Mozart kam aus New Orleans

Mozart kam aus New Orleans

Nachdem die Klassikserie des Echternacher Festivals vorüber ist, bestimmt an vier Abenden nun der Jazz das Geschehen im Trifolion. Im Mittelpunkt des ersten Konzerts stand die Swing-Legende Benny Goodman.

Echternach. (gkl) Was für ein Sound, der da den großen Saal des Echternacher Trifolions erfüllte. Satt, kernig, griffig und kaum einmal die akustischen Grenzen überschreitend. Man konnte im Swing, mit dem das Orchestre National de Jazz Luxembourg (ONJL) unter Leitung von Gast Waltzing baden und sich rundherum wohlfühlen. Ein guter Auftakt zu der kleinen Serie von vier Jazzkonzerten unter dem Dach des Echternacher Festivals, bei dem sich die Jazzorchester die Klinke in die Hand geben.

Waltzing hat ein sicheres Gefühl dafür, wie viel Klang ein Raum braucht, damit er bis in den letzten Winkel gefüllt ist ohne ihn zu sprengen. Sauber austariert ließ er seine Musiker agieren. Das alleine hätte schon ausgereicht, um einen erfolgreichen Abend zu bestreiten.

Aber wenn ein Konzert als Tribute to Benny Goodman überschrieben ist, darf eines nicht fehlen: ein Soloklarinettist. Niemand geringerer als der Kubaner Paquito D'Rivera, neunmaliger Grammygewinner, war es, der unbeschwert und gut gelaunt nach der orchestralen Eröffnung auf der Bühne erschien, die Orchesterleitung übernahm und keine Minute zögerte, mit ganz eigener Aura den fast ausverkauften Saal in seinen Bann zu ziehen. Alle Attribute, die dieses Instrument auszeichnen, sollten in Echternach zum Tragen kommen. Ob nun nachdenklich melancholisch ("Goodbye") oder witzig frech ("Undercurrent Blues"), mit allem, was eine Klarinette zu bieten hatte, wartete D'Rivera auf.

Auf lockere Art führte der Frontmann auch durch den Abend. Wie eine Art Brücke zum klassischen Festival machte er auch einen Ausflug zu Wolfgang Amadeus Mozart. Allerdings auch hier mit einer gehörigen Portion Humor.

Anhand des zweiten Satzes von Mozarts Klarinettenkonzert, KV 622, das auch Goodman schon gespielt hatte, belegte er augenzwinkernd, dass der Komponist nicht aus Salzburg, sondern aus New Orleans stammt. Auf höchst anspruchsvollem Niveau erklang dieser Teil mit allerlei Ausflügen in andere Mozartwerke. Da blieb kein Auge trocken. Mit jubelndem Applaus wurden D'Rivera und das ONJL verabschiedet.

Mehr von Volksfreund