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Mozarts "Hochzeit des Figaro" in Trier: Interview mit Regisseur und Dirigent

Oper : „Hochzeit des Figaro“ in Trier: Im Netz der subtilen Intrigen

Regisseur Jean-Claude Berutti und Dirigent Jochem Hochstenbach über Mozarts „Figaro“ in Trier.

Man könnte es auch „Trierer Mozart-Festspiele“ nennen. Nach dem „Don Giovanni“ im Oktober 2018 und der umjubelten Trierer Erstaufführung des „Idomeneo“ im Juni 2017 ist jetzt die dritte von Mozarts sieben großen Opern an der Reihe. Am Samstag, 25. Januar (19.30 Uhr), hat die „Nozze di Figaro“ im Trierer Theater Premiere – wie der „Don Giovanni“ inszeniert von Jean-Claude Berutti und gleichfalls dirigiert von GMD Jochem Hoch­stenbach. Das Theater kommt dabei ohne Gäste aus und besetzt alle Rollen aus dem eigenen Ensemble. Das ist für ein Haus der Trierer Größe nicht gerade alltäglich. TV-Mitarbeiter Martin Möller sprach mit Regisseur und Dirigent über die Neuinszenierung.

Herr Hochstenbach, nach dem Besuch einer Parsifal-Aufführung in Bayreuth hat Max Reger 14 Tage lang geheult und dann beschlossen, Musiker zu werden. Wie war das denn bei Ihnen und bei Mozart?

Hochstenbach: Das war etwas anders und vielleicht auch etwas moderner. Es gab bei uns zu Hause eine kleine Schallplatte, 17 cm und mit „extended play“ – also mit etwas längerer Spieldauer als die berühmte Single. Da hörte ich als junger Mensch Mozarts „Kleine Nachtmusik“. Es war eine gediegene Aufnahme, wahrscheinlich aus den späten 1950ern. Klar: So würde man Mozart heute nicht mehr spielen. Aber ich war damals fasziniert von dieser Musik, vor allem von der wunderbaren Harmonik.

Und bei Ihnen, Herr Berutti?

Berutti: Ich lebte mit meinen Eltern in einem Ort, 80 Kilometer entfernt von Aix-en-Provence. Und natürlich war ich mit meinen Eltern häufig bei den Festspielen. Ich erinnere mich an „Figaro“, aber auch an „Don Giovanni“. Beide Opern haben mich tief beeindruckt. Die musikalische Leitung hatte damals übrigens Hans Rosbaud …

… der legendäre Chefdirigent des Südwestfunk-Sinfonieorchesters und entschiedener Förderer der damalige Avantgarde.

Hochstenbach: Es gibt wunderbare Aufnahmen des „Figaro“ – unter Josef Krips, unter Erich Kleiber, unter Fritz Busch – auch unter Herbert von Karajan ..

Berutti: ... nicht Karl Böhm?

Hochstenbach: Nein, Karajan, aber in der exzellenten Einspielung von 1950 mit dem Philharmonia Orchestra London.

Kann man sagen, dass man als Regisseur und Dirigent Impulse aus Mozarts Musik aufnehmen und umsetzen kann?

Hochstenbach: Mozart allgemein und speziell der „Figaro“ haben ja etwas ungemein Inspirierendes. Nun ist jedes Theater anders und jede Opernkomposition auch. Da müssen Dirigent und Regisseur gemeinsam, was geht und was nicht geht.

Berutti: Ich meine, dass gerade der Figaro eine gewisse Tiefe hat, dass sich da vieles unterhalb der Oberfläche abspielt. Wir haben mit den Sängerinnen und Sängern zunächst einmal eine Woche lang Beaumarchais gelesen – seine thematisch zusammenhängenden Theaterstücke „Barbier von Sevilla“, die „Figaro“-Vorlage „Der tolle Tag“ und dann „Die schuldige Mutter“. Am Ende der Trilogie erfahren wir, dass die Gräfin von Cherubino ein Kind bekommt und Cherubino später im Krieg fällt. Der Text von Beaumarchais ist ein Meisterwerk. Mozart hat ihn gekannt und dessen Genialität gespürt.

Hochstenbach: Der „Figaro“ ist ein kompliziertes Drama. Das merkt man, wenn man den Inhalt erklären will. Man verliert sich sehr rasch in den Details. In der Aufführung müssen sich dann Szene und Musik treffen. Darum hört jeder sehr aufmerksam dem anderen zu. Und wir merken, dass wir nicht weit auseinander liegen.

Berutti: So, wie sich die Gräfin im zweiten Akt gibt, könnte man denken: die Arme, Unschuldige. Aber sie ist es ja, die ein ganzes Netz von Intrigen spinnt. Und mit der Bitte des Grafen um Verzeihung ist zwar Mozarts Oper zu Ende, aber nicht die Geschichte im Hintergrund.

Wie politisch ist der Figaro?

Berutti: Beaumarchais hatte ja Schwierigkeiten mit der Zensur und hat deshalb manche Passagen gestrichen oder entschärft. Aber natürlich: Im Drama bei Beaumarchais und auch in Da Pontes Umsetzung gibt es eine Menge Gesellschaftskritik. So sagt Figaro bei Beaumarchais in Richtung des abwesenden Grafen: „Weil Sie ein großer Herr sind, halten Sie sich für einen großen Geist. Was haben Sie denn getan, um so viele Vorzüge zu verdienen? Sie machten sich die Mühe, auf die Welt zu kommen, weiter nichts. Im Übrigen sind Sie ein ganz gewöhnlicher Mensch“. Das hat Da Ponte natürlich gestrichen und den Konflikt Figaro-Graf auf eine persönliche Konfrontation reduziert.

Waren der Graf und Figaro früher nicht dicke Freunde?

Berutti:  Sie waren es bis zur ersten Szene der Oper. Danach werden sie zu Konkurrenten. Und ihre Auseinandersetzung ist mit dem Schlussakkord der Oper ja keineswegs beendet.

Herr Hochstenbach, wir  hatten anfangs einige Dirigenten erwähnt – Busch, Rosbaud, Krips, Karajan. Vielleicht kann man noch Erich Kleiber hinzufügen. Alle Dirigenten bevorzugen einen schlanken, gradlinigen Interpretationsstil. Wie gestaltet sich Ihr Stil ?

Hochstenbach: Also, es gibt viele gute Stile – nicht nur bei den Dirigenten, die wir erwähnt haben. Am wichtigsten ist mir die Einsicht, dass Mozart echte Charaktere ausgeprägt hat. Er war damit ganz lebensnah. Wenn es mir gelingt, den Personen auf der Bühne ein deutliches Profil mitzugeben und dazu die Sängerinnen, Sänger und das Orchester in jeder Sekunde sorgfältig zu führen, dann habe ich mein Ziel erreicht. Interview: Martin Möller

 100 Jahre Orchester , Abschluss in St. Maximin
100 Jahre Orchester , Abschluss in St. Maximin Foto: Theater Trier/MARCO PIECUCH

Die Hochzeit des Figaro: Premiere am 25.1., nächste Termine: 1.2., 16.2.,  28.2.