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Mosel Musikfestival stellt Programm 2021 vor - viele Konzerte open-air

Mosel Musikfestival 2021 : „Die Zukunft ist so schön vakant ...“

Das Mosel Musikfestival trotzt der Pandemie. Für 2021 hat Intendant Tobias Scharfenberger am Freitag 23 Konzerte angekündigt, die selbst unter Corona-Bedingungen „realistisch“ über die Bühnen zwischen Luxemburg und Koblenz  gehen können. Weitere Programmreihen sollen folgen.

Bei der letzten Programmvorstellung des Mosel Musikfestivals verteilten die Mitarbeiter Masken. Masken für die Augen! Denn für das angekündigte Motto „Mit allen Sinnen“ waren die Zuhörer eingeladen, noch mehr die anderen Sinne zu spüren, Nase, Ohren, Gaumen. Beethoven war zu hören, ein Concert de Parfum wurde angekündigt. Ein Jahr ist das her. Bei der Programmpräsentation 2020 reicht Mund- und Nasenschutz hingegen nicht aus, um sich überhaupt irgendwo zu treffen. Intendant Tobias Scharfenberger stellt die 23 zunächst geplanten Konzerte für 2021 online vor. Im März und im Mai will er angepasst an die Entwicklung der Pandemie weitere Veranstaltungen für die Zeit zwischen 10. Juli bis 3. Oktober ankündigen. Vor der Corona-Krise gab es beim Festival rund 60 Konzerte an zahlreichen Orten entlang der Mosel.

„Wir bieten Ihnen nur Konzerte an, die in der gegenwärtigen Situation auch realistisch umsetzbar sind“, versicherte Scharfenberger, der das Programm unter das Motto „Die Zukunft ist so schön vakant …“ gestellt hat, ein Songzitat des Hamburger Musikers Thees Uhlmann. Die Bandbreite beim ältesten und größten Klassikfestival in Rheinland-Pfalz reicht vom weltweit gefeierten Pianisten Kit Armstrong über Vokalmusik der Renaissance bis hin zu hochkarätigen Jazz- und Gospel-Events. Die meisten Veranstaltungen, für die am Freitag auch der Vorverkauf begann, sollen im Freien stattfinden.

Scharfenberger betonte, dass ihm die Sicherheit der Besucher genauso am Herzen liege wie die Zukunft des Festivals, das neben künstlerisch hochwertigen Angeboten „doch wirtschaftlich verantwortungsvoll“ geplant werden müsse. Aus den vielen Experimenten, die das Festivalteam im Corona-Sommer notgedrungen für Konzertveranstaltungen machen musste und dem Rücklauf aus einer Online-Umfrage unter den Besuchern hat das Festival auch neue Formate entwickelt. „Rolling Tones“ zum Beispiel bietet als eine Art fahrendes Klassenzimmer eine mobile Bühne mit Live-Musik open-air überallhin, wo sie gefragt ist. „Kopfhören“ ist ein experimentelles Format, bei dem jeder Besucher über einen Kopfhörer in besonderem Ambiente sein individuelles Kulturerlebnis findet – ob im Museum oder auf den Moselhöhen in der Natur. „Espresso“ gibt kurze, intensive Konzerteinführungen – auch hier individuell über Kopfhörer, was dank diverserer Förderprogramme und Investitionen in die digitale Infrastruktur des Festivals möglich wurde. Klassisch bleiben Freiluftkonzerte, die „Weinklang“-Abende, bei denen exzellente Weine zu inspirierenden Klängen zu genießen sind, unter anderem auf dem Weingut Von Othegraven von Günther Jauch in Kanzem an der Saar, und „Nachts in ...“ – nächtliche Klangerlebnisse an faszinierenden oder gar magischen Orten wie den Weltkulturerbestätten. Und „Jugendstil“ ist ein Format, das junge aufstrebende Ausnahmetalente präsentiert und ihrem musikalischen Können eine Bühne bietet.

Das Programm

Besondere Höhepunkte bieten Auftakt und Schluss. Das Festival eröffnet der amerikanische Pianist Kit Armstrong am 10. Juli in Trier, auf dem Gelände des Priesterseminars. Er wird dann fast 500 Jahre alte Musik von William Byrd spielen, dessen Werke er zusammen mit denen von John Bull gerade für ein neues Album einspielt. Trier soll einer der ersten Orte werden, an dem Armstrong dies präsentiert. Der Künstler wird in der kommenden Saison wieder als artist-in-residence beim Festival sein.

Der „Schlussakkord“ am 3. Oktober, traditionell ein großes Konzert mit Orchester und mehreren Chören, widmet sich dieses Mal der zeitgenössischen Tanzproduktion „Hear Eyes Move – Dances with Ligeti“ der aus Wittlich stammenden internationalen Choreographin Elisabeth Schilling und ihrer Tanzcompany in der früheren Abteikirche St. Maximin in Trier. „Niemals zuvor sind alle 18 Klavieretüden eines der wichtigsten Komponisten der Moderne, Györgi Ligeti, vertanzt worden“, erklärt Scharfenberger, es sei ein „einzigartiges Projekt, das es so in der Art beim moselmusikfestival bisher noch nicht geben hat.“

Zweimal treten die vier Saxophonisten des Amstel Quartets aus Amsterdam auf, am 16. Juli auf Schloss Föhren mit ihrem Programm „Amstel Radio“, bei demdie Zuhörer bei der Musikauswahl mitbestimmen dürfen, am 18. Juli auf einem Moselschiff, das bei Mülheim ablegt. Bei „Nachts im Dom“ singen The Tallis Scholars am 17. Juli zum 500. Geburtstag von Josquin eine Messe unter Leitung von Peter Philipps. „Stimmwunder“ wie Chanda Rule und Michelle David bringen bei Freiluftkonzerten den Trierer Brunnenhof und die Moselauen von Bernkastel-Kues zum Klingen. Und beim Festival bewährte Gäste wie die Singer-Songwriterin und Cellistin Marie Spaemann (24. und 25. Juli) sowie die selbstironische Liedermacherin Fee Badenius (31. Juli) sind erneut mit von der Partie.

Außerdem lässt die finnische Band Uusikuu das Publikum auf dem „RollingTones“-Mobil aus Winningen und Klausen zu den musikalischen Ursprüngen ihres Landes entschwinden. Im „Kopfhören“-Format locken das  Moselkino hoch über in Leiwen, diesmal mit dem Programm „Schöpfungsmomente“, und die Alte Wollfabrik in Moselkern mit den „Gruselmomenten“ zu einzigartigen Veranstaltungsorten.

 Die Tanzcompany von Elisabeth Schiling setzt sich in der ehemaligen Kirche St. Maximin in Trier mit Werken von Ligeti auseinander.
Die Tanzcompany von Elisabeth Schiling setzt sich in der ehemaligen Kirche St. Maximin in Trier mit Werken von Ligeti auseinander. Foto: Mosel Musikfestival/Moselmusikfestival
 Das Amstel Quartet besteht aus vier Saxophonisten, die aus Amsterdam an die Mosel kommen. Beim Programm „Amstel Radio“ bestimmen die Zuhörer das Programm mit.
Das Amstel Quartet besteht aus vier Saxophonisten, die aus Amsterdam an die Mosel kommen. Beim Programm „Amstel Radio“ bestimmen die Zuhörer das Programm mit. Foto: Mosel Musikfestival/Moselmusikfestival
 Die Saxophonistin Nubya Garcia erhält den JTI Trier Jazz Award 2021. Mit ihrer Band spielt sie am 10. September das Preisträgerkonzert.
Die Saxophonistin Nubya Garcia erhält den JTI Trier Jazz Award 2021. Mit ihrer Band spielt sie am 10. September das Preisträgerkonzert. Foto: Mosel Musikfestival/Moselmusikfestival
     Das Programmheft mit den gekritzelten Pfeilen in sämtliche Richtungen nimmt das Hin und Her auf, das die Corona-Pandemie bei Kulturveranstaltern ausgelöst hat.  Copyright: lutzgestaltet, mülheim an der mosel
Das Programmheft mit den gekritzelten Pfeilen in sämtliche Richtungen nimmt das Hin und Her auf, das die Corona-Pandemie bei Kulturveranstaltern ausgelöst hat. Copyright: lutzgestaltet, mülheim an der mosel Foto: Mosel Musikfestival
 Erstmals präsentiert das Mosel Musikfestival sein Programm nur online.
Erstmals präsentiert das Mosel Musikfestival sein Programm nur online. Foto: Anne Heucher
 Diese Frau kann das Publikum gruseln lassen: Katja Heinrich spricht Werke von Philip Glass und Bernard Herrmann.
Diese Frau kann das Publikum gruseln lassen: Katja Heinrich spricht Werke von Philip Glass und Bernard Herrmann. Foto: Mosel Musikfestival/Moselmusikfestival

Als Talentförderung des „Jugendstils“ wird die junge Pianistin Johanna Summer mit Improvisationen über Stücke von Schumann die Synagoge Wittlich zum Klingen bringen, Elisabeth Plank mit Virtuosität auf der Harfe den Innenhof des Kurfürstlichen Palais bespielen und das Ensemble Repercussion den Monopteros vom Schloss Monaise in Trier mit einer energetischen Schlagzeugperformance neu in Szene setzen.