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Musik, die Hoffnung macht

Ein berührendes Konzert gestalten Inga-Britt Anderson, Sopran, Marion Eckstein, Alt, der Dirigent Jochen Schaaf, Clemens Bieber, Tenor, und Franz Grundheber, Bariton. TV-Foto: Dirk Tenbrock
Ein berührendes Konzert gestalten Inga-Britt Anderson, Sopran, Marion Eckstein, Alt, der Dirigent Jochen Schaaf, Clemens Bieber, Tenor, und Franz Grundheber, Bariton. TV-Foto: Dirk Tenbrock FOTO: Dirk Tenbrock (DT) ("TV-Upload Tenbrock"
Trier. Ein opulentes und anrührendes Konzerterlebnis haben der Trierer Konzertchor und das Philharmonische Orchester der Stadt Trier den über 600 Zuschauern am Sonntagnachmittag in der ehemaligen Abtei St. Maximin mit Dvoráks "Stabat Mater" geboten. Herausragend die Solisten mit Star-Bariton Franz Grundheber an der Spitze. Dirk Tenbrock

Trier. Sichtlich berührt ist Hermann Lewen, Intendant des Mosel Musikfestivals, bei der Begrüßung des Publikums zum Konzert in St. Maximin. Er widmet dieses Konzert dem vor rund einem Jahr verstorbenen Gründer des Trierer Konzertchores, Manfred May, einem Freund und Förderer des Festivals.

Die Rührung sollte sich fortsetzen an diesem Nachmittag: Zur Aufführung kommt nämlich das "Stabat Mater" von Antonin Dvorák (1841-1904). Mit seiner Vertonung der mittelalterlichen Dichtung vom Leiden der Gottesmutter im Angesicht des Todes Jesu Christi hatte der böhmische Komponist wohl den traurigen Tod seiner drei kleinen Kinder verarbeitet. Entsprechend tragisch mutet die Musik an.

Auf der Bühne der ehemaligen Reichsabtei in Trier stehen mehr als 100 Mitwirkende, der Trierer Konzertchor, das Philharmonische Orchester der Stadt Trier und vier Solisten: die Sopranistin Inga-Britt Anderson, Marion Eckstein (Alt), Clemens Bieber (Tenor) und der aus Trier stammende Weltstar Franz Grundheber (Bariton). Während der 90 Minuten des Konzertes ist es mucksmäuschenstill in den sonnendurchfluteten Hallen. Die Musiker ziehen das Publikum vollends in ihren Bann, die große Sinfonik ist ergreifend und die Ausführung schlicht großartig.

Voller Sensibilität und mit höchster Konzentration leitet Jochen Schaaf den Chor, das Orchester und die Solisten. Andersons Sopran leuchtet, Ecksteins Alt drückt all die schmerzliche Trauer aus, sowohl in den tieferen als auch den höheren Lagen gibt es kein Wackeln, der Gesang dringt in perfekter Harmonie bis in die letzten Reihen.

Biebers glänzender Tenor ist von reifer, lyrischer Ausdrucksstärke geprägt, dazu kommen eine erstaunliche Frische und technische Perfektion. Und den mittlerweile 77-jährigen Franz Grundheber und seinen perfekten Bariton zu loben, hieße Eulen nach Athen tragen. Scheinbar alterslos ist der aus Trier-Biewer stammende Sänger; so meistert er mühelos auch die schwierigsten Anforderungen des zehnsätzigen Werkes. Sein Ausdruck ist unerreicht, seine Präsenz füllt den Kirchenraum.

Die ersten Sätze sind getragen sakral, der Chor singt feinfühlig und exakt. Die Trierer Philharmoniker musizieren auf der Höhe ihres Könnens, gefühlvoll begleitend, passioniert. Einzig den Streichern erlaubt Dvoráks Partitur die eine oder andere solistische Passage, Konzertmeister Petar Entchev führt souverän.

In den letzten Sätzen des Konzertes blitzt musikalisch etwas Hoffnung auf, die Melodien stimmen auf die erhoffte Erlösung ein. Das alles kommt im positiven Sinne bombastisch daher, kein Vergleich jedoch zur Londoner Aufführung von 1884, die Dvorák den internationalen Durchbruch gebracht hatte.

Damals hatten in der Royal Albert Hall 8000 Zuschauer ein vielhundertköpfiges Ensemble mit allein 250 Sopranen bejubelt. Glücklicherweise braucht das MoselMusikfestival diesen Gigantismus nicht: Es funktioniert auch ein paar Nummern kleiner.

Und es funktioniert ganz wunderbar. Zum Ende hin schwingt sich der Chor noch mal jubilierend in die Höhen, das Orchester schwelgt im Tutti, und die Solisten - jeder einzelne unterscheidbar und hörbar - geben noch einmal alles. Das ist sowohl kontemplativ, als auch höchst beglückend, und das Publikum dankt mit minutenlangem, großen Applaus.
Ein herausragender Abschluss eines wahrlich kulturell an Höhepunkten reichen Trierer Kultur- Wochenendes mit inspirierenden Theater- und Opernpremieren, der langen Nacht der Museen und Konzerten. "Wir können uns glücklich schätzen, so ein Angebot zu haben", meint ein Besucher im Hinausgehen. Dem ist nichts hinzuzufügen.