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Mosel Musikfestival stellt in Trier sein Programm "In Bewegung" vor

Trier : Bewegungskünstler und „Rolling Tones“

Bloß kein Stillstand, auch nicht in schwierigen Zeiten: Das Mosel Musikfestival setzt sich ab dem 6. August für gut drei Wochen „in Bewegung“. Nicht nur mit Live-Konzerten.

Manche Erfahrung braucht Tobias Scharfenberger, Intendant des Mosel Musikfestivals, auch bitte kein weiteres Mal. Etwa diese: Für das gleiche Festivaljahr zwei komplett unterschiedliche Konzepte vorzustellen. Mit anderer Ausrichtung, anderen Künstlern, unter einem anderen Motto. Das Corona-Seuchenjahr hat das unter dem Oberbegriff  „Von Sinnen“ stehende Mosel Musikfestival mit seinen geplanten 60 Konzerten brutal ausgebremst. Am Wochenende hätte es beginnen sollen. Sinnlos, umständehalber. Alles lange abgesagt.

Das könnte auf die Laune drücken, hat es auch, nicht nur wegen des „besten Vorverkaufs der vergangenen Jahre“. Aber dass Scharfenberger am Freitagmittag im „Queergarten“ des Palastgartens ziemlich gut gelaunt ist, liegt an einem Kraftakt. An Corona und den Auflagen konnten sein Team und er nichts ändern. Aber sie haben sich ein neues Konzept in den Anhänger gepackt: „In Bewegung“ statt „Von Sinnen“. Ein kleineres Festival, das innerhalb von gut drei Wochen über die Bühne und ins Ohr gehen wird (6. - 29. August). Mit anderen Schwerpunkten, auch mal mit Mut zum Experiment und mit einer rollenden Bühne im Anhänger, „Rolling Tones“ nennt sich das: Ein „fahrendes Musikzimmer“, das nicht nur als Kulisse für die Präsentation taugt, sondern das auch für unterschiedliche Konzerte an besonderen Orten vorfahren wird – etwa vor St. Maximin in Trier oder der Burg Landshut in Bernkastel-Kues.

„Wir wollten auf keinen Fall still sein“, sagt Scharfenberger: „Wir wollten Präsenz zeigen.“ Einige Künstler und Ensembles, die in diesem Jahr auftreten sollten, werden 2021 in die Region kommen - aber das ist erst mal Zukunftsmusik.

Das neue Programm funktioniere nach einem „Baukasten-System“: „Wir wollen spielerisch mit Nähe und Distanz umgehen. Ergänzt um visuelle oder kulinarische Erlebnisse, soll das Publikum Musik live und auch digital genießen, sich wohl und sicher fühlen können.“ So fallen in diesem Jahr die beliebten Live-Konzerte bei renommierten Winzern („Weinklang“) zwar aus, das MMF hat aber von Opern und Jazzsängerin Christina Clark ein „Hörgenießen-Premiumpaket“ erstellen (und aufnehmen) lassen: Dazu gibt es Weine und eine exklusiv produzierte Live-DVD fürs heimische Wohnzimmer. Mit Musik, Aussicht, aber ohne Live-Ensemble vor Augen – so funktioniert, was die MMF-Macher „Kopfhören“ nennen: So wird die aus Wittlich stammende Choreographin Elisabeth Schilling im illuminierten St. Maximin ihr Tanzprojekt „Hear Eyes Move“ vorstellen, das 2021 uraufgeführt wird – das Publikum hört über Audioguide und Kopfhörer Ligetis „Études pour piano“. Eine Kopfhörer-Museumstour der anderen Art wird begleitet von den Klängen der „lautten compagney“ (Renaissance trifft Minimal Music, 6. August, Rheinisches Landesmuseum). Das Album „Bach without Words“ des Berliner Ensembles wird zudem beim „Kopfhören“ mit Ausblick aufs Moseltal zu erleben sein (13. August, Moselsteig bei Leiwen). Live-Konzerte aus dem Rolling-Tones-Anhänger gibt es von Pianist Nuron Mukumi (Beethoven, Sonate Nr. 23, Appassionata). Mukumi begleitet zudem Bariton Tobias Scharfenberger bei Beethovens „An die ferne Geliebte“ (8. August, St. Maximin). Cellistin Katja Takotnik will ihr Publikum in den „Bachzustand“ versetzen (9. August, Burg Landshut). Angerollt kommt auch das Saxofon-Quartett „Saxofourte“ (14. - 16. August in Klausen, Trier-Kürenz im Schlossgarten, Moselkern und Winningen). Auch die Holz-Virtuosen von „Wildes Holz“ sind in der Region unterwegs (20. August, Brunnenhof Trier, 21. August: Bernkastel-Kues). Wer eine Blockflöten-Phobie hat, sei danach geheilt, verspricht Scharfenberger, der sich auch das Familienprogramm „Sommersprossen“ freut (Saarburg und Bernkastel-Kues, 22. August). Künstler der Region sollen zum Festivalabschluss im Kurfürstlichen Palais eine Bühne erhalten. Mit einer „musikalischen Überraschung“ werde das Festival beendet.

Intendant Tobias Scharfenberger im Rolling-Tones-Anhänger, in dem Konzerte stattfinden. Foto: Andreas Feichtner Foto: Andreas Feichtner
Katja Zakotnik tritt beim Festival auf. Foto: MMF

Programm: moselmusikfestival.de