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Musik beginnt und endet mit Gefühl: Alfred Brendel in Bitburg

Meister und Schüler: Pianist Alfred Brendel erzählt in Bitburg über Musik und ihre Interpretation. Sein „Lehrling" Kit Armstrong unterstreicht die Erkenntnisse mit ausgewählten Musikstücken. Foto: Mosel Musikfestival/Artur Feller
Meister und Schüler: Pianist Alfred Brendel erzählt in Bitburg über Musik und ihre Interpretation. Sein „Lehrling" Kit Armstrong unterstreicht die Erkenntnisse mit ausgewählten Musikstücken. Foto: Mosel Musikfestival/Artur Feller FOTO: ARTur (g_kultur
Bitburg. Das Mosel Musikfestival hat am Samstag in Bitburg einen großartigen Höhepunkt erreicht. Im Haus Beda las Altmeister Alfred Brendel aus seinem Buch "Das A-Z eines Pianisten". Sein Schüler Kit Armstrong brachte zum Klingen, was sein großer Lehrer vortrug.

Bitburg. Kaum ein Pianist wird von Publikum und Kritik so sehr verehrt wie Alfred Brendel, dessen begnadete Hände die Musik so sprechend machen, so kontrastreich und spannend wie das Leben selbst. Brendels Spiel ist schließlich Leben, tief empfundenes, mitleidendes, aber nie sentimentales oder gar jammerndes Leben.
Mosel Musikfestival


Vor sieben Jahren hat der 1931 geborene Österreicher, der heute in London lebt, im Wiener Musikverein sein Abschiedskonzert gegeben. Als Legende wird er gern bezeichnet. Zum Glück ist er eine, die auf unzähligen CDs allgegenwärtig ist. Und wie sich in Bitburg zeigte, eine von ungebrochener Faszination.
Oben auf dem Podium im Haus Beda sitzt er, feinsinnig, ein wenig geschwächt vielleicht, aber hellwach. Mitgebracht hat er seinen jungen hochtalentierten Meisterschüler Kit Armstrong. Der 23-Jährige wird am Klavier "illuminieren" ,wie Brendel sagt , was der Lehrer in Worte fasst.
Denn Brendel war zeitlebens auch ein großer Denker, ein Erzieher, der seinem Publikum die Sinnhaftigkeit der Musik nahegebracht hat. Was er erkannte, hat er in brillant formulierten Texten mitgeteilt.
In Bitburg liest er aus "Das A-Z eines Pianisten". Es geht ihm um die Schlüssigkeit von Musik und Interpretation, um Proportion, Kontraste und überraschende Einfälle, um musikalische Beredsamkeit. "Musik muss reden", sagt der Pianist. Allem voran steht Brendels berühmtes Credo, nach dem Musik immer mit dem Gefühl beginnt und mit dem Gefühl endet.
Dass solches Gefühl, wie die Musik selbst, auch das Geheimnisvolle, Verstörende einschließt, macht Kit Armstrong in Franz Liszts Sonate "Mosonyis Grabgeleit" eindrücklich deutlich. Sichtlich bewegt hört sein Lehrer den musikalischen Reflexionen über Tod und Trauer zu.
Johann Sebastian Bach befreit er vom Image des Musik verfugenden Technokraten. Stattdessen lässt er die Musik des Thomaskantors durch Armstrong in seinen Orgelchoralvorspielen singen. Ein Genie des Ausdrucks ist Liszt für den Pianisten. Armstrong liefert in der h-Moll Sonate den Beweis. Nachdenklich, fast weise spielt der junge Amerikaner, ohne jemals altklug zu wirken. Und zeigt dabei sein geniales Talent, sein Gefühl für Dynamik, Farbe und Tonsprache.
270 Gäste hören fasziniert zu. Ihre "Standig Ovations" sind Dank und Verbeugung. er