Mosel Musikfestival zieht positive Bilanz

Musik : Mehr Zuschauer, kein Defizit: Mosel Musikfestival zieht positive Bilanz

500 Zuhörer mehr als 2018 und kein Defizit: Tobias Scharfenberger freut sich über gelungene Spielzeit.

Das Mosel Musikfestival ist vorbei, der Intendant froh: 470 Künstler aus 37 Nationen haben in 54 Konzerten an 43 Spielstätten vor 11 500 Zuhörern gespielt – und Intendant Tobias Scharfenberger zeigt sich rundum zufrieden. Im Vergleich zur vorigen Spielzeit ist es ihm gelungen, 500 Besucher zurückzugewinnen. Auch endet die Saison dieses Mal nicht mit einem Defizit.  2018, in der ersten Spielzeit nach dem Intendantenwechsel hatte ein Minus von mehr als 80 000 Euro unterm Strich gestanden, woraufhin die Gesellschafter entschieden, das Festival finanziell besser auszustatten. „Wir schließen auch finanziell mit einer positiven Bilanz“, teilte Scharfenberger am Dienstag auf TV-Anfrage mit.

Gerade in der zweiten Festivalhälfte seien die Zuschauerzahlen deutlich gestiegen. 19 von 54 Veranstaltungen waren ausverkauft.  Wichtige Impulse habe die Uraufführung des Reidenbach-Requiems gegeben, ebenso wie das Volkslied-Projekt in Klausen oder das Schülerprojekt festival@school. Das Stammpublikum habe die stärkere künstlerische Ausrichtung des Festivals sehr positiv angenommen. Zudem sei es gelungen, neue Zuschauer aufmerksam zu machen. „Insbesondere bei den eher etwas ,exotischen’ Programmanteilen hat der Zuspruch unsere Erwartungen übertroffen“, sagt Scharfenberger. Erfolgreich seien auch die Kooperationen gewesen, darunter das ausverkaufte Open-Air-Konzert des Jeff Cascaro Quartetts aus der „Jazz im Brunnenhof“-Reihe oder die von JTI finanzierte Verleihung des „Jazz Award 2019“ an die Schlagzeugerin Eva Klesse.

Nicht nur die Reaktionen des Publikums, auch die positiven Pressestimmen zu den Konzerten zeigten, „dass die künstlerische, stärker themenorientierte Weiterentwicklung des Programms angenommen wird“. Anders als sein Vorgänger und Festivalgründer Hermann Lewen folgt Scharfenberger thematisch stets einem roten Faden: 2018, im Karl Marx-Jahr, lautete das Leitthema Industriekultur. Inhaltlicher Dreh- und Angelpunkt war das 19. Jahrhundert mit seinen rauchenden Kaminschloten, was sich auch an manch ungewöhnlicher Spielstätte zeigte. 2019 führte das Thema „Heimaten“ in nahe und ferne Klangwelten und warf die Frage auf, wonach wir uns sehnen, wenn wir von Heimat sprechen.  Deutsche Volkslieder waren ebenso zu hören wie die exotischen Melodien des armenischen Naghash Ensembles.

Für 2019 stand dem Intendanten ein Budget von rund einer Million Euro zur Verfügung, das laut Scharfenberger „nicht zuletzt durch die großzügige Erhöhung der Gesellschafter und der Förderung durch den Kultursommer Rheinland-Pfalz zu etwa 40 Prozent“ aus öffentlichen Geldern besteht. Die übrigen 60 Prozent verteilen sich auf Ticketerlöse und Sponsoring.

Mit dem Intendantenwechsel waren die Besucherzahlen deutlich zurückgegangen. Nur 11 000 Gäste kamen 2018. Deutlich weniger als 2017 (16 500) oder 2016 (13 000). Ein Rückgang, den der Intendant unter anderem mit dem heißen Sommer und vielen Parallelveranstaltungen erklärt hatte. „Wir wollten uns in dieser Saison im Vergleich zum Vorjahr verbessern, und das haben wir selbst bei weniger Konzerten getan. Es war uns wichtig, das Vertrauen des Stammpublikums zu stärken – das ist gelungen“, betont er nun – und kündigt an, 2020 „mit einem aufregenden Programm nachzulegen“. Ziel sei es, die regionale Bindung ebenso wie die nationale und internationale Ausstrahlung zu erhöhen.

Das Eröffnungskonzert für das 35. Mosel Musikfestival ist für den 5. Juli 2020 geplant; die Saison endet am 3. Oktober. Kommende Woche wird am 6. Dezember das neue Programm präsentiert; auch der Vorverkauf startet an diesem Nikolaustag. Einer der thematischen Schwerpunkte wird – so viel verrät Scharfenberger bereits jetzt – der 250. Geburtstag Ludwig van Beethovens sein.