Müdes Lächeln

Pilgerwege haben im Prümer Land Tradition. Führt doch der berühmte Weg zum Apostelgrab in Santiago di Compostela durch die alte Abteistadt. Mit dem Kulturjahr Projekt "Der lächelnde Christus" ist jetzt eine neue Art der Pilgerreise möglich. Die 1. Station ist Prüm. Mit Lächeln ist vorerst allerdings wenig.

Prüm. (er) Ein Pilgerweg für die Kunst: die Idee ist viel versprechend, zumal in einer Region, in der sich das Erlebnis von Landschaft und christlicher Kunst so vorzüglich verbinden lässt wie hierzulande. Als sich vor einigen Jahren die Europäische Vereinigung Bildender Künstler aus Eifel und Ardennen (EVBK) entschloss, aus ihrer Ausstellung "Der lächelnde Christus" eine Wanderausstellung zu machen (der TV berichtete), war das ohne Zweifel ein gutes Projekt. Reizvoll war auch das künstlerische Anliegen. "Wir sind überzeugt, dass das Lächeln der christlichen Wahrheit ebenso entspricht wie die Leidensmiene des Mannes am Kreuz", so lautete damals das Credo der beteiligten Künstler. In der jetzt als Pilgerweg etablierten Schau geht es um mehr als ein zeitgenössisches Trost spendendes Christusbild. Die Verbindung von Landschaft, sakralem Raum und Kunst will neue Glaubenserfahrungen vermitteln und ein besseres Ortsverständnis fördern. Sieben Stationen zwischen Luxemburg und Eupen hat der Weg des lächelnden Gekreuzigten. Über 60 Künstler der EVBK, die mit dem Tourismuspastoral Luxemburg und dem Bitburger Beda-Institut federführend das Projekt betreut, beteiligen sich mit Kunstwerken. Nach der Aussendung in Luxemburg ist die erste Station des "Lächelnden Christus" das reizvoll gelegene Prüm. Da freilich kann einem das Lachen vergehen. Was wäre die barocke Abtei Kirche, die sich als Bau gotisch gibt, mit dem Grab Kaiser Lothars des I. und der Reliquie "Sandalen Christi", für eine Herausforderung gewesen. Stattdessen begnügen sich die Pilgerväter mit Dekoration. Statt der himmelwärts strebenden Ekstase des barocken Hochaltars bildnerisch tiefe Innerlichkeit entgegen zu setzen, haben sich die Ausstellungsmacher darauf beschränkt, ein paar Bilder hinzustellen. Auch der prachtvolle Reliqienschrein, auf den sich die Schau ausdrücklich bezieht, hat ebenso wenig einen wirklichen Dialogpartner wie das majestätische Grab des Kaisers. Ob man den Tod Kaiser Lothars (795-855) und die daraus folgende Reichsteilung als das Ende der Idee eines vereinten Europa - wie im Begleitheft zu lesen - bezeichnen kann, erscheint fragwürdig. Auf der ersten Station des europäischen Pilgerwegs in Prüm ist jedenfalls die Chance auf den Zusammenfall künstlerischer Gegensätze in eine neue geistige und geistliche Gemeinschaft und selbst die auf weiterführende Interpretation des Bestandes vertan. Was sich darstellt, ist die notdürftige Möblierung eines eindrucksvollen traditionsreichen Kirchenraums mit eher schwachen zeitgenössischen Glaubensbildern. Manche Arbeiten - wie etwa Eva Jüngers himmelschreiender Mensch wirken sogar einfach nur lieblos abgestellt. Wie ein Appell hätte sich dieses Bild nackten Menschseins in der reich gewandeten Pracht des Altarraums gemacht. So jedenfalls wird die neue Botschaft nicht gehört. Prüm bleibt trotzdem eine Reise wert. Weitere Stationen: Station 2: Kapelle Knaufspesch, 3: Kapelle Buchet, 4: Kapelle Krewinkel, 5: Jugendhilfezentrum Don Bosco Helenenberg, 6: Altenheim Belle Vue Echternach, 7: Kathedrale Unserer Lieben Frau, Luxemburg