Mosel Musikfestival: "Neue Musik von den Enden der Seidenstraße" begeistert.

Mosel Musikfestival : Das Fremde und sich selbst erfahren

Faszinierende Musik vom „Ende der Seidenstraße“ beim Mosel Musikfestival im Kloster Machern.

Die Gesellschaft wird immer diverser. Auch die Musikszene muss solche Veränderungen reflektieren und integrieren, will sie nicht weltfern werden. Fernöstliche oder arabische Musik sind längst mehr als musikalische Ethno-Welle oder musikgeschichtliche Inspirationsquelle für europäische Musik. In der Lebenswirklichkeit einer interkulturellen vielfältigen Gesellschaft ist solche Musik Ausdruck und Spiegel nachbarlicher Identität. Wieder mal hat Dichterfürst Goethe recht, wenn er dichtend feststellt: „Wer sich selbst und andere kennt, wird auch hier erkennen: Orient und Okzident sind nicht mehr zu trennen“. Mit seinem Konzert „Neue Musik von den Enden der Seidenstraße“ leistete das Mosel Musikfestival am Sonntag  einen eindrucksvollen Beitrag, bei musikalischem Hochgenuss sich selbst und Fremdes kennenzulernen. Interkultureller Brückenschlag auf hohem Niveau war hier ebenso angesagt wie Integration. Dass die an diesem Abend gelungen war, belegten nicht nur die Zuhörerinnen mit Kopftuch im vollen Saal, sondern auch das durch alle Altersklassen bunt gemischte Publikum. Zur Erinnerung: als Seidenstraße wird die 5000 Jahre alte Karawanenstraße zwischen China und dem Mittelmeerraum bezeichnet. Auf der alten Route, an der märchenhafte Städte wie das usbekische Samarkand liegen, war nicht nur der Venezianer Marco Polo unterwegs. Die Seidenstraße ist seit jeher ein interkultureller Transportweg von Ideen und Waren. Über ihre Route wurden ebenso Seide, Glas und Porzellan nach Europa gebracht, wie sich über sie Christentum. Islam und indischer Buddhismus nach Osten ausbreiteten. Mit den fünf Master Musikern der Aga Khan Music Initiative waren im Barocksaal von Kloster Machern Künstler aus Ländern der Seidenstraße zu Gast. Allein die schönen Instrumente faszinierten in ihrer Fremdheit und schienen dennoch vertraut, so wie die fernöstliche Pipa oder die arabische Dutar, deren Schwester die europäische Laute ist. Einmal mehr wurde hier die Weltkultur der Musikinstrumente erfahrbar. So werden auf der ganzen Welt Trommeln eingesetzt, die arabische Qanun hat eine Verwandte in der deutschen Zither. Und auch die Flöte (hier als arabische Duclar) ist womöglich so alt wie der musizierende Mensch. Im barocken Festsaal von Machern ließen die Musiker die vielfältigen Farben und Stimmungen des Orients klingen. Dabei blieben Zugriff und Kompositionen zeitgenössisch, ohne ihre kulturgeschichtliche Tradition zu verleugnen. Gleich eingangs beim „Dance of the Yi“ (Tanz der Yi) erwies sich die Chinesin Wu Man als brillante Pipa-Spielerin. Hoch her ging es danach im „Teehaus“. Überhaupt spielten die Musiker bei dieser Zusammenschau unterschiedlicher fernöstlicher Ästhetiken mit Witz und mitreißender Lust am Spiel. Die vermittelte atemberaubend der grandiose usbekische Drummer Abbos Kosimov. Wunderbar gefühlvoll und ein wenig wehmütig erklang das Saxofon des Syrers Basel Rajoub. Fast mystisch ertönte seine Flöte gemeinsam mit Feras Charestans Zither in „Mahq-i Dutar“. Wunderbar sinnend die Dutar des aus Tadschikistan stammenden Musikers Sirojiddins Juraev.

Ein musikalisch hocheindrucksvoller Abend, nicht zuletzt, um sich über das Fremde im Anderen und im eigenen Wesen klarzuwerden. Und um sich einmal mehr zu erinnern, dass Toleranz bedeutet, sich zu begegnen und zu verständigen und doch den Anderen anders sein zu lassen. Stürmischer Applaus und „Standing ovations“.

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