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Musik, die gen Himmel strebte

Musik, die gen Himmel strebte

1989 sind die Musikfestspiele Saar von Robert Leonardy gegründet worden. Mit einem Chorkonzert der Extraklasse war das Festival jetzt auch in Trier zu Gast.

Trier. Alle zwei Jahre gibt es das Musikfestival in unserem benachbarten Bundesland. In diesem Jahr zum 11. Mal. Präsentiert vom Trierischen Volksfreund gastierten die Saarländer in Trier mit einem Chorkonzert, das sich weit mehr als nur sehen und hören lassen konnte. Von der Elbe über die Saar kam der NDR-Chor aus Hamburg an die Mosel und gestaltete unter der Leitung von Philipp Ahmann einen Abend der Spitzenklasse. Schon der Auftakt des Abends war packend und emotionsgeladen. An fünf Stellen der Jesuitenkirche hatte sich der Chor verteilt und interpretierte Knut Nystedts "Immortal Bach". Mit einer Stimmkultur, die diesen Profichor auch in seiner Liga in eine besondere Klasse hebt, verbanden sich die Klänge der fünf Gruppen und wurden, unterstützt von der für diese Musik optimalen Akustik des Gotteshauses direkt gen Himmel getragen: Ein großes Erleben.
Im Mittelpunkt des Programms standen Bearbeitungen für Chor aus der Feder des deutschen Komponisten Clytus Gottwald, darunter die Uraufführung zweier Werke von Franz Liszt, die er für achtstimmigen Chor eingerichtet hat. Es hatte etwas faszinierendes, etwa die Lieder "Blume und Duft" in dieser Vielstimmigkeit zu erleben.
Als schlicht grandios aber musste man "Im Abendrot" bezeichnen, bei dem Gottwald die Noten des berühmten Adagietto aus Gustav Mahlers 5. Sinfonie mit dem Text von Joseph von Eichendorff verbunden hat. Ist dieser Satz instrumental schon ein Erlebniskosmos für sich, so wurde er in der Chorfassung zu einer ganz neuen Erfahrung, die wahrlich unter die Haut ging. Es war gerade so, als sei dieser melancholische Text genau für diesen Sinfoniesatz geschrieben. gkl