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Mosel Musikfestival: aus Wittlich stammende Choreographin Elisabeth Schilling

Tanz : Augen, Ohren und Bewegung

Die aus Wittlich stammende internatonale Choreographin Elisabeth Schilling tritt mit ihrer Company beim Mosel Musikfestival auf.

„One, two, three, four —Elisabeth Schilling probt mit ihren Tänzern György Ligetis „Études pour piano“. Zwei der 18 Klavierstücke des Ungarn wird sie mit ihrer Company im Rahmen des Mosel Musikfestivals  am Wochenende in der ehemaligen Abteikirche von St. Maximin in Trier aufführen. Die beiden Etuden sind ein kleiner Ausschnitt eines großen Projekts. Als Ko-Produktion „Hear, eyes, move“ des Grand Théâtre Luxembourg, des Mosel Musikfestivals und des Kunstfests Weimar arbeitet die Tänzerin und Choreographin mit ihrem internationalen Team an einer Choreographie des Gesamtwerks. Die Etuden des 1923 geborenen und  1956 in den Westen geflohenen Komponisten, der 2006 in Wien starb, gelten als gleichermaßen hochkomplex wie virtuos. Eine riesige Herausforderung, aber dennoch ein Traumjob für jemanden, der wie Schilling sagt: „Mich interessiert the manifold body (der mannigfaltige Körper)“.  Der kann sich in Ligetis Komposition bestens entfalten, um in Bewegung und Geste zu veräußern, was dem späten „Gipfelwerk“ des Ungarn an Energien, vielfältigen Rhythmen und vielschichtigen Texturen innewohnt.

„Mir geht es um die unterschiedlichen Perspektiven auf den Körper“, erklärt Schilling. In ihrer Ligeti-Choreographie ist es die Symbiose von Musik und Bewegung, die derart neue perspektivische Ansätze und Formen ermöglicht.

Als einen „Leben verdankenden Moment“ bezeichnet die Choreographin ihre erste Begegnung mit der Musik des modernen Klassikers. „Ich habe Ligeti gehört, und die Musik stand mir quasi wie gezeichnet vor Augen.“ Die Faszination hat bis heute nicht nachgelassen. Genauso wenig wie die des Tanzes.

Wer mit Elisabeth Schilling spricht, dem teilt sich unmittelbar ihre Leidenschaft für ihren Beruf mit, der viel eher eine Berufung ist. Wenn sie sagt: „Der Tanz ist mein Leben“, so hat das nicht die leiseste Anmutung von selbstermächtigendem Pathos. Es ist vielmehr eine klare Feststellung, die ganz natürliche Verortung ihres Daseins, dort wo sie sich schon immer sah. „Ich wollte schon als kleines Kind tanzen“, erinnert sich  die Choreographin. „Eine innere Stimme hat mir gesagt, ich muss Tänzerin werden.“

Nach erstem Ballettunterricht, absolvierte sie nach dem Abitur ihre professionelle Ausbildung, zunächst in Frankfurt, dann am TrinityLaban Conservatoire of Music and Dance in London und an der renommierten London Contemporary Dance School. Inzwischen hat die 1988 geborene Künstlerin, die in Wittlich aufwuchs, die Deborah Hay, die amerikanische Ikone des postmodernen wie experimentellen Tanzes, zu ihren großen Vorbildern zählt, eine beachtliche Biografie aufzuweisen. Die Namen der über 30 internationalen Kompagnien und Choreographen für die sie bislang gearbeitet hat, lesen sich wie eine Tour d`horizon durch zeitgenössische Tanz-Positionen. Darunter finden sich Sasha Waltz wie Reinhild Hoffmann oder Trisha Brown. Aber auch Kunstorte mit Kult-Status sind darunter wie Tate Modern und Tate Britain in London.

Unterwegs ist die weltläufige Künstlerin nicht nur zu Tanz und Choreographie. Beachtlich ist auch ihr pädagogisches Engagement. „Ich will das Publikum für den Tanz aufschließen und das Bewusstsein dafür fördern“, erklärt Schilling. Dabei setzt sie auf Interaktion und Gespräche mit dem Publikum.

Zudem kommt der Künstlerin auch hier ihre Freude am Experiment zugute, die auch immer wieder ihre choreografische Arbeit antreibt. Mit Ligetis „Etuden“ hat sich Schilling einem Werk zugewandt, das in der langen Tradition der Klavier-Etuden, wie etwa denen von Chopin steht und sie zeitgenössisch fortschreibt. Seit langem beschäftigt sich die Choreographin mit dem Werk, liest Sekundärliteratur, spürt der Rezeptionsgeschichte nach, vertieft sich in das Leben des Komponisten. Denn auch das gehört zu ihren Arbeitsgrundsätzen: „Die Recherche ist mir zur Vorbereitung sehr wichtig“.

Die Probe geht weiter. Elisabeth Schilling schaut sich jetzt die Bewegungen aus einer anderen Perspektive an. Das ist schließlich auch klar: Bei Ligetis Etuden sind die Perspektiven fast grenzenlos.

Aufführung: Freitag, 7. August, 18 Uhr, 19.30 und 21 Uhr. Karten für die Konzerte des Mosel Musikfestivals müssen vorab über Ticket-Regional unter Angabe der persönlichen Daten gekauft werden. Weitere Informationen zum Programm gibt es unter www.moselmusikfestival.de