ­glücklich grinsen. Ja, richtig gelesen. Denn genau an diesem vollständig von Kirchenmauern und historischen Bistums-Gebäuden umschlossenen Ort, der selbst vielen Trierern unbekannt sein dürfte, feiert die Trierer Theaterproduktion „Spamalot“ am 9. Juni Premiere. Ein Musical mit Musik von John du Prez und Eric Idle, „entstanden durch liebevolles Fleddern“ des Films „Die Ritter der Kokusnuss“, das nicht nur die Artus-Sage, sondern auch das gesamte Musical-Business durch den Kakao zieht. Und natürlich die abenteuerliche Suche nach dem Heiligen Gral, auf die sich Artus und die mehr oder weniger tapferen Ritter der Tafelrunde begeben, nachdem Gott ihnen persönlich den Auftrag dazu gegeben hat.

Ausgerechnet „Spamalot“ im Priesterseminar?! „Ja, natürlich“, sagt Regisseur François Camus schelmisch und lacht. „Die Kirche macht mit, und wir sind sehr froh mit der Kooperation“, ergänzt Dramaturg Philipp Matthias Müller.

654 Stühle stehen bei schönem Wetter auf einer Tribüne bereit. Sollte es schütten, zieht die Produktion, an der sämtliche Männer des Schauspielensembles und Stephanie Theiß, sechs Tänzer und eine fünfköpfige Band mitwirken, ins Große Haus des Theaters um.

Der außergewöhnliche Spielort unter freiem Himmel bringt so manche Herausforderung mit sich – und zwar nicht nur, dass man bei den Proben möglichst leise sein muss, um die studierenden Gottesmänner nicht mit schrägen Musicalszenen zu stören. Es gibt keine Scheinwerfer, keine Züge, mit denen man Kulissen erscheinen lassen könnte, keine Hebebühne. „Wir machen gutes altes Schauspieltheater“, sagt Camus, der vielen noch aus „Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran“ in bester Erinnerung sein dürfte. Das sei toll, da könne man sich auf die Kostüme konzentrieren. Und die seien großartig, schwärmt er. Zudem habe der Ort einen super Klang.

Aber werden die Monty-Pythons-Filmfans auch mit „Spamalot“ froh? „Ich finde das Musical sogar besser“, sagt der aus Paris stammende Regisseur und Schauspieler. Er liebe den Quatsch, all die knackigen Szenen und habe fast nichts gestrichen. Zumal die Übersetzung super sei. Geschrieben hat diese übrigens Daniel Große-Boymann, der (wie das Leben manchmal halt so ist) genau wie Gideon Rapp, der nun den Artus spielt, mit Camus einst in einer Stuttgarter WG zusammenlebte.

Und so können sich Monty-Python-Freunde auf die erste Freiluftpräsentation der Spielzeit freuen. Auf hüpfende Kleriker, klappernde Kokosnüsse, Killerkaninchen & Co. Auf den Ritterfürst vom Ni, die Fee vom See, auf Den-noch-nicht-toten-Fred und erstaunlicherweise selbst auf Rotkäppchen (gespielt von Paul Behrens), über dessen Rolle in der Artus-Sage Camus vorab auf TV-Anfrage keine Auskunft erteilt. Und natürlich auf den schwarzen Ritter, der Artus – nachdem dieser ihm beide Arme und Beine abgeschlagen hat – hinterherruft: „Chleudert den Purschen zu Poden!“ Ähh sorry, falscher Film. War es: „Bringt mir ein Gebüsch“? Oder: „Folgt der heiligen Flasche“?

Da hilft nur: selber gucken. Oder demnächst im Judäischen, äähh Trierischen Volksfreund nachlesen. Dazu zum Naschen vielleicht ein paar Otternasen?

Die Premiere ist am Sonntag, 9. Juni, um 19.30 Uhr im Quadrathof des Bischöflichen Priesterseminars (Jesuitenstraße 13 in Trier).  Weitere Termine: 10. Juni, 11. Juni, 12. Juni, 13. Juni, 15. Juni, 19. Juni, 20. Juni, jeweils um 19.30 Uhr. Bis 14 Uhr entscheidet jeweils das Theater je nach Wettervorhersage, ob draußen gespielt werden kann oder ob ins Große Haus ausgewichen werden muss. Sollte es am 12. oder 13. Juni regnen, ist ein Ausweichen nicht möglich. Die Vorstellungen müssten dann ausfallen.
Karten gibt es online auf www.theater-trier.de, unter der Mailadresse theaterkasse@trier.de sowie unter Telefon 0651/ 718-1818.