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Musical "Bodyguard" in Esch-sur-Alzette: Verbotene Liebe ohne Happy End

Kostenpflichtiger Inhalt: Bühne : Musical „Bodyguard“ in Luxemburg: Verbotene Liebe ohne Happy End

Was passiert, wenn sich ein Popstar in seinen Bodyguard verliebt? Tausende Besucher haben die dramatischen Entwicklungen bei fünf Musical-Shows in der Rockhal in Esch-sur-Alzette verfolgt.

Zum großen Finale des Musicals tritt Hauptdarstellerin Marina Maniglio alias Rachel Marron  ins Rampenlicht. Ihr langes schwarzes Kleid mit Pailletten und Swarovski-Kristallen glitzert, als sie auf einem Podest nach oben gefahren wird. „I will always love you“, eine der schönsten Balladen der Popgeschichte, bildet den Höhepunkt der Samstagabendshow vor 700 Zuschauern in der Rockhal Esch. Und das melancholische Ende der Beziehung zu Frank Farmer (Jo Weil in der Titelrolle des „Bodyguard“).

Der Film Das Musical basiert auf dem Hollywood-Film „Bodyguard“ von 1992 mit Sängerin Whitney Houston und Kevin Costner, setzt aber inhaltlich und musikalisch eigene Akzente. So haben die Produzenten weitere Houston-Hits wie „I wanna dance with somebody“ oder „How will I know“ eingebaut, die nicht zum erfolgreichsten Soundtrack aller Zeiten (44 Millionen Mal verkauft) gehörten.

Die Handlung Die exzentrische Popsängerin Rachel Marron bekommt Drohbriefe von einem Stalker. Ex-Agent Frank Farmer soll sie beschützen. Das fällt ihm zunächst schwer, da Marron sich nicht einschränken will. Erst als Farmer den Star aus einer gefährlichen Situation rettet, erkennt die Sängerin die Notwendigkeit, und die beiden kommen sich auch privat näher.

Die Thriller-Momente Die Macher des Musicals setzen auf Überraschungseffekte. So zucken die nichtsahnenden Zuschauer gleich zu Beginn zusammen: Noch während der Vorhang geschlossen ist, kommt es zu einem Schusswechsel zwischen Farmer und einem Attentäter. Unheimlich wird es immer dann, wenn der heimliche Stalker (Christopher Neris) zu sehen ist. Erst in einer Videosequenz an die Wand projiziert, dann in einer Art zweiter Ebene eingeführt und schließlich als Akteur, der sich mit Tarn-Identität ins Leben des Stars schleicht. Beklemmend wirkt die Szene, als der dunkel gekleidete Stalker mit einer Pistole ins Publikum zielt und dann ein Bild von Rachel Marron per Laser anvisiert und virtuell in 1000 Teile zerschießt. Mit Sturmhaube mas­kiert, dringt er in die Blockhütte ein, in die sich Marron und Farmer zurückgezogen haben, und ermordet dort Rachels Schwester Nicki mit einem Messer.

Die Darsteller Marina Maniglio überzeugt in jeder Szene mit ihrer starken Präsenz und Ausstrahlung. Scheinbar mühelos meistert sie die Balladen und Uptempo-Nummern, spielt glaubwürdig Zicke, Diva, sorgende Mutter und Liebhaberin. Jo Weil mimt anfangs den harten Mann, lässt zwischendurch seine weichen Seiten bei Szenen mit Rachels Sohn Fletcher aufblitzen. Bei Rachel taut er auf, zieht sich aber dann pflichtbewusst auf seine berufliche Aufgabe als Beschützer zurück. Bei der Szene in der Karaoke-Bar verlangt die Rolle, dass er schlecht singt. Im Volksfreund-
Interview vorab verriet Jo Weil: „Im echten Leben kann ich auf jeden Fall besser singen, als ich es bei ,Bodyguard’ zeigen darf.“ Andrea del Solar muss sich hingegen als Nicki Marron nicht zurückhalten und brilliert wie Maniglio mit ihrer Stimme.

Das Bühnenbild Charakteristisch ist ein schneller Wechsel der Bühnenbilder. Dabei bedarf es keiner bombastischen Bauten. Durch geschicktes Versetzen der Wand-Schiebeelemente, unterstützt durch farbige Leuchtrahmen, entsteht immer wieder ein dreidimensionaler Raum­eindruck. In einer Schlüsselszene taucht Frank Farmer aus dem Nichts auf und bringt die in einem Club von Fans und dem Stalker bedrängte Rachel auf seinen Armen in Sicherheit. Während die beiden im Hintergrund verschwinden, erscheinen sie vorne schemenhaft als Nebelfiguren – ein starker Effekt.

Die Inszenierung Zwölf Tänzerinnen und Tänzer sorgen bei Rachels Auftritten für Power und Glamour. Wichtig auch, wie sich die Menge bei der Szene im Club um die Sängerin drängt, um die Unübersichtlichkeit und Unberechenbarkeit der Situation deutlich zu machen. Auffällig unauffällig: die fast unsichtbaren Kopfmikros der Darsteller. Nur einige Handmikrofone von Nebendarstellern haben zeitweise Aussetzer.

Das Ende Jo Weil bleibt sich treu. Lange spielte er in der Fernsehserie „Verbotene Liebe“ die Rolle des Olli Sabel. In „Bodyguard“ rettet er seiner Rachel zwar das Leben, doch „für immer lieben“ darf er sie nicht.

Die Zugabe Nach „I will always love you“ öffnet sich der Vorhang noch einmal für einen Abschiedsauftritt des gesamten Ensembles. Statt Melancholie herrscht die ausgelassene Stimmung von „I wanna dance with somebody“. Als der „böse“ Stalker-Darsteller Christopher Neris erstmals lächelnd die Bühne betritt, geht zuerst ein Raunen durchs Publikum. Doch dann bekommt natürlich auch er Applaus und darf sogar noch einen Part singen.