Musik : Nicht Meditation, sondern volle Energie

Die Cellistin Katja Zakotnik mit Bach-Solosuiten auf Burg Landshut über Bernkastel.

Ein verstohlener Blick in die Runde genügt. Das war kein Publikum, das die Anstrengungen der Interpretin mit herablassendem Wohlgefallen quittiert. Hoch oben auf Burg Landshut bei Bernkastel lauschen die Menschen mit Hingabe den Celloklängen, die Katja Zakotnik wieder und wieder entfaltet. Die slowenische Cellistin hat sich auf vier Suiten von Johann Sebastian Bach konzentriert und zieht die Zuhörer mit einer enormen Energie hinein in ihren entschiedenen Interpretationsstil. Nichts bei ihr wirkt beiläufig, nebensächlich, minder interessant. Immer ist sie ganz bei der Musik. Und sogar die Ungunst des mal windigen, mal regnerischen, mal wieder trockenen Wetters stört sie nur in wenigen Takten.

Und da gelingt es ihr, Bachs Cellosuiten eins bis vier alle asketischen Anklänge zu nehmen und ihnen Kraft und Präsenz mitzugeben. Diese Kompositionen sind mehr als nur karge Einstimmigkeit. In der vielfältigen Melodik mit gelegentlichen Doppel- und Mehrfach-Griffen versteckt sich eine hochkomplexe Harmonik. Die greift auch in weit entfernte Tonarten aus. Zwei Sätzen aus den Suiten zwei und drei hat Bach sogar die Vorzeichen der alten dorischen Kirchentonart mitgegeben, ohne sich in Altertümlichkeiten zu verlieren. Und Sätze wie das Vorspiel und die abschließende Gigue der dritten Suite entfalten eine Dramatik wie eine spannungsgeladene Bühnenmusik.

Das ist das Faszinierende an Bachs Solo-Kompositionen: Mit den vergleichsweise bescheidenen Mitteln baut der Komponist eine eigene, neue musikalische Welt – mit weit ausgreifenden Klangflächen, mit Verdichtungen und ebenso durchdachtem wie brillantem Figurenwerk. Katja Zakotnik hat diese Vielfalt sicher im Griff. Ihr Bach ist von einer jugendlichen Energie, die den Zuhörer nicht mehr loslässt.

Lässt sich diese Musik so „genießen“, wie es uns das Programm nahelegen will? Sind die Solo-Suiten wirklich eine meditative Musik, die „Gedanken schweifen lässt“?

Das wohl kaum. Gerade diese Cellosuiten in ihrer ausgeprägten Diesseitigkeit richten sich an die gespannteste Aufmerksamkeit des Zuhörers, an seine Klangfantasie, an seine Fähigkeit zum emotionalen Nachvollzug.

Sie verbreiten nicht meditative Ruhe, sondern tänzerische Lebendigkeit. Und der Blick ins Publikum zeigt ja: Da wollten Musikfreunde nicht in subjektlosen Traumwelten versinken. Sie waren bis zum letzten Takt mit großer Energie bei der Sache.