Musik im Weitwinkel

SCHWEICH. (mö) 15 Jahre Alfred-Führer-Orgel in der Pfarrkirche Schweich: Grund genug für ein Jubiläumskonzert. Der Hamburger Domorganist Eberhard Lauer erwies sich darin als versierter Interpret.

Nicht nur das kleine Orgelbau-Jubiläum verlieh dem Schweicher Abend Profil, sondern auch die Erinnerung an den zehnten Todestag von Wolfgang Oehms, der den Bau des Instruments fachkundig begleitet hatte. Schließlich gaben das Programm mit seinem Bezug zur Marienfrömmigkeit und die Lesung aus dem Lukas-Evangelium dieser Veranstaltung ihr Gesicht. Mit Eberhard Lauer war zudem ein angesehener Interpret zu Gast. Bei ihm bildete sich ein Stück Orgelmusikgeschichte wie durch ein Weitwinkel-Objektiv ab: Je näher die Kompositionen der Gegenwart rückten, um so präsenter seine Interpretation. Dietrich Buxtehudes Magnificat und das "Ave maris stella" von Nicolas de Grigny wirkten wie aus der Ferne musiziert - blass, eilig und ohne Charakteristik. Auch Bachs Choralvorspiel "Meine Seele erhebt den Herrn" (nach einem Duett aus der gleichnamigen Kantate) blieb allzu flüchtig. Trotz allem Nachdruck, aller Spielfreude und den tänzerischen Akzenten: Sogar das Bachsche G-Dur-Präludium mit Fuge droht allzu rasch, allzu routiniert abzulaufen. Anders stand es dann mit Mendelssohns Sonate op. 65,3. Da klang der geistliche Überschwang dieser Musik auf, da erhielt die Fuge trotz schlanker Klanggebung Fülle und Wucht. Mit jedem Schritt in die Gegenwart vertiefte Eberhard Lauer seine musikalische Intensität. Wunderschön dicht, geschlossen und verinnerlicht Max Regers "Ave Maria" op. 80,5 - Musik aus tiefster Frömmigkeit. Das "Te Deum" von Jean Langlais mit seinem hymnischen Kontrast von ein- und vollstimmigem Satz hatte Deutlichkeit und Emphase, Kraft und Nuancierung zugleich. Die Improvisation über das Marienlied "Wunderschön prächtige" schließlich glänzte mit intelligenter Einbeziehung der Choralmelodie und einem beinahe impressionistischen Klangsinn.

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